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„Herzlich willkommen Frau Präsidentin Park Geun-hye“

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye wird heute zu einem Staatsbesuch in Berlin erwartet, sie trifft sich mit Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck. Ich heiße sie herzlich willkommen.

Was ich nicht willkommen heiße ist die befremdliche Kampagne, mit der Samsung – offenbar so etwas wie der südkoreanische Hoflieferant – den Besuch seit Tagen vorbereitet: Banner an Hausfassaden, Leuchtreklame und heute ganzseitige Anzeigen in Tageszeitungen. Bin ich der einzige, der sich an die DDR Politkultur erinnert fühlt? Fehlt nur noch die Beflaggung entlang der Route vom Flughafen.

Unternehmenskommunikation
Unternehmenskommunikation – dokumentiert mit meinem SAMSUNG

„Herzlich willkommen Frau Präsidentin Park Geun-hye

Über 130 Jahre Freundschaft und tiefes Vertrauen zwischen beiden Nationen sind die Basis für die zukünftige Zusammenarbeit und den wachsenden Wohlstand der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland.“

Klar. Und die Deutsch-Sowjetische Freundschaft ist die Basis für den wachsenden Wohlstand der Werktätigen in der DDR – äh – BRD.

Als Besitzer eines Samsung Smartphones denke ich beim Anblick des dekorierten Baugerüstes: da hängt mein Geld. Mein Geld, von dem ich bislang dachte, es werde in neue Produkte und innovative Ideen gesteckt, gerne auch in Unternehmensstrategien. Aber bitte nicht in liebdienerische Huldigungen an Staatsoberhäupter.

Wenn Merkel und Gauck demnächst von einer Auslandsreise zurückkehren erwarte ich, dass Volkswagen, Siemens und die BSR Plakate kleben mit „Herzlich Willkommen zurück, Frau Dr. Merkel. Guten Flug gehabt?“ Oder „Herzlich Willkommen, Bundespräsident Gauck, großer Führer, Garant für Demokratie, Freiheit und Wohlstand.“

Unter der Textzeile aber kommt’s noch schlimmer, nur leider hat man sich an diesen Anblick schon gewöhnt: zwei Mädchen, ungefähr fünf Jahre alt, halten je ein südkoreanisches und ein deutsches Winkelement in die Kamera. Auch dazu kann man Kinder missbrauchen. Ich stelle ein Fotoshooting und die Verbreitung des entstandenen Produktes nicht auf eine Stufe mit sexuellem Missbrauch, frage aber: müssen Kinder für Smartphones und internationale Wirtschaftspolitik werben? Für Kinderkleidung, Roller oder Ernähungskampagnen – warum nicht? Aber wozu müssen Kinder, die die Folgen und die Umstände ihrer Handlungen nicht annähernd einschätzen können, ihre Gesichter für – entschuldigung – so einen Scheiß herhalten? Ich möchte mich nicht daran gewöhnen.

Nur noch schnell die Welt retten…

… oder doch nur das Geschäftsmodell?

Am 9. November 2012 machte die Commerzbank mit einem Spot auf sich aufmerksam, der – im Vergleich zu dem seichten Durchschnitt üblicher Werbefilme – als spektakulär bezeichnet werden darf. Der Streifen „Erster Schritt“ zeigte eine junge Frau beim Joggen und Philosophieren. Sie denkt an Vertrauenskrise und fragt „Braucht Deutschland eine Bank, die einfach so weitermacht?“. Es ging um Spekulationen auf Grundnahrungsmittel und erneuerbare Energien. Die ganz großen Fragen eben. Hoffnung.

 

25. November 2013: Filialdirektorin Lena Kuske scheint zwischenzeitlich nach Hamburg umgezogen zu sein, zur Arbeit geht’s jetzt mit den Öffentlichen. Aber nicht nur das hat sich geändert, merklich rückt jetzt auch ein ganz anderes Vokabular in den Vordergrund: „Girokonto mit Zufriedenheitsgarantie“, „Baufinanzierung mit Marktvergleich“. Deutlich kleinere Brötchen – und irgendwie enttäuschend. Oder ist das einfach schon die neue Bescheidenheit, die in die Unternehmenskultur des Bankhauses Einzug gefunden hat?

 

Liebe Frau Kuske,

liebe Commerzbank,

lieber ernst dreinschauender Herr im klassischen Businessdress, der am Ende des Making of’s zu „Der nächste Schritt“ sagt: „Und somit ist diese Fortsetzung der Kampagne auch das klare Statement dazu, dass wir diesen Weg weiter gehen werden“,

ein Werbespot ist immer auch so etwas wie ein Versprechen – und ganz bestimmt erwartet niemand von Euch, in einem Jahr die Welt oder auch nur Euer Geschäftsmodell umzukrempeln. Aber Lebensmittelspekulationen und Klimawandel (2012) betreffen Milliarden Menschen existenziell. Kundenzufriedenheit, Girokonto und Baufinanzierung betreffen eben doch nur Eure Kunden.

Vielleicht verraten Sie uns schon jetzt und an dieser Stelle, noch bevor wir 2014 den dritten Spot erwarten dürfen, was tatsächlich Ihre Strategie für die Zukunft ist – und wie wir uns den Rückzug vom Visionären, das so kraft- und hoffnungsvoll daher kam, zum enttäuschenden Klein Klein der Produktpräsentation erklären dürfen. Mal ehrlich: Einfach nur für’s Girokonto werben, das kann die gute, alte Sparkasse viel besser.

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

 

Weitere Filme und Infos zum Thema:

Der nächste Schritt, Making of

Die Kampagne im Blog der Commerzbank

Nachhaltigkeit bei der Commerzbank