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HOME Office:

It Works!

In den 70-er Jahren schuf Osvaldo Cavandoli ein ewig meckerndes Strichmännchen, das er über Kinos vermarktete: „La Linea“. Das aus unerfindlichen Gründen irgendwie sympathische Kerlchen ging einige Minuten lang seinen Weg, danach kam der Langnese Eisverkäufer, dann der Hauptfilm.

Aber Linea ging nicht im eigentlichen Sinne, er stand ja immer am selben Fleck, er machte nur die Laufbewegungen. Seine Zukunft bewegte sich vielmehr auf ihn zu, wurde zu Gegenwart, die er beschimpfen konnte und dann zu seiner Vergangenheit, die er hinter sich ließ – zeitlich wie räumlich.

La-linea

La Linea ist ein schönes Bild für das Management unseres Unternehmens: wir befinden uns in der Gegenwart, und zwar immer. Zukünftige Ereignisse kommen auf uns zu und werden, indem sie durch unsere Gegenwart fließen, zu Vergangenheit. Die entscheidende Erkenntnis daran: Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit bilden drei Domänen, die auf ganz unterschiedliche Weise zu managen sind. Ebenso sehr, wie sie miteinander zusammenhängen, unterscheiden sie sich voneinander.

Die Zukunft unseres Unternehmens ist, das liegt in der Natur zukünftiger Ereignisse, ungewiss. Indem wir eine Idee von ihr entwickeln, befestigen wir einen gedanklichen Wurfanker, an dessen Seil wir uns von nun an vom Heute in die Zukunft manövrieren. Oder, aus der „La Linea“ Perspektive betrachtet, wir bewegen die Zukunft auf uns zu. Dabei ist die Leine anfangs sehr lang, je näher die Idee unserer Gegenwart kommt, desto mehr Kontrolle erlangen wir über ihre Gestalt.

Ist die Vision in unserer Gegenwart angekommen, haben wir zu ihrer Umsetzung teils komplizierte Probleme zu lösen, die uns aber nicht unvorbereitet treffen: juristische, finanzielle, organisatorische und persönliche.

Was in der Zukunft noch Vision war, wird nach einiger Zeit, wenn es funktioniert und sich etabliert hat, zur Routine. Routinierte Abläufe beruhen auf Erfahrung der Vergangenheit und verleihen unserem Unternehmen Stabilität und Sicherheit.

 

HOME Office schafft ein Verständnis für diese Zusammenhänge. Besonders hilfreich kann diese Perspektive in entscheidenden Phasen eines Unternehmens sein. So steht ein Projekt beispielsweise ein Jahr nach Gründung häufig vor der Herausforderung, erste Erfolge in geregelte Prozesse umwandeln zu müssen. Das kreative Chaos, das die Beteiligten während der Startphase angefeuert und motiviert hat, kann tatsächlich in Routinen umgewandelt werden, indem wir fragen: „Welche Prozesse funktionieren bereits zuverlässig nach beschriebenen Abläufen, wo wollen wir Prozesse noch entwickeln?

Der Weg von der Vision (Zukunft) über die Lösung (Gegenwart) zu Abläufen, die wir quasi in vorbereitete Schubladen sortieren und bei Bedarf immer wieder abrufen (aus der Vergangenheit), birgt die Gefahr der Frustration. „Was ist nur aus unserer Vision geworden?“ steht als Frage dann im Raum. Ideen und Visionen feuern uns an. Diese erst in konkrete Lösungen zu verwandeln um sie dann in Schubladen optimierter Prozesse zu sortieren, schafft den Platz für neue Entwicklungen. Nur wer den Alltag optimiert, hat Kopf, Herz und Hand frei, um sich seiner Zukunft zuzuwenden. Im Idealfall ist es ein steter Fluss, und die Kunst besteht darin, ihn in Gang und in Balance zu halten. Dabei hilft die HOME Office Route Map, die hier als Arbeitsmappe zum Download bereit steht:

HOME Base A 1
HOME Base A 4
HOME Base A 4_Beispiel

Die HOME Office Route Map hat sich in einem umfassenden Workshop erstmalig bewährt. Im Rahmen eines Mandats zur Begleitung von Transformationsprozessen der .garage sowie der .andersberater haben die Workshopteilnehmer einen neuen Blick auf ihr eigenes Unternehmen gewagt.

Die .garage ist ein Gründungszentrum im Südwesten Berlins, arbeitet seit 8 Jahren erfolgreich und befindet sich in einer Phase der Veränderung. Neue Produkte sollen bewährte Angebote ergänzen, in den frisch bezogenen Räumen können innovative Angebote gemacht werden. In dieser Situation ist es wichtig, die Balance aus strukturierter Prozessentwicklung und Kreativität im Auge zu behalten.
Die .andersberater sind als Unternehmensberatung, „die den Unterschied macht“, neu am Markt. Erfahrene Coaches, Berater und Sozialmanager bieten ihre Expertise den Unternehmen der Sozialbranche an, die sich neue Impulse wünschen. Die .andersberater bieten neben Professionalität in der Analyse und der Entwicklung von Marktstrategien vor allem viel konkrete Erfahrung im Bereich des Sozialmanagements. Die Umsetzung realistischer Strategien in der täglichen Arbeit hat hier einen besonderen Stellenwert.

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Der Bereich der Kommunikation ist in der gegenwärtigen Domäne komplizierter Probleme ein zentrales Thema. Um sich hier einen Überblick zu verschaffen, hilft ein einfaches Denkspiel: WARUM sollte sich ein Kunde uns zuwenden, bei der Fülle konkurrierender Angebote? Und WARUM sollte sich ein wichtiger Partner dafür entscheiden, gerade mit uns zusammenzuarbeiten? Die Lösung ist einfach: Geben wir ihm gute Gründe an die Hand und kommunizieren diese konsequent.

Im dafür entwickelten Arbeitsblatt (Zum Download: Arbeitsmappe Kommunikation in A3 / Arbeitsmappe Kommunikation mit Beispielen) können wir uns einen Überblick verschaffen. Sobald wir die Argumente vor Augen haben, können wir

  1. Prioritäten setzen.
  2. überprüfen, ob die Versprechen, die in diesen Argumenten stecken, auch gehalten werden können. Wenn nicht, müssen wir sie entweder verwerfen oder nacharbeiten.
  3. diese Argumente jetzt, vielleicht im Rahmen einer bestehenden Kommunikationsstrategie, umsetzen.

 

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Gewaltfreie Medien gibt es nicht…

…durchaus in Anlehnung an meinen Artikel „Soziale Medien gibt es nicht“, in dem ich den Begriff „Social Media“ versuchte zurechtzurücken. Kurz gesagt: Medien bleiben, was sie immer waren, nämlich Impulsgeber in den gesellschaftlichen Raum. Dort erst werden Botschaften, sofern sie subjektiv als relevant eingeschätzt werden (und das können Kochrezepte, Sturmwarnungen, Boulevardmeldungen ebenso wie „Breaking News“ sein) sozial verarbeitet und weitergegeben.

Medien nach Lehrbuch und zum nach-[:denken..]
Medien nach Lehrbuch und zum nach-[:denken..]

Wir wissen wie Zensur funktioniert. Aber wie funktioniert eigentlich Nicht-Zensur? Gar nicht.

Twitter ersetzt die klassischen Nachrichtenkanäle las ich kürzlich in einem Newsportal (es war nicht Twitter). Und ich dachte sofort „ja, längst“. Während der Proteste auf dem Maidan in Kiew erhielt ich binnen kurzem zwei Bilder, die mich sofort in ihren Bann zogen. Nicht nur die klare Bildsprache war es, die mich faszinierte. Es war die Aktualität, die Vorstellung, jemand habe die Fotos geschossen und wenige Minuten oder Sekunden später konnte ich sie sehen.

Kiew
Quelle links: Rianovosti  ||  Quelle rechts: Louisa Gouliamaki, AFP

Natürlich ist Twitter so viel heißer, brennender und elektrisierender als jede Nachrichtensendung. Aktuell auf die Sekunde, mehr „Live“ geht nicht. Was Twitter aber wirklich spannend macht ist die Perspektive: Fotos machen und 140 Zeichen tippen kann jeder, so dass hier eine völlig ungebremste Nachrichtenmacht auf die Welt einprasselt, scheinbar unzensiert. Erdogan hat der Welt in der größten digitalen Versuchsanordnung aller Zeiten vorgeführt was passiert, wenn ein Land Twitter abschaltet: die Sperre war innerhalb von Stunden überwunden und die Nutzerzahlen vervielfachten sich. Erdogan wird offensichtlich von Twitter bezahlt.

Die Versuchsanordnung für alle Medien sieht so aus: Die Welt ist voller Nachrichten. In China fällt ein Sack Reis um, Paris Hilton hat eine neue Frisur und Oliver Schmidt einen neuen Artikel (manchmal auch umgekehrt), Steglitz-Zehlendorf kämpft um die Jugendhilfe, Berlin streitet über den Mindestlohn und so weiter. Diesen Nachrichtendschungel, diesen milliardenfachen Overkill, kann ich nur gefiltert aufnehmen und jetzt habe ich zwei Möglichkeiten, diese Gewalt zu delegieren:

Entweder ich delegiere sie an eine Suchmaschine, Google, Twitter, völlig egal. An dieser Suchmaschine kann ich an individuellen Voreinstellungen schrauben, ab dann entscheidet der Algorithmus (den ich weder kenne noch verstehe).

Oder ich vertraue einer Nachrichtenredaktion, Menschen, die ihr Handwerk (hoffentlich) gelernt haben und dafür (hoffentlich) gut bezahlt werden. Ich stelle mir vor wie Klaus Kleber und Marietta Slomka (für mich die Gesichter des Nachrichtenjournalismus) eine Redaktionskonferenz leiten und Eingangs die Frage stellen: „Welche unter den zahllosen Meldungen des zurückliegenden Tages ist für Oliver Schmidt und den Rest so relevant, dass wir sie in den knappen 15 Minuten, die uns hierfür zur Verfügung stehen, präsentieren?“

Twitter oder Kleber? Google oder Slomka? Ich muss nicht entscheiden, werde aber mit gutem Gefühl weiterhin meinen Anteil an den Rundfunkgebühren zahlen.

Der Auswahlmechanismus bei Überangeboten (und von denen sind wir umzingelt) ist immer derselbe. Was kaufe ich im Supermarkt? Welches Bio/FairTrade Siegel sagt die Wahrheit? Welche Nachricht ist für mich relevant? Ich suche Abkürzungen, und zwar über Vertrauen. Ich vertraue einem bestimmten Markthändler – und muss deshalb nicht in jede Melone hineinhorchen. Ich vertraue einer Marke – und verlasse mich darauf, dass das Müsli schmeckt wie immer. Ich vertraue Twitter und meinen eigenen Auswahlkriterien. Ich vertraue Klaus Kleber. Aber wirklich kontrollieren kann und will ich all das nicht, die Gewalt über meine Informationen gebe ich in jedem Fall aus der Hand. Vertrauen ist und bleibt der Schlüsselbegriff im Marketing, und nicht nur hier.

+++ Breaking News +++

Es gibt eine neue Kategorie im Blog: Aktuelles. Zu gerne schreibe ich über Dinge, die gerade anliegen, aber nicht die notwendige Aufmerksamkeit erfahren. Oder alle reden drüber, aber eine wichtige Perspektive fehlt: meine.

An dieser Stelle wurde schon einiges geschrieben über das Spannungsfeld aus stationärem Handel vom Tante Emma Laden bis zur Shopping Mall einerseits und dem explodierenden Sektor Online Handel auf der anderen Seite. Überlebenskampf hier, Wachstum dort.

Gestern eröffnete das „Bikini Berlin“, und dieses Projekt ist erstaunlich in mancher Beziehung. Vor allem sinnbildlich, war es doch bis vor kurzem noch eine heruntergekommene Ruine aus den 50er Jahren, völlig aus der Zeit gefallen, ein Echo des wirtschaftwunderlichen Konsumversprechens. Ein passendes Bild für den Zustand des Einzelhandels in Deutschland. Und eben jenes Haus wurde jetzt renoviert, wie man hört ordentlich aufgemotzt mit guten Ideen. Dachterrasse mit Blick in den Zoo, „Bikini Boxen“ geben temporären Minihändlern ein zu Hause, die angekündigte Eventkultur im Haus verdient möglicherweise sogar ihren Namen. Es geht eben nicht nur um „Shop until you drop“, sondern um Erlebnisse. Vielleicht sogar um mich? Das wäre das Optimum. Ich wünsche dem Bikini alles Gute und werde es mir demnächst mal live anschauen.

Dies ist ein Trend: was früher normal war ist heute gesucht. Der Bauer, der vor einem Jahrhundert seinen Mist aufs Feld fuhr um es zu düngen ist heute die Ausnahme, der „Bio-Bauer“, seine Produkte sind gefragt und sein Segment verzeichnet hohe Wachstumsraten. Verbraucher und Einzelhändler lernen gerade, welchen Luxus es darstellt, dass Tante Emma hintern Tresen steht und uns nicht nur Kartoffeln verkauft, sondern noch einen Rezeptvorschlag alter Schule mit auf den Weg gibt. Das Rezept könnte ich googeln, ihre Zuwendung nicht.

