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Lieber Hermann

Die Redaktion meines drittliebsten Senders Radio Eins twitterte kürzlich: „Die Praxis sollte das Ergebnis des Nachdenkens sein, nicht umgekehrt. #HermannHesse“

Liebe Radio Eins Redaktion, lieber Hermann Hesse, der Du mit Siddhartha den Gott meiner Jugend schufst, hierzu stellen wir folgendes fest: Es ist meist umgekehrt, da kommt das Nachdenken entweder überhaupt nicht, oder erst hinterher. Und das ist gut so.

Nehmen wir als Bild zur Veranschaulichung der Schrittfolge von Nachdenken und Handeln eine Situation aus der klassischen Markt- oder Verhaltensforschung, den Kaufentscheidungsprozess. Der läuft in der Regel so ab, dass ich etwas kaufe, ohne vorher oder hinterher groß in Exerzitien zu gehen. Der Ablauf lässt sich übersichtlich so beschreiben:

Ich kaufe einen Schokoriegel. Punkt.

Beim Kauf eines Schokoriegels gehe ich kein hohes Kaufrisiko ein. Ich kenne das Produkt aus Erfahrung, der Preis ist niedrig, deshalb agiere ich spontan, sobald Lust und Angebot zusammenkommen.
Der Ablauf ändert sich erst, wenn mich im Nachhinein etwas Unvorhergesehenes aus der gewohnten Bahn wirft, der Schokoriegel von meinen Erwartungen abweicht, oder ein äußerer Umstand die Situation beeinflusst. Äußert sich beispielweise nach dem Kauf jemand über Kalorien oder Umweltbelastung durch Verpackung, könnte Nachdenken tatsächlich eine unerwartete Nebenwirkung sein. Der Ablauf ist dann der:

Ich kaufe einen Schokoriegel. Ich bewerte den Kauf nachträglich.

Die Nachkaufbewertung wird durch positive oder negative Normabweichung ausgelöst, wobei Abweichung von der Norm in der Regel negativ empfunden wird. Sollte ein Snickers überraschenderweise leckere Rosinen enthalten, wäre ich trotzdem nicht erfreut. Standardisierung ist in der Lebensmittelindustrie eines der höchsten Qualitätsversprechen (wie traurig, wenn wir uns daran erinnern, wie unterschiedlich Äpfel, Kartoffeln oder die Pfannkuchen unserer Großmütter früher beschaffen waren).

Erst wenn ich ein hohes Kaufrisiko eingehe, denke ich vorher darüber nach. Vor dem Kauf eines Autos ziehe ich die Familie, Freunde und meinen Steuerberater zu Rate, vergleiche Modelle, Preise und Finanzierungsmöglichkeiten mache Probefahrten – bis zu einem Jahr kann sich der Prozess des Nachdenkens hinziehen.

Ich wäge die Anschaffung eines Autos ab und entscheide. Ich kaufe ein Auto. Ich bewerte den Kauf nachträglich.

Das ist im Management und überhaupt im Leben nicht anders. Würden wir über jede Handlung nachdenken, ich säße wahrscheinlich zwei Tage an diesem kurzen Artikel. Stattdessen fliegen meine Finger wie von Geisterhand gesteuert – nein, gejagt – über die Tastatur, die Gedanken rufen im Vorbeiflüchten „Endlich frei, endlich raus!“ – und manifestieren sich sogleich am Bildschirm. Die Bewertung meines Handelns aber, das Nachdenken darüber, findet anschließend statt – ich schaue noch mal drüber. Und sollte ich jetzt negative Reaktionen bekommen, denke ich über diesen Artikel wahrscheinlich noch einmal ganz anders nach.

Es sind die Handlungsroutinen, die uns befreien von der Qual des Denkens, Grübelns und Zauderns. Erfahrene Entrepreneurs handeln intuitiv, denn Intuition ist destillierte Erfahrung. Wo andere erst Analysen studieren und Strategien entwickeln, sind geübte Unternehmer schon einen Schritt weiter – da sollte man sich manchmal einfach auf die alten Säcke verlassen (ja, lieber Leser, hier bekommt mein Artikel seine autobiografische Note).

