Typisch,

liebe Leser,

beschimpft mich, wenn ihr wollt.

Donald Trump

Es fällt schwer, über Donald etwas Gutes zu schreiben, wahrscheinlich ist es unmöglich. Er ist offen rassistisch, sexistisch und protzt gerne mit seinem Milliardenvermögen. Von all jenen, die sich für die US-Amerikanischen Republikaner derzeit als Kandidaten bewerben, ist er der peinlichste.
Und der beliebteste. Wie kann das sein? Ein Grund ist, dass er sich von seiner potentiellen Gegenkandidatin Hillary Clinton enorm abhebt. Auch sie ist reich, tut aber so, als wäre ihr der Reichtum irgendwie versehentlich untergekommen. Ihre Sätze klingen wohlüberlegt, als wären ihre Reden von PR Profis geschrieben und getestet worden (was wahrscheinlich der Fall ist), sie klingt wie eine perfekte Sprechmaschine.
Interessant ist, dass es mindestens zwei unterschiedliche Sichtweisen gibt. Die Medien bejubeln Hillarys Auftritte, oder berichten zumindest sehr respektvoll von durchchoreographierten Inszenierungen. Das Wahlvolk aber wendet sich nach und nach von ihr ab. Wenn Donald Trump über die Menstruation einer Journalistin, die ihn gerade interviewt hat, phantasiert, prophezeien anschließend etablierte Beobachter, dass es das wohl war für Donald Trump, sein Ende. Seine eigene Partei lädt ihn längst nicht mehr ein, man schämt sich. Seine Umfragewerte aber steigen nach jeder seiner Eskapaden.

Jeremy Corbyn

Die (früher sozialistische, heute sozialdemokratische) Labour Partei Großbritanniens hatte mit Tony Blair ihren letzten charismatischen Führer. Erinnert sich jemand an die nachfolgenden Gordon Brown und Ed Miliband? Ich auch nicht, zum Glück gibt es Wikipedia. Für die nächste Wahl zum Parteivorsitzenden läuft sich gerade allerlei Parteiprominenz warm – und ein Außenseiter: Jeremy Corbyn. Er fordert Unmögliches, wie die Wiederaufnahme von Bergbauanlagen, die in den 80-er Jahren unter Thatcher geschlossen wurden sowie die Verstaatlichungen von Schlüsselindustrien. Er trägt keine dunkelblauen Anzüge und klingt auch nicht, als hätte er dieselbe Rhetorikschule durchlaufen, wie alle anderen. Prominente warnen eindringlich davor, ihn zu wählen, es wäre das Ende der Labour Partei. In Umfragen liegt er vorne.
Es gab vor kurzem schon mal einen wie ihn, unwählbar und gefährlich. Heute drückt Brüssel die Daumen, dass ihm die Wiederwahl gelingt:

Alexis Tsipras

Er war das Schreckgespenst Europas, als man meinte, ihn noch verhindern zu können. Er war der Buhmann, als er nicht mehr zu verhindern war. Er ist heute der Garant für eine Kontinuität, die sich schnell eingestellt hat. Die Welt ist in der Zwischenzeit meines Wissens nach nicht untergegangen.

Fazit

Der Deutschlehrer meiner 5. Klasse sagte in einer Situation, als wir uns über einen Außenseiter lustig machten: „Gut, dass es Typen gibt“. Das habe ich bis heute nicht vergessen und sehe Typen seitdem anders. Das Establishment, das sind oftmals wir alle. Zum Glück besteht die Welt nicht nur aus wenigen Schubladen, in die wir Menschen einsortieren können, damit wir sie verstehen. Es gibt Typen wie Till Schweiger, den wir nie mochten, dessen Äußerungen oft fragwürdig sind – und denen wir plötzlich glauben, was sie tun. Erst aus dieser Position heraus können wir sie unterstützen, ignorieren, bekämpfen, beschimpfen, anhimmeln oder sonst was mit ihnen anfangen.
Donald Trump ist ein Arsch. Und ich halte ihn für glaubwürdig. Beschimpft mich, wenn ihr wollt.

4 Gedanken zu „
Typisch,

liebe Leser,

beschimpft mich, wenn ihr wollt.

  1. Ich wohne ja in London und finde es höchst amüsant wie labour supporters in England entsetzt sind dass Jeremy Corbyn ‚convictions‘ hat. Wie frech von Ihm, das sind wir doch schon seit Jahrzehnten nicht mehr gewöhnt. Und jetzt stellt er sich auch noch zur Wahl, wo er doch wie ein Mensch und wie er selbst klingt wenn er spricht, frech!
    Leute wie er sind so erfrischend in unserer von PR Gurus kontrollierten politischen Welt.

    1. In Deutschland läuft es so: Die SPD denkt (in Teilen) gerade laut darüber nach, GAR KEINE(N) Kanzlerkandidaten/Kandidatin zu nominieren – er/sie hätte eh keine Chance. Traurig. Politik ohne Alternative.

  2. Hallo Oliver,
    wir haben an anderer Stelle einmal über „Helden“ gesprochen. Ich finde, dass es sich mit „Typen“ ähnlich verhält. Ein Typ ist ein Mensch mit Ecken und Kanten. Er taugt zum Vorbild.
    Typen polarisieren, Typen rütteln an Werten, Typen erschrecken…gehen neue Wege. Ob Donald Trump ein „Arsch“ ist, ist vielleicht nicht die Frage. Ich denke das auch:-). Aber was hat er, was andere nicht haben?
    Mir fallen ganz viele Typen ein in der Geschichte, leider wenige in der jüngeren…
    Als Fazit möchte ich eine These aufstellen:
    Das Establishment macht das Charisma kaputt. Und „Typ-sein“ ist eine hohe Verantwortung.

    1. Lieber Guido, hab vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Ich denke, sowohl Abweichung als auch Anpassung sind zwei wichtige soziale Fähigkeiten, die eine Balance zueinander haben sollten. Dies gilt dann sicher für jeden einzelnen ebenso wie für eine ganze Gruppe oder Gesellschaft.
      Hab Dank für Deine treue Gefolgschaft meines Blogs!

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