Der nächste spannende Termin ist heute: BMW Spandau war (und bleibt) zuständig für die Produktion schwerer Motorräder für alte Männer. Als heute früh aber die Bänder anrollten, startete zusätzlich die Produktion eines E-Rollers. Noch zaghaft: Zehn Mitarbeiter montieren zehn Roller am Tag. Nicht viel für ein Werk, dessen Tageskapazität bei 600 Motorrädern liegt, doch die Produktion kann jederzeit hochgefahren werden. Für 15.000 Euro gibt’s dann Fahrspaß mit gutem Gewissen, so zumindest lautet das Versprechen von BMW.

Die Entwicklung der Elektromobilität kommt in Deutschland nur zögerlich voran, mal abgesehen von der Straßenbahn – 1881 fuhr in Groß-Lichterfelde die erste „Elektrische“ der Welt. Mobilität in der Stadt wird bald eine Mischung aus öffentlichem Nahverkehr und E Mobilität sein. Ein spannender Prozess, an dem wir in Berlin hoffentlich weiter aktiv mitwirken.

Ebenfalls gestern: mein Seminar „Nachhaltige Kommunikation für Gründerinnen und Gründer“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Langer Atem im Aufbau von Kundenbeziehungen, Dialog und Zusammenarbeit statt Werbemonolog und in all dem auf Transparenz und Relevanz achten – das ist die Quintessenz eines spannenden Tages. Immer wieder besonders, Eberswalde.

Hochschule für nachhaltige Eberswalde
Der Dozent ’n Viertelstündchen früher, die Studenten ’n Viertelstündchen später – und dann passt’s

Zum Artikel „Hochschule mit Hirschgeweih“ über die HNE Eberswalde

Es muss Liebe sein

Einfach mal schnell drauflos geschrieben, ohne große Internetrecherche – weil’s so schön ist und Erinnerungen an Früher weckt:

Es sind nicht immer unsere Lieblingsunternehmen, die die richtig guten Marketingaktionen machen – zurzeit ist es Lidl, ausgerechnet. Es ist eine gelungene Marketinggeschichte, in den Hauptrollen: Kern- und Nebennutzen, Quengelfaktor und die Familie als Zielgruppe. Und im Zentrum steht ein uraltes Marketingwerkzeug – der Appell an die Sammelleidenschaft, die uns in den Laden treibt. Wir erinnern uns?

Die Monsterfiguren, die es gerade an den Lidlkassen kostenlos ab einer bestimmten Einkaufssumme gibt nennen meine Töchter (5 und 7 Jahre): Stickies. Und meine Töchter lieben Stickies.

Suchtfaktor Sammeln
Suchtfaktor Sammeln

Stickies haben eigentlich einen praktischen Kernnutzen. Auf Kindergeburtstagen kann jedes Kind seinen Becher oder sein Glas mit einem Stickie dauerhaft markieren, Verwechslungen sind somit ausgeschlossen. Natürlich funktioniert das nicht, viel zu interessant sind die Figuren für Rollenspiele („ich fresse Dich“) und als Tauschobjekte („den hier gegen zwei von denen?“ – „Nö“).

Mein erster Gedanke beim Anblick der kleinen, aufwändig verpackten Dinger: überflüssig und nicht gerade nachhaltig. Bis ich davon erfuhr, wofür sie eigentlich gut sind. „Gar nicht schlecht“ dachte ich, „originell“. Das Familienoberhaupt (ha ha) war überzeugt.

Meine Frau kommt aus Schwaben (wie Lidl), ist praktisch orientiert (wie Lidl) und sparsam (…). Und hier konnte sie den Kindern etwas Nützliches mitbringen ohne Zusatzkosten – ideal. Lidl hatte damit auch die Familienabteilung Einkauf für sich gewonnen.

Jetzt aber kommt der Burner, der Turbo, die eigentliche Promotionrakete: der Quengelfaktor. Im Marketing lernen wir, dass wir im B2B Geschäft, also im Handel mit Firmen, ein sogenanntes Buying Center überzeugen müssen: eine Blackbox aus Entscheidern und Mitentscheidern, Gate-Keepern und Chefs, Nutzern und Ratgebern. Wir müssen ALLE überzeugen, um ein Geschäft abschließen zu können.

Bei meinen Mädchen fing es langsam an und kam dann über uns wie eine Welle. Spätestens als in Kita und Schule die Dinger gehandelt wurden wie `45 Zigaretten auf dem Schwarzmarkt, gab es nur noch einen Weg, und der führte uns zu Lidl. „Jason hat schon dreißig Stück“. „Leila hat schon alle doppelt“. Ab jetzt wurde das Geschäft durch meine Töchter mit erschreckender Professionalität aufgezogen: Verwandte und Freunde wurden aufgefordert, bevorzugt bei Lidl zu kaufen. Vorläufiger Höhepunkt: zwei Stunden bei Lidl an der Kasse und darauf wartend, dass Kunden auf ihre Monster verzichten, zugunsten meiner Mädchen.

Ich, sonst gerne auch mal streng, konnte und wollte ihnen nicht böse sein. Beide sind ja eher bescheiden und Markenklamotten oder Ähnliches spielen bei ihnen zum Glück noch keine Rolle. Stickies also, es muss Liebe sein. Ich glaube nach diesem Wochenende ist die Aktion beendet, jetzt dürfen wir wieder einkaufen, wo wir wollen. Und plötzlich erinnere ich mich an die (Sehn)Süchte meiner Kindheit: Panini Sammelbilder, Knibbelbilder aus Coca Cola Flaschendeckeln und Messingfiguren aus dem Überraschungsei.

Falls das jemand liest da draußen: was habt Ihr gesammelt, früher? Erinnert sich noch jemand an die ARAL Oldtimerposter? Dann ist er jetzt selber einer, das waren die 60-er. Hinterlasst gerne Eure Kommentare oder einfach Stichworte zum Thema. Liebe Grüße.

„Herzlich willkommen Frau Präsidentin Park Geun-hye“

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye wird heute zu einem Staatsbesuch in Berlin erwartet, sie trifft sich mit Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck. Ich heiße sie herzlich willkommen.

Was ich nicht willkommen heiße ist die befremdliche Kampagne, mit der Samsung – offenbar so etwas wie der südkoreanische Hoflieferant – den Besuch seit Tagen vorbereitet: Banner an Hausfassaden, Leuchtreklame und heute ganzseitige Anzeigen in Tageszeitungen. Bin ich der einzige, der sich an die DDR Politkultur erinnert fühlt? Fehlt nur noch die Beflaggung entlang der Route vom Flughafen.

Unternehmenskommunikation
Unternehmenskommunikation – dokumentiert mit meinem SAMSUNG

„Herzlich willkommen Frau Präsidentin Park Geun-hye

Über 130 Jahre Freundschaft und tiefes Vertrauen zwischen beiden Nationen sind die Basis für die zukünftige Zusammenarbeit und den wachsenden Wohlstand der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland.“

Klar. Und die Deutsch-Sowjetische Freundschaft ist die Basis für den wachsenden Wohlstand der Werktätigen in der DDR – äh – BRD.

Als Besitzer eines Samsung Smartphones denke ich beim Anblick des dekorierten Baugerüstes: da hängt mein Geld. Mein Geld, von dem ich bislang dachte, es werde in neue Produkte und innovative Ideen gesteckt, gerne auch in Unternehmensstrategien. Aber bitte nicht in liebdienerische Huldigungen an Staatsoberhäupter.

Wenn Merkel und Gauck demnächst von einer Auslandsreise zurückkehren erwarte ich, dass Volkswagen, Siemens und die BSR Plakate kleben mit „Herzlich Willkommen zurück, Frau Dr. Merkel. Guten Flug gehabt?“ Oder „Herzlich Willkommen, Bundespräsident Gauck, großer Führer, Garant für Demokratie, Freiheit und Wohlstand.“

Unter der Textzeile aber kommt’s noch schlimmer, nur leider hat man sich an diesen Anblick schon gewöhnt: zwei Mädchen, ungefähr fünf Jahre alt, halten je ein südkoreanisches und ein deutsches Winkelement in die Kamera. Auch dazu kann man Kinder missbrauchen. Ich stelle ein Fotoshooting und die Verbreitung des entstandenen Produktes nicht auf eine Stufe mit sexuellem Missbrauch, frage aber: müssen Kinder für Smartphones und internationale Wirtschaftspolitik werben? Für Kinderkleidung, Roller oder Ernähungskampagnen – warum nicht? Aber wozu müssen Kinder, die die Folgen und die Umstände ihrer Handlungen nicht annähernd einschätzen können, ihre Gesichter für – entschuldigung – so einen Scheiß herhalten? Ich möchte mich nicht daran gewöhnen.