Und manchmal, und diese Situationen wird Hermann Hesse gemeint haben, sollte erst gedacht und dann gehandelt werden. Der Zögernde ist manchmal einfach ein kluger Mensch.

Marketingmanagement:

Es muss Liebe sein (3)

Die Berliner Verkehrsbetriebe, also Betreiber von U-Bahn, Bus und Tram, hatten eine Idee. Nutzer sollten auf Twitter unter dem Stichwort #weilwirdichlieben ihre „schönsten BVG Momente“ schildern. Nun ist die Frage „Liebst Du mich eigentlich noch?“ nie dazu angetan gewesen, jemanden in Leidenschaft zu versetzen, sondern nervt in der Regel den Befragten. Die Aktion #weilwirdichlieben jedenfalls lief so ab:

Phase 1: Aktion
Irgendjemand in der BVG Abteilung Soziale Medien muss diese spontane Idee gehabt haben, vielleicht war es aber auch Ergebnis über Tage praktizierter Kreativtechniken eines beauftragten Think Tanks – wie auch immer. Gestern, am 13. Januar ging es früh morgens los. Die BVG lud mit den Worten: „Hallo Berlin! Wir eröffnen hiermit unseren #weilwirdichlieben-Account. Mit Herz und Hashtag. Einsteigen bitte!“ zum Dialog.

Bild 1

Phase 2: Reaktion
Schnell kommt die Sache in Schwung, allerdings in eine andere Richtung, als gewollt. BVG Nutzer haben ENDLICH ein Forum, in dem sie Dampf ablassen können. Tausende nutzen im Laufe des Tages diese Möglichkeit. Eine meiner Lieblingsgeschichten:

Fahrgast: „Fährst Du Zoo?“
Fahrer: „Nein, Bus“

Wer in Berlin lebt und regelmäßig Bus fährt weiß, dass dies kein Witz, sondern tägliche Realität ist.

Bild 2

Phase 3: Häme
Als Redakteur für Online Medien hat man’s vermutlich nicht leicht, so viel passiert ja eigentlich nicht im Netz. Genau genommen gar nichts. Jedenfalls nehmen von Spiegel Online bis Bild.de nahezu alle Medien die Vorlage gerne an und berichten voll Häme und Spott über dieses vermeintliche Eigentor der Verkehrsbetriebe. „Die Kampagne ging nach hinten los“ ist noch eine der vorsichtigeren Bewertungen.

Analyse
Meister Oogway in Kung-Fu Panda sagt „Es gibt keine guten und schlechten Nachrichten – es gibt nur Nachrichten“. Effectuation sagt: Wer in der Lage ist, Umstände und Zufälle zu nutzen, hat in dynamischen Situationen einen entscheidenden Vorteil gegenüber demjenigen, der Unvorhergesehenes als Bedrohung seiner Pläne betrachtet.

  • Das klassische, lineare Denken sieht eine Kampagne, die nicht zu dem gewünschten Ziel geführt hat.
  • Der Effectuator sieht eine Kampagne, die überraschend dynamisch verlaufen ist.

Hätte die BVG den üblichen Kummerkasten als Beschwerdeforum eingerichtet, kaum jemand hätte die Aktion beachtet. Aber niemand konnte ahnen, dass tausende Nutzer #weilwirdichlieben als Kummerkasten statt zu Liebesbekundungen nutzen würden.
Nun wird ein Mitarbeiter oder Manager nicht für seine Vorahnungen bezahlt, sondern dafür, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mit den richtigen Entscheidungen ist das aber so eine Sache. Es gibt in unserem Leben Entscheidungen, von denen wir im Nachhinein eindeutig sagen können, sie waren richtig. Andere waren vielleicht falsch, wir können sie zwar nicht rückgängig machen, würden heute aber anders entscheiden.
Dazwischen aber liegt ein riesiges Feld von Entscheidungen, aus denen etwas resultiert, was weder falsch noch richtig ist. In jedem Fall ist eine Entscheidung ein Schritt, der uns voranbringt, aus dem Entwicklung resultiert – siehe BVG. Wir gehen im Leben wie im Management selten einen Weg von A nach B sondern von dort wo wir stehen, zu einem Punkt, den wir am Anfang unserer Reise, zum Zeitpunkt unserer Entscheidung also, noch nicht kennen.

