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Briefe zur Nachhaltigkeit, 4: Management, 3 > 300?

Mit wie vielen Bällen wollen Sie jonglieren, wenn Sie gerade dabei sind, es zu lernen? Zwei Bälle erscheinen uns da irgendwie zu wenig, drei sollten es schon sein. Der Weltrekord von Anthony Gatto liegt bei acht.

Die Größenverhältnisse beim Nachhaltigkeitsmanagement sind ähnlich: wer drei Faktoren über einen langen Zeitraum im Blick behalten, kontrollieren und steuern kann, macht einen sehr guten Job.

Große DAX-Konzerne geben in ihren Nachhaltigkeitsberichten (oder integrierten Geschäftsberichten) an, über 300 ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Leistungsindikatoren  zu managen, darunter so illustre Beispiele wie: „Beschreibung von Grundsätzen, um Einflüsse auf die Gemeinden in Gebieten, die von Tätigkeiten beeinflusst werden, zu managen sowie Beschreibung von Verfahren/Programmen, um diese Themen anzusprechen, inklusive Überwachungssysteme und Ergebnisse der Überwachung, einschließlich einer Erläuterung von Verfahren zu Identifikation und zur Einbindung von lokalen Stakeholdern in einen Dialog.“

Wer dort angekommen ist, hat es in den Olymp der Nachhaltigkeitsberichterstattung geschafft: er arbeitet am Rande der Perfektion und niemand versteht ihn. Nun können wir es Konzernen wie Volkswagen, Siemens und BASF abnehmen, all diese Faktoren tatsächlich im Griff zu haben, schließlich beschäftigen sich ganze Abteilungen mit dem Thema Nachhaltigkeit und CSR.

Dennoch, bereits beim Üben von Referaten in der Schule haben wir gelernt: eine Sache auf den Punkt zu bringen, darin liegt die Kunst. Eine Modedesignerin plant eine Serie von Cowboystiefeln, „Boss Hoss“ wird Markenbotschafter. In einer Präsentation vor Investoren sagt sie: „Nachhaltigkeit – das bedeutet für mich erstens, wie leben die Rinder? Zweitens, wie sterben die Rinder? Hier arbeiten wir mit einem mobilen Schlachtsystem zusammen, um Transporte zu vermeiden. Und drittens, wie wird das Leder gegerbt? Zu allen genannten Punkten informieren wir auf unserer Homepage.“

Hier wird der Wirkungshorizont des Themas Nachhaltigkeit in Bezug auf das Geschäftsmodell auf den Punkt gebracht, und zwar verständlich. Jeder Interessierte hat nun die Möglichkeit seine Prioritäten mit den genannten abzugleichen. Die wichtigste Frage, nämlich „Was ist Nachhaltigkeit, und was bedeutet dies für unser Geschäftsmodell?“ wurde gleich zu Anfang geklärt.

Mindestens ebenso, wie wir Siemens das Management von dreihundert Indikatoren abnehmen, trauen wir der Designerin die Kontrolle von drei Indikatoren zu. Nur mit dem Unterschied, dass wir die Designerin verstehen. Wir können ihre Haltung kritisch oder wohlwollend überprüfen und sogar über einen längeren Zeitraum die Ziele und Erfolge ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen. Ein Punkt für die Modedesignerin quick weight loss diet plan.

 

Zuständigkeitshalber

Noch eine Klärung zur Sache: in größeren Organisationen stellt sich die Frage, wo das Thema Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen angesiedelt sein soll, dies war auch ein Leitkriterium im dritten Brief zur Nachhaltigkeit.

Die schlechteste Variante: im Marketing. Nicht Kommunikationsexpertise ist gefragt, gerade weil wir tatsächlich etwas zu sagen haben – es geht eben um die Sache. Dass das Marketing irgendwann eingebunden werden muss ist wiederum klar: Nachhaltigkeit ist nichts für eine Abteilung, vielmehr eine Querschnittsaufgabe für alle Unternehmensbereiche. Wo also hin mit dem Thema?

Die konsequente Lösung: ins Controlling. Dahin, wo die harten Kerle und Frauen im Businessdress über Zahlen brüten. Dahin, wo diejenigen arbeiten, vor denen alle anderen zittern, zu den Kontrolleuren eben. Im Ernst, warum nicht? Wenn eine Firma die Einhaltung von Nachhaltigkeitszielen wie Papierverbrauch, Wassermanagement und Kundenzufriedenheit ebenso streng kontrolliert wie Ausgaben und Einnahmen in Euro, nimmt sie ihre Sache ernst. In der Praxis erlebt oder davon gehört habe ich allerdings noch nicht.

Uns von Hultgren – Nachhaltigkeitsberatung ist wichtig, dass es im Unternehmen überhaupt eine Person gibt, die für die Annäherung an das Thema zuständig ist. Im Optimalfall ist dies eine Person, die sich für das Thema interessiert und offen ist – die Expertise kommt mit der Zeit. Erhält diese mit Nachhaltigkeit beauftragte Person dann noch ein Zeitkontingent innerhalb ihrer Arbeitszeit und ein Seminar für Grund- und Fachkenntnisse, dann ist ihr Arbeitgeber sehr gut aufgestellt.

 

Rückblick

Im ersten Brief zur Nachhaltigkeit ging es noch um historische Fragen und Begriffsklärungen, der zweite und dritte klärte die wichtige Frage, was Nachhaltigkeit in unserem Unternehmen bedeutet.

Heute haben wir das Thema Nachhaltigkeit als unternehmerische Chance und Aufgabe verankert, mit drei relevanten Handlungsfeldern und einem oder einer Nachhaltigkeitsbeauftragten, die sich in fünf bis zehn Stunden ihrer Arbeitszeit der Klärung wesentlicher Fragen widmen kann.

 

Auch in Zukunft werden Briefe zur Nachhaltigkeit grundsätzliche oder besondere Fragen besprechen.

In den Briefen zur Nachhaltigkeit geht es um…
  1. …die Frage „Was ist Nachhaltigkeit?“
  2. …die Frage „Wo anfangen?“
  3. …Handlungsfelder der Nachhaltigkeit
  4. …gutes Management und pointierte Nachhaltigkeitsberichterstattung
  5. …die zehn Gebote der Nachhaltigkeit
  6. …den Nutzen nachhaltiger Entwicklung für Unternehmen, Kunden und Investoren