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Exotische Gerichte:

Wiener Schnitzel

An dieser Stelle mein Geständnis: ich liebe Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln. Zur Erklärung, Wien ist die Hauptstadt der „Österreicher“, eines Bergvolkes, das seit Jahrhunderten inmitten der Alpen lebt und dem mächtigen Gebirge abtrotzt, was geht. Und weil sich der Österreicher nicht zuletzt der Aufzucht und Weiterverarbeitung von Rindvieh widmet, gibt es diese hervorragende Spezialität, das in Brotkrumen panierte Kalbsschnitzel. Sie sehen, ich mag’s exotisch.

Ich gehe aber noch einen Schritt weiter. Dazu esse ich Bratkartoffeln. Nie gehört? Die Kartoffel (Solanum tuberosum) ist eine Südamerikanische Wurzelknolle, die in Europa spätestens seit dem 16. Jahrhundert zu Hause ist. Der Lateiner nennt sie respektvoll „Trüffel“, während der Brandenburger seine ablehnende Haltung mit der Bezeichnung „Nudel“ unterstreicht. Dem weltoffenen Rest Deutschlands jedenfalls steht das gesunde und schmackhafte Gemüse in zahllosen Variationen zur Verfügung. Und mir eben gebraten. Ein Restaurant, das mit dem Slogan „Gute deutsche Küche“ für sich wirbt, ist vor mir nicht sicher, denn ich weiß: hier ist die Welt nicht nur zu Gast, sondern zu Haus.

Kultur ist ein dynamischer Austauschprozess, zu dem ich meinen Teil beitrage, indem ich mir möglichst häufig Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln schmecken lasse (am liebsten auf Einladung, Kalbsschnitzel ist nicht billig).

Wesentlich fundierter, ernsthafter, liebenswerter und wirksamer betreibt dies auch eine Gruppe von Studentinnen und Studenten der FU Berlin. Sie stellt in ihrem Kochbuch „Über den Tellerrand kochen“ die Lieblingsrezepte und die Geschichten von Menschen vor, die in Deutschland ein neues Zuhause suchen und erzählt dabei von einer Gesellschaft, die zusammenwächst. Gemeinsam möchten sie die Sichtweise auf die Themen Asyl und Flucht nachhaltig verändern.

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„Deutschlandweit haben wir Einheimische und Flüchtlinge über das Kochen zusammengebracht. Das Feedback war enorm. Aus dem kleinen Aufruf wurde eine richtige Bewegung! Die dabei entstandenen Originalrezepte und die persönlichen Geschichten der Flüchtlinge haben wir zusammengetragen. Daraus soll nun ein außergewöhnliches Rezeptbuch entstehen“ schreibt die Gruppe in ihrem Aufruf. Die Crowdfunding-Phase ist inzwischen erfolgreich abgeschlossen, die Resonanz war überwältigend, statt der erhofften 18.000 Euro sind fast 40.000 zusammengekommen. „Mit unserer bisher einzigartigen „Mach-Mit“ Aktion haben wir ganz Deutschland Flüchtlinge und Beheimatete zusammengebracht. Aus dem Aufruf von 5 Studenten wurde schnell eine deutschlandweite Bewegung. Überall fingen Menschen an, miteinander zu kochen.“
 
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Das Ergebnis liegt vor, es ist ein Buch voller Rezepte und Geschichten aus aller Welt.

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Und noch einmal die Autorinnen und Autoren selbst: „Dieses Buch ist mehr als ein gewöhnliches Rezeptbuch. Es ist mehr als ein buntes Potpourri aus internationalen Originalrezepten. Es ist mehr als eine Sammlung von Erfahrungen der Menschen, die in Deutschland ein Zuhause suchen. Es ist mehr als die Geschichte von Leuten, die ihre Mitmenschen willkommen heißen. Es ist mehr als eine Summe von Begegnungen zwischen Personen unterschiedlicher Kulturen. Es ist die Dokumentation einer Gesellschaft, die zusammenwächst. Entstanden aus einem Aufruf, der Menschen verschiedenster Kulturen zum Kochen zusammenführte – weiter getragen durch all jene, die das Thema Asyl aus einem anderen Blickwinkel betrachten möchten – ermöglicht durch Dich. Die Erfahrungen aus über 30 Kochbegegnungen, die Rezepte aus aller Welt und die ganz persönlichen Geschichten der Flüchtlinge haben wir in diesem Buch zusammengefasst, um noch viele andere zu inspirieren aufeinander zu zugehen. Koch‘ auch Du über den Tellerrand und trage damit bei zu einem besseren WIR.“
 
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Und für alle, die noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken sind, ist es sicherlich mehr als eine Verlegenheitslösung. Es ist eine Einladung.

Darauf einen Dujardin

Nach meinem letzten Erfolgsartikel „Die im Hinterhof Gras fressen“ widme ich mich an dieser Stelle also schon wieder einem kulinarischen Thema. Koch-Blogs sollen ja gut gehen. Da wo die Kartoffel vor 500 Jahren herkam nennt man das Wiener Schnitzel übrigens „escalopa kaiser“.