Anders ausgedrückt: Wenn Plan A nicht funktioniert, hält unser Alphabet immer noch 25 weitere Buchstaben für uns bereit. Glückwunsch, BVG! Macht was draus.

Es muss Liebe sein (2) | Es muss Liebe sein (1)

Sozialarbeit

Die im Hinterhof Gras fressen

Thomas Mampel, Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. trägt Verantwortung für rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Verein betreibt Kitas, Schulhorte, Jugendprojekte und macht generationsübergreifende Angebote. Einnahmen aus sicheren Geschäftsfeldern fließen gezielt in Projekte, die finanziell anders keine Chance hätten: ein Beispiel von vielen ist das Kinderrestaurant Lichterfelde, in dem eine volle Mahlzeit schon für 1,- Euro zu haben ist, Kochkurs inklusive.

Die aktuelle Stellenanzeige für eine dringend gesuchte Kitaleitung klang überraschend selbstbewusst. Tenor: Achtung, lieber nicht bewerben – es sei denn, Sie zählen zu den Besten, denn nur die wollen wir. Im folgenden wurde die Haltung ausführlich erläutert mit der besonderen Verantwortung, die ein Träger von Kinder- und Jugendangeboten für seine Kunden trägt.

Darf der das? Das fragten sich offenbar nicht wenige Leserinnen und Leser, und beantworteten diese Frage gleich selbst und heftig. Thomas Mampel berichtet in seinem Blog von Beurteilung „nicht menschenfreundlich“, „unsympathisch“ und „neoliberal“. Mampel schreibt weiter: „…einer ( der sich selbst zu den “allerbesten” seines Berufsstandes zählt) würde sogar lieber “im Hinterhof Gras fressen, als für mich zu arbeiten – die Schimpfwörter lasse ich hier lieber weg”. Guten Appetit.

Ich bin nicht Bruegel, möchte an dieser Stelle aber zwei Bilder nebeneinander entwerfen: der Geschäftsführer eines wirtschaftlich stabilen mittelständischen Betriebes der Kettensägenbranche fährt Audi A8, veröffentlicht stolz seine Quartalsbilanzen (und die seiner Mitarbeiter) mit stetig steigenden Umsätzen und Renditen und sagt: „Bei uns arbeiten nur die Besten“. Völlig normal.

Entnehmen wir diesem Gemälde die industrielle Ausrichtung und ersetzen sie durch etwas, was ungleich wichtiger ist als Kettensägen, nämlich Lebensvorbereitung, Stabilisierung von Persönlichkeiten, Bildung und Sozialarbeit – dann wirkt die Orientierung am Erfolg plötzlich unanständig. Nicht nur den scharfen Kritikern wird es so gehen, ganz ehrlich, die meisten von uns werden spontan die Begriffe „Erfolgsorientierung“, „Elite“ (genau das sind „Die Besten“) einerseits, und „Inklusion“ und „Sozialarbeit“ andererseits nicht unter einen Hut bekommen. Auch mir geht es so.
Das sind dann allerdings genau die, die doof aus der Wäsche gucken, wenn die Kitaleitung eines Tages mit jemandem besetzt wird der, zum Beispiel, körperlich stark beeinträchtigt ist. Ein Rollstuhlfahrer gar? Eine Blinde oder Hörgeschädigte? Aber es war doch von „den Besten“ die Rede…?!

Wer allzu heftig kritisiert, sagt oft auch viel über sich selbst und seinen Blick in die Welt. Von „Wertschätzung“ ist in der Stellenanzeige die Rede, von „Offenheit“ und von „Vertrauen untereinander“. Was spricht eigentlich dagegen, hier die allerhöchsten Maßstäbe anzusetzen? Es entspricht ziemlich genau dem, was ich erwarte, wenn ich die beste Kita für mein Kind suche.

Noch ein zweiter Aspekt ist mir nicht weniger wichtig: die Ansprüche an Sozialunternehmen sind hoch, und das ist gut so. Allerdings werden sie zur Zerreißprobe, wenn wir unterschiedliche Maßstäbe an klassische Branchen und an Sozialbetriebe anlegen. Organisationen der Sozialarbeit sollen, um Steuergelder zu sparen, profitabel arbeiten – aber auf keinen Fall profitorientiert. Darüber hinaus sollen sie bitte in Bezug auf Immobilien, Firmenfahrzeuge und andere notwendige Ausgaben bescheiden sein – aber bitte ebenso erfolgreich wie Bosch, Siemens oder der Kettensägenexporteur Stihl. Viele Unternehmen der Sozialarbeit – also Anbieter von gesellschaftlich lebenswichtigen Kernleistungen wie Bildung, Betreuung und Begleitung – sind angesichts völlig veränderter Rahmenbedingung verunsichert. Was dürfen wir? Was sollen wir? Was wird von uns erwartet?

Einen Vortrag zum Thema „Social Entrepreneurs“ hatte ich mal unter das Motto gestellt: „Was Siemens von der Kita um die Ecke lernen kann“, nämlich Dialogfähigkeit und eine unvergleichbare und sehr direkte Nähe zum Kunden. Und was kann die Kita von Siemens lernen? Vielleicht allerhöchste Ansprüche an seine Mitarbeiterschaft zu stellen? Eher nicht, ich weiß nämlich zufällig, dass eben dies in den Kitas des Stadtteilzentrum Steglitz sowie in vielen anderen privaten, städtischen und kirchlichen Kitas längst üblich ist. Nur sagen darf man’s offensichtlich nicht.

Briefe zur Nachhaltigkeit, 7: Good Practice im Stadtteilzentrum Steglitz

Die „Briefe zur Nachhaltigkeit“ haben den Weg von der historischen Betrachtung über die Idee nachhaltigen Wirtschaftens bis zur konkreten Einbindung von Nachhaltigkeit in Geschäftsmodelle beschrieben. Abrunden möchte ich die Briefe mit einem Good Practice Beispiel: dem Stadtteilzentrum Steglitz.

Good- und Best Practice

Im Managementmodell HOME Office, beschrieben in den Briefen an Management, gibt es „Best Practice“ nur in optimierten Situationen, also in exakt dokumentierten und zur Wiederholung empfohlenen Prozessen. Hier kann „Best Practice“ eins zu eins übernommen werden. Ein Beispiel:

Lehrgangskoordinator: „Chef, den letzten Lehrgang haben wir mit einer Wurststulle und einem Kaffee pro Teilnehmer eröffnet. Das kam gut an“.

Chef: „Klasse, das machen wir jetzt immer so“.

Best Practice. In komplizierteren Situationen kann es nur „Good Practice“ geben, weil Problemstellungen sich nicht in Routinen wiederholen. Bewährte Praxis bietet sich zwar an, aber nicht zur exakten Nachahmung sondern zum Erfahrungstransfer, an dessen Ende eigene, der Situation angemessene Lösungen stehen.

 

Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ist ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe im Berliner Bezirk Steglitz‐Zehlendorf. Zum Angebot von Stadtteilzentrum Steglitz e.V. gehören Kindertagesstätten (Kitas), Einrichtungen der ergänzenden Förderung und Betreuung (Schulhorte), Projekte der Nachbarschafts‐ und generationsübergreifenden Arbeit sowie Kinder und Jugendeinrichtungen wie das KiJuNa und die Imme. Darüber hinaus macht Stadtteilzentrum Steglitz e.V. weitere Angebote: Schülerclubs, eine Internetwerkstatt, ein Kinderrestaurant, ein Seniorenzentrum u. a..

Das Stadtteilzentrum entschloss sich im Juni 2013 zum Nachhaltigkeits-Check, einem Prozess aus Workshops, Audits, Vor-Ort-Visitationen und Online-Dokumentation mit dem Ziel, Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Entwicklung zu geben. Dieser Check wurde im Oktober 2014 mit der Übergabe der Urkunde und des Berichtes an die Geschäftsführung des Stadtteilzentrum Steglitz, die AG Nachhaltigkeit sowie an die Stadträtin Christa Markl-Vieto abgeschlossen. Im Ergebnis lenkt die AG Nachhaltigkeit des Stadtteilzentrums jetzt den Umgang vor allem mit ökologischen Fragen, initiiert Aktionen und trägt das Thema in die Belegschaft, immerhin rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn Aspekte der Nachhaltigkeit von hier aus auch an Kunden – also Kinder, Jugendliche, Senioren und Familien – herangetragen wird, ist die Reichweite erheblich.

Im dritten Brief zur Nachhaltigkeit stehen einige Handlungsfelder nachhaltigen Wirtschaftens als Vorschläge. Unter anderem:

Unternehmensphilosophie, Unternehmenskultur, Organisation und Kommunikation:
In der Philosophie (Theorie) und der Unternehmenskultur (Praxis) des Stadtteilzentrums Steglitz spielen Dialog und Transparenz eine große Rolle, dies gilt für das Miteinander in der Belegschaft ebenso wie für den Umgang mit Kunden. Im Bereich Kommunikation und Dialog punkten Sozialunternehmen häufig, klassische Firmen könnten hier ins Praktikum gehen. Im Verein Stadtteilzentrum Steglitz e.V. gibt es „Teamsprecher“, die die direkte
Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Mitarbeiterschaft gewährleisten. Dies wird ausdrücklich als sehr hilfreich, konstruktiv und einzigartig wahrgenommen (Zitat aus einem Teamsprecher‐Workshop im Rahmen des Nachhaltigkeits-Checks). Mitarbeiterschaft und Management von Stadtteilzentrum Steglitz e.V. folgen einem gemeinsamen Leitbild, das mit hohem Aufwand und unter Einbindung aller Mitarbeiter entwickelt wurde.

Wirtschaftliche Stabilität, strategische Ausrichtung und Investition in Zukunftsprojekte:
Alle Organisationsebenen arbeiten kontinuierlich an wesentlichen Zukunftsfragen: „Welche Angebote, die zurzeit in Steglitz‐Zehlendorf bestehen, könnten wir ergänzen oder sogar besser umsetzen?“ „Wo wird in Zukunft ein gesellschaftlicher Mangel bestehen, wie können wir den beheben?“ „Welche Voraussetzungen müssen wir in Zukunft erfüllen, welchen Anforderungen genügen, um als Anbieter sozialer Leistungen zu bestehen?“
Das Unternehmen beteiligt sich an der stadtweiten und überregionalen Entwicklung von Modellprojekten und der Vernetzung unterschiedlicher Träger.

Der vierte Brief zur Nachhaltigkeit legte großen Wert darauf, dass der individuelle unternehmerische Blick auf Nachhaltigkeit für Kunden und andere Interessierte nachvollziehbar beschrieben wird. Denn Nachhaltigkeit kann, nein muss in jeder Organisation anders ausgestaltet sein. im Stadtteilzentrum Steglitz bedeutet dies:

  • auf die besonderen soziale Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen, Senioren und Familien in Steglitz‐Zehlendorf aktiv Einfluss zu nehmen und dabei die Arbeits‐ und Lebensumstände der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diesen Anspruch täglich umsetzen, besonders zu berücksichtigen.
  • mit zeitgemäßen Angeboten daran teilzuhaben, die soziale Zukunft des Bezirks zu sichern. Dazu gehört die aktive Teilnahme an Modellprojekten ebenso wie die Entwicklung eigener Angebote und Strategien.
  • im Rahmen der Möglichkeiten die ökologischen Auswirkung des eigenen Handelns zu verstehen, zu beeinflussen und stetig positiv zu entwickeln.

Und konkret? Um sich dem Thema Ressourcensparen gemeinsam mit allen Mitarbeitern, Kunden und „interessierten Mitmachern“ zu nähern, wurden in Schulhorten, Kitas und Jugendzentren Papierpaten gesucht und gefunden. Die bestimmen jetzt jeweils für ihr Haus die Agenda: welche Projekte zum Thema sind geeignet und lassen sich mit Spaß umsetzen? Wie können wir Papier sparsamer nutzen als bisher? Und lassen sich unsere Erfahrungen auf andere Einrichtungen übertragen?

Die Papierpaten haben sich bei der Werkstatt N als ausgezeichnete Nachhaltigkeitsinitiative beworben – zu Recht. Sie haben das Zeug, über die Grenzen von Steglitz und Berlin hinaus wahrgenommen und nachgeahmt zu werden. Good Practice.

 

In den Briefen zur Nachhaltigkeit geht es um…
  1. …die Frage „Was ist Nachhaltigkeit?“
  2. …die Frage „Wo anfangen?“
  3. …Handlungsfelder der Nachhaltigkeit
  4. …gutes Management und pointierte Nachhaltigkeitsberichterstattung
  5. …die zehn Gebote der Nachhaltigkeit
  6. …den Nutzen nachhaltiger Entwicklung für Unternehmen, Kunden und Investoren
  7. …ein Beispiel aus der Praxis

+++ Breaking News +++

Es gibt eine neue Kategorie im Blog: Aktuelles. Zu gerne schreibe ich über Dinge, die gerade anliegen, aber nicht die notwendige Aufmerksamkeit erfahren. Oder alle reden drüber, aber eine wichtige Perspektive fehlt: meine.

An dieser Stelle wurde schon einiges geschrieben über das Spannungsfeld aus stationärem Handel vom Tante Emma Laden bis zur Shopping Mall einerseits und dem explodierenden Sektor Online Handel auf der anderen Seite. Überlebenskampf hier, Wachstum dort.

Gestern eröffnete das „Bikini Berlin“, und dieses Projekt ist erstaunlich in mancher Beziehung. Vor allem sinnbildlich, war es doch bis vor kurzem noch eine heruntergekommene Ruine aus den 50er Jahren, völlig aus der Zeit gefallen, ein Echo des wirtschaftwunderlichen Konsumversprechens. Ein passendes Bild für den Zustand des Einzelhandels in Deutschland. Und eben jenes Haus wurde jetzt renoviert, wie man hört ordentlich aufgemotzt mit guten Ideen. Dachterrasse mit Blick in den Zoo, „Bikini Boxen“ geben temporären Minihändlern ein zu Hause, die angekündigte Eventkultur im Haus verdient möglicherweise sogar ihren Namen. Es geht eben nicht nur um „Shop until you drop“, sondern um Erlebnisse. Vielleicht sogar um mich? Das wäre das Optimum. Ich wünsche dem Bikini alles Gute und werde es mir demnächst mal live anschauen.

Dies ist ein Trend: was früher normal war ist heute gesucht. Der Bauer, der vor einem Jahrhundert seinen Mist aufs Feld fuhr um es zu düngen ist heute die Ausnahme, der „Bio-Bauer“, seine Produkte sind gefragt und sein Segment verzeichnet hohe Wachstumsraten. Verbraucher und Einzelhändler lernen gerade, welchen Luxus es darstellt, dass Tante Emma hintern Tresen steht und uns nicht nur Kartoffeln verkauft, sondern noch einen Rezeptvorschlag alter Schule mit auf den Weg gibt. Das Rezept könnte ich googeln, ihre Zuwendung nicht.

Der nächste spannende Termin ist heute: BMW Spandau war (und bleibt) zuständig für die Produktion schwerer Motorräder für alte Männer. Als heute früh aber die Bänder anrollten, startete zusätzlich die Produktion eines E-Rollers. Noch zaghaft: Zehn Mitarbeiter montieren zehn Roller am Tag. Nicht viel für ein Werk, dessen Tageskapazität bei 600 Motorrädern liegt, doch die Produktion kann jederzeit hochgefahren werden. Für 15.000 Euro gibt’s dann Fahrspaß mit gutem Gewissen, so zumindest lautet das Versprechen von BMW.

Die Entwicklung der Elektromobilität kommt in Deutschland nur zögerlich voran, mal abgesehen von der Straßenbahn – 1881 fuhr in Groß-Lichterfelde die erste „Elektrische“ der Welt. Mobilität in der Stadt wird bald eine Mischung aus öffentlichem Nahverkehr und E Mobilität sein. Ein spannender Prozess, an dem wir in Berlin hoffentlich weiter aktiv mitwirken.

Ebenfalls gestern: mein Seminar „Nachhaltige Kommunikation für Gründerinnen und Gründer“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Langer Atem im Aufbau von Kundenbeziehungen, Dialog und Zusammenarbeit statt Werbemonolog und in all dem auf Transparenz und Relevanz achten – das ist die Quintessenz eines spannenden Tages. Immer wieder besonders, Eberswalde.

Hochschule für nachhaltige Eberswalde
Der Dozent ’n Viertelstündchen früher, die Studenten ’n Viertelstündchen später – und dann passt’s

Zum Artikel „Hochschule mit Hirschgeweih“ über die HNE Eberswalde