Schlagwort-Archive: Hultgren – Nachhaltigkeitsberatung

Herkunft und Wirkung einer neuen Perspektive

HOME Office bietet eine neue Perspektive auf Unternehmen und Projekte – eine Behauptung, die an dieser Stelle bereits öfter aufgestellt wurde, ein gegebenes Versprechen.
Um zu illustrieren, was mit „Neuer Perspektive“ gemeint ist, hier zwei Denkspiele.

1. Das Ei
Ummantelt die Schale das Ei, um es zu schützen? Oder ist sie Teil davon? Oder ist die Eierschale gar das Ei an sich?
Je nach Nutzen, also nach Ziel unserer Unternehmung, beantworten wir diese Frage ganz unterschiedlich. Das Frühstücksei essen wir, nachdem wir dessen Schale entfernt haben. Bemalen wir aber zu Ostern Eier, so ist es die Schale, die wir an den Strauch hängen und als Ei wahrnehmen. Niemand würde behaupten, eine Eierschale aufgehängt zu haben. Dieses banale Denkspiel können wir mit nahezu jedem natürlichen Gebilde machen: Was ist der Baum und was das Blatt. Steh ich im Stau – oder bin ich der Stau? Eine Frage der Perspektive.

2. Das Foto
Sehen Sie sich das unten stehende Foto bitte an:
Oliver Schmidt - Heidi Klum
Jeder, der Heidi Klum und mich visuell kennt, würde sagen: „Das Bild ist falsch beschriftet“. Aber warum sagt niemand: „Die Fotounterschrift ist falsch bebildert“? Weil wir dem Bild mehr vertrauen, als dem Text. Der Grund: wir SEHEN seit Millionen von Jahren, LESEN aber erst seit ein paar Tausend. Das Misstrauen gegen die eigene Kulturtechnik, diese 5.000 Jahre alte Innovation, ist offenbar noch groß. Das Bild aber sagt die Wahrheit… Wir wissen, dass das nicht stimmt, machen uns die Folgen dieses Irrtums aber selten bewusst.

HOME Office öffnet den Kopf für etwas, das nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist. Erfahrungen systematisch zu verarbeiten, um von ihnen maximal zu profitieren, ist ein komplett anderer Vorgang, als die eigene Zukunft zu gestalten. Beide Domänen sind überlebenswichtig für junge ebenso wie für etablierte Unternehmen. Die HOME Office Perspektive schafft hier ein klares Verständnis für Prozesse und gibt, wo möglich, Sicherheit im Management.

HOME Office

Das Modell HOME Office funktioniert, wie bereits in mehreren Workshops bewiesen wurde. Gleichzeitig wird es vielschichtiger und entzieht sich immer mehr einer Erklärung in wenigen Worten.
Noch in diesem Jahr soll deshalb ein Buch zum Thema erscheinen, das alle Ebenen von HOME Office anwendbar erklärt: Organisation von Unternehmen, Beratung, Gründung, Personal- und Kommunikationspolitik, Nachhaltigkeitsmanagement… HOME Office hat viel zu bieten.
Gleichzeitig bietet HULTGREN Nachhaltigkeitsberatung ab sofort HOME Office Workshops an, selbstverständlich auch umfangreiche, unverbindliche und natürlich kostenlose Erstberatungen. Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, was HOME Office für Sie und Ihr Unternehmen bedeuten kann.

Herzichst – Ihr Oliver Schmidt

Briefe zur Nachhaltigkeit, 7: Good Practice im Stadtteilzentrum Steglitz

Die „Briefe zur Nachhaltigkeit“ haben den Weg von der historischen Betrachtung über die Idee nachhaltigen Wirtschaftens bis zur konkreten Einbindung von Nachhaltigkeit in Geschäftsmodelle beschrieben. Abrunden möchte ich die Briefe mit einem Good Practice Beispiel: dem Stadtteilzentrum Steglitz.

Good- und Best Practice

Im Managementmodell HOME Office, beschrieben in den Briefen an Management, gibt es „Best Practice“ nur in optimierten Situationen, also in exakt dokumentierten und zur Wiederholung empfohlenen Prozessen. Hier kann „Best Practice“ eins zu eins übernommen werden. Ein Beispiel:

Lehrgangskoordinator: „Chef, den letzten Lehrgang haben wir mit einer Wurststulle und einem Kaffee pro Teilnehmer eröffnet. Das kam gut an“.

Chef: „Klasse, das machen wir jetzt immer so“.

Best Practice. In komplizierteren Situationen kann es nur „Good Practice“ geben, weil Problemstellungen sich nicht in Routinen wiederholen. Bewährte Praxis bietet sich zwar an, aber nicht zur exakten Nachahmung sondern zum Erfahrungstransfer, an dessen Ende eigene, der Situation angemessene Lösungen stehen.

 

Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ist ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe im Berliner Bezirk Steglitz‐Zehlendorf. Zum Angebot von Stadtteilzentrum Steglitz e.V. gehören Kindertagesstätten (Kitas), Einrichtungen der ergänzenden Förderung und Betreuung (Schulhorte), Projekte der Nachbarschafts‐ und generationsübergreifenden Arbeit sowie Kinder und Jugendeinrichtungen wie das KiJuNa und die Imme. Darüber hinaus macht Stadtteilzentrum Steglitz e.V. weitere Angebote: Schülerclubs, eine Internetwerkstatt, ein Kinderrestaurant, ein Seniorenzentrum u. a..

Das Stadtteilzentrum entschloss sich im Juni 2013 zum Nachhaltigkeits-Check, einem Prozess aus Workshops, Audits, Vor-Ort-Visitationen und Online-Dokumentation mit dem Ziel, Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Entwicklung zu geben. Dieser Check wurde im Oktober 2014 mit der Übergabe der Urkunde und des Berichtes an die Geschäftsführung des Stadtteilzentrum Steglitz, die AG Nachhaltigkeit sowie an die Stadträtin Christa Markl-Vieto abgeschlossen. Im Ergebnis lenkt die AG Nachhaltigkeit des Stadtteilzentrums jetzt den Umgang vor allem mit ökologischen Fragen, initiiert Aktionen und trägt das Thema in die Belegschaft, immerhin rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn Aspekte der Nachhaltigkeit von hier aus auch an Kunden – also Kinder, Jugendliche, Senioren und Familien – herangetragen wird, ist die Reichweite erheblich.

Im dritten Brief zur Nachhaltigkeit stehen einige Handlungsfelder nachhaltigen Wirtschaftens als Vorschläge. Unter anderem:

Unternehmensphilosophie, Unternehmenskultur, Organisation und Kommunikation:
In der Philosophie (Theorie) und der Unternehmenskultur (Praxis) des Stadtteilzentrums Steglitz spielen Dialog und Transparenz eine große Rolle, dies gilt für das Miteinander in der Belegschaft ebenso wie für den Umgang mit Kunden. Im Bereich Kommunikation und Dialog punkten Sozialunternehmen häufig, klassische Firmen könnten hier ins Praktikum gehen. Im Verein Stadtteilzentrum Steglitz e.V. gibt es „Teamsprecher“, die die direkte
Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Mitarbeiterschaft gewährleisten. Dies wird ausdrücklich als sehr hilfreich, konstruktiv und einzigartig wahrgenommen (Zitat aus einem Teamsprecher‐Workshop im Rahmen des Nachhaltigkeits-Checks). Mitarbeiterschaft und Management von Stadtteilzentrum Steglitz e.V. folgen einem gemeinsamen Leitbild, das mit hohem Aufwand und unter Einbindung aller Mitarbeiter entwickelt wurde.

Wirtschaftliche Stabilität, strategische Ausrichtung und Investition in Zukunftsprojekte:
Alle Organisationsebenen arbeiten kontinuierlich an wesentlichen Zukunftsfragen: „Welche Angebote, die zurzeit in Steglitz‐Zehlendorf bestehen, könnten wir ergänzen oder sogar besser umsetzen?“ „Wo wird in Zukunft ein gesellschaftlicher Mangel bestehen, wie können wir den beheben?“ „Welche Voraussetzungen müssen wir in Zukunft erfüllen, welchen Anforderungen genügen, um als Anbieter sozialer Leistungen zu bestehen?“
Das Unternehmen beteiligt sich an der stadtweiten und überregionalen Entwicklung von Modellprojekten und der Vernetzung unterschiedlicher Träger.

Der vierte Brief zur Nachhaltigkeit legte großen Wert darauf, dass der individuelle unternehmerische Blick auf Nachhaltigkeit für Kunden und andere Interessierte nachvollziehbar beschrieben wird. Denn Nachhaltigkeit kann, nein muss in jeder Organisation anders ausgestaltet sein. im Stadtteilzentrum Steglitz bedeutet dies:

  • auf die besonderen soziale Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen, Senioren und Familien in Steglitz‐Zehlendorf aktiv Einfluss zu nehmen und dabei die Arbeits‐ und Lebensumstände der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diesen Anspruch täglich umsetzen, besonders zu berücksichtigen.
  • mit zeitgemäßen Angeboten daran teilzuhaben, die soziale Zukunft des Bezirks zu sichern. Dazu gehört die aktive Teilnahme an Modellprojekten ebenso wie die Entwicklung eigener Angebote und Strategien.
  • im Rahmen der Möglichkeiten die ökologischen Auswirkung des eigenen Handelns zu verstehen, zu beeinflussen und stetig positiv zu entwickeln.

Und konkret? Um sich dem Thema Ressourcensparen gemeinsam mit allen Mitarbeitern, Kunden und „interessierten Mitmachern“ zu nähern, wurden in Schulhorten, Kitas und Jugendzentren Papierpaten gesucht und gefunden. Die bestimmen jetzt jeweils für ihr Haus die Agenda: welche Projekte zum Thema sind geeignet und lassen sich mit Spaß umsetzen? Wie können wir Papier sparsamer nutzen als bisher? Und lassen sich unsere Erfahrungen auf andere Einrichtungen übertragen?

Die Papierpaten haben sich bei der Werkstatt N als ausgezeichnete Nachhaltigkeitsinitiative beworben – zu Recht. Sie haben das Zeug, über die Grenzen von Steglitz und Berlin hinaus wahrgenommen und nachgeahmt zu werden. Good Practice.

 

In den Briefen zur Nachhaltigkeit geht es um…
  1. …die Frage „Was ist Nachhaltigkeit?“
  2. …die Frage „Wo anfangen?“
  3. …Handlungsfelder der Nachhaltigkeit
  4. …gutes Management und pointierte Nachhaltigkeitsberichterstattung
  5. …die zehn Gebote der Nachhaltigkeit
  6. …den Nutzen nachhaltiger Entwicklung für Unternehmen, Kunden und Investoren
  7. …ein Beispiel aus der Praxis

Das nächste große Ding: der stationäre Handel

Über den stationären Handel im Vergleich zum Online Geschäft habe ich an dieser Stelle („Jährlich grüßt das Murmeltier…“) schon geschrieben, heute folgt der zweite Streich.

Die Dinge haben sich nämlich umgekehrt, zumindest in meiner Wahrnehmung – und die ist es ja, die ich an dieser Stelle teilen möchte. Während ich bis gestern noch fragte: „Welcher Bereich des täglichen Bedarfs geht als nächstes ans Netz“ fragen wir uns spätestens ab heute, was überhaupt noch übrig bleibt im Sinne eines Einkaufladens, in dem jemand hinterm Tresen steht oder zumindest hinter einem Kassenlaufband sitzt. Nicht viel.

Der Spiegel der kommenden Woche berichtet überzeugend von Internetbanken, die Kredite vermitteln und Geberlasten dabei nach Crowdfundingmodellen auf viele Schultern verteilen. Für den kleineren Bedarf, also die Führung eines Girokontos, gehen wir ja schon lange nicht mehr in die Filiale. Die Banken also auch.

Im Artikel „Kreative Zerstörung – die Zukunft der Arbeit“ haben wir hier ja schon das Requiem auf  die Versicherungsbranche gesungen. Über Mode, Bücher, Geschenke und andere Konsumartikel muss ich hier nicht schreiben, ich will niemanden langweilen.

Als nächstes kommen die Dinge des täglichen Bedarfs. Warum ich ausgerechnet für Butter und Zahnpasta zu Kaisers oder Lidl fahre, versteht eigentlich kein Mensch, schließlich ist hier der Bedarf absolut berechenbar, ich müsste noch nicht mal etwas bestellen. Nach 4 Wochen (Zahnpasta) oder 4 Tagen (Butter) sollte einfach die Lieferung vor der Tür stehen, das Geld bitte abbuchen. Rewe erzielt 6 % seines Umsatzes mit Online Bestellungen.

Und Unternehmensberatung? Gibt’s alles online, teils kostenlos: Quick-Check zur Nachhaltigkeit, das ABC der Suchmaschinenoptimierung, Vergleichsportale für den Firmeneinkauf – noch ist die Qualität des Angebots oft dünn. Wie lange noch?

Was also bleibt? Schauen wir uns mal die Zeitungsbranche an, da schlägt das Pendel schon in die andere Richtung. Während alle Welt in der U Bahn Informationen über Handy und Reader konsumiert, wird die Zeitung aus Papier zur Edelvariante für Menschen mit mehr Geld und mehr Zeit. Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft im August letzten Jahres die Washington Post, die wahrscheinlich legendärste Zeitung der Welt, und sagt am nächsten Tag: „Zeitungen auf Papier werden zum Luxusgut“ – der Mann hat eine Strategie. Warren Buffet (oder George Sorros, ich verwechsle die beiden manchmal) kauft gerade in großem Stil Regionalzeitungen (auf Papier!) und verdient angeblich schon Geld mit Ihnen.

Jede Lösung trägt den zukünftigen Mangel schon in sich, und der Mangel die Lösung. Die Lösung „Online“ lässt uns mehr vermissen als nur die gute alte Zeit. Es geht um Nähe und Zeit, um Miteinander und auch um Vertrauen, das sich letztendlich nur zwischenmenschlich herstellt (Prof. Dr. Marina Hennig zum Thema Netzwerke).

Das Soziale also, das bleibt im Laden, stationär. Der Besuch beim Friseur, der Milchkaffee. Der Einkaufsbummel, die Beratung bei jemandem, dem ich vertraue. Oder auch nicht vertraue, aber ich kann überhaupt ein Gefühl für Qualität entwickeln, durch einen Blick ins Gesicht des Verkäufers oder ein Anfassen der Ware. Jeff Bezos ist klug und reich genug um antizyklisch handeln zu können. Der nächste heiße Tipp also: stationärer Handel als Luxusvariante des Konsums.

Briefe zur Nachhaltigkeit, 6: Glückwunsch Galilei, danke Luther, tschüß GRI

Ich bin Nachhaltigkeitsberater. Und als solcher bin ich einem Irrtum aufgesessen, den ich seit Jahren verbreite. „Unternehmen, die ihre Prozesse und ihre Kommunikation nachhaltig ausrichten, genießen einen Vertrauensvorsprung bei Investoren“ – dieser Satz fehlte in den letzten Jahren in kaum einem meiner Workshops, Vorträge und Beratungen. Und er ist falsch.

Ich hatte ein Gespräch mit einem CSR Experten, dem Chefredakteur eines wichtigen Magazins, es ging um Nachhaltigkeitsberichte, ob sie wohl nach GRI – also nach komplexen internationalen Standards – formuliert sein sollten. Ich sagte, für die Endkunden auf keinen Fall nach GRI, das versteht ja kein Mensch. Und für Investoren? Die interessieren sich für Nachhaltigkeitsberichte gar nicht – hörte ich mich sagen und erschrak, denn das hatte ich so zum ersten Mal gesagt.

Die naheliegende Wahrheit lautet, dass Investoren sich vermutlich ausschließlich für den Erfolg ihrer Investition, also für die Rendite und den Return on Investment interessieren. Das müssen sie, es liegt in ihrer Natur und etwas anderes anzunehmen war wohl in meinem Fall eine Mischung aus Naivität und optimistischem Wunschdenken.

Der Fehler lag darin, die Marktmechanismen nicht beachtet zu haben. Investoren investieren um zu gewinnen. Die entscheidende Marktfunktion liegt darin, dass Investoren die Ergebnisse der Geschäftsmodelle, in die sie investieren, nicht selbst nutzen. Sie wohnen meist nicht in den Häusern, die sie besitzen. Außer in einem, und das ist wahrscheinlich aus gesunden Materialien und energieeffizient – also nachhaltig.

Und so holen wir doch noch Investoren in nachhaltige Geschäftsfelder – bleiben wir beim Bild mit den Häusern: Wir kennen ein Grundstück, das phantastisch gelegen, wenig bekannt und völlig unerschlossen ist. Drauf ist Platz für 100 Häuser, wir haben Know-How, gute Ideen und keinen Pfennig Geld, ein Investor muss her. Wie überzeuge ich den? Wohl kaum mit einem Nachhaltigkeitsbericht, mag der auch noch so gut sein. Der Investor will einen Businessplan sehen, der vielversprechend ist – viel Rendite versprechend. Der Plan muss überzeugend darlegen, dass sich viele Häuser in kurzer Zeit bauen und verkaufen oder vermieten lassen.

Und welche Häuser lassen sich gut verkaufen? Das entscheidet der Endkunde, der Hauskäufer, Häuslebauer oder Mieter – einfache oder kluge Menschen, Schwaben, Berliner oder Ostanatolier, Singles oder Familien und viele mehr. Und jetzt kommt der entscheidende Umstand: Mit ebenjene Zielgruppen kann ich als Entwickler der Grundstücke in einen Dialog treten über Werte, nachhaltiges Bauen und Wohnen, Energie sparen für den Geldbeutel und das Klima, Win-Win-Situationen und über viele andere Themen aus dem Kanon der Nachhaltigkeit.

Wenn der Markt, also die Endkunden, einen Sog erzeugen nach nachhaltigen Produkten, fangen auch Investoren an, sich für das Thema zu interessieren, das ist logisch. Und so korrigiere ich den obigen Satz folgendermaßen: „Unternehmen, die ihre Prozesse und ihre Kommunikation nachhaltig ausrichten, genießen einen Vertrauensvorsprung bei ENDKUNDEN, denn nachhaltige Produkte sind häufig gesünder sowie verantwortungsbewusster im Entstehungsprozess. Dieser Umstand wiederum kann Investoren dazu bringen, über Investments in nachhaltig entwickelte Geschäftsfelder verstärkt nachzudenken“. Der Satz ist länger geworden. Und liegt vermutlich dichter bei der Wahrheit.

Nachhaltigkeitsberichte sollten die Grundlage für einen Wertedialog vor allem mit Endkunden und anderen Interessensgruppen bilden. Schaffen sie dies nicht, sind sie wertlos.

Heute vor 450 Jahren wurde Galileo Galilei in Pisa geboren. Er entriss die Naturkunde der Deutungshoheit der katholischen Kirche und machte seine Entdeckungen im Dialog breiten Gesellschaftsschichten zugänglich, stellte sich und sein Wissen der öffentlichen Diskussion zur Verfügung – fast hätte es ihn das Leben gekostet.

18 Jahre vor Galileis Geburt starb ein anderer, der sich das Denken und Handeln partout nicht verbieten lassen wollt: Martin Luther. Er predigte in der Sprache des Volkes, nicht länger in Latein, er übersetzte auch die Bibel in die deutsche Sprache – bis heute als Lutherbibel bekannt. Es ist kein Zufall, dass wir vor allem den Satz „Was rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket?“ (der wohl fälschlicherweise Luther zugeschrieben wird) von ihm in kollektiver Erinnerung haben – es sind die Sprache und der Duktus der Menschen, mit denen er den Dialog sucht. Damit hat er das Wort Gottes nicht nur übersetzt – er hat es verändert. Denn wer einen Dialog eingeht weiß, dass das Gesprochene besprochen wird, es verändert sich, es wird geliebt, gehasst, geschmäht, bewundert – und weiterentwickelt.

Wer Nachhaltigkeitsberichte nach GRI anfertigt muss wissen, dass nur eine immer kleiner werdende Gemeinde von Experten in der Lage ist diese zu entschlüsseln – egal mit wie viel Bildern und Grafiken der Bericht am Ende aufgehübscht ist.

Wer aber über seine Nachhaltigkeitsstrategie ernsthaft in einen Dialog einsteigen möchte, muss die Sprache seines Gegenübers sprechen und verstehen.

In den Briefen zur Nachhaltigkeit geht es um…
  1. …die Frage „Was ist Nachhaltigkeit?“
  2. …die Frage „Wo anfangen?“
  3. …Handlungsfelder der Nachhaltigkeit
  4. …gutes Management und pointierte Nachhaltigkeitsberichterstattung
  5. …die zehn Gebote der Nachhaltigkeit
  6. …den Nutzen nachhaltiger Entwicklung für Unternehmen, Kunden und Investoren
  7. …ein Beispiel aus der Praxis

Briefe zur Nachhaltigkeit, 5: Die zehn Gebote

Die Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Sie werden längst nicht nur als Produzenten und Anbieter von Waren und Dienstleistungen wahrgenommen, sondern von unterschiedlichen Seiten verstärkt nach ihrer Verantwortung für gesellschaftliche Prozesse jenseits des Geschäftsmodells gefragt.

International agierende Akteure gehen in Bezug auf diese Fragen in die Offensive: in Nachhaltigkeits- oder integrierten Geschäftsberichten geben sie Auskunft über wirtschaftliche, ökologische und soziale Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit.

Und kleine oder mittlere Unternehmen? Welche Chancen haben sie, eine verantwortungsbewusste Haltung systematisch in die gelebte Unternehmenskultur zu integrieren? Und Gründer/innen? Start up Unternehmen haben mehr als etablierte Firmen die Chance, Fragen der Nachhaltigkeit von Anfang an als Teil ihrer Unternehmenskultur zu etablieren und hieraus konkrete Strategien abzuleiten.

Dieser fünfte Brief zur Nachhaltigkeit ist der Versuch, zehn Leitkriterien als einfachen Handlungswegweiser für Unternehmen zu formulieren. Eine Linkliste unten schließt diesen Brief ab.

 

 

GESCHÄFTSMODELL

Planet, People, Profit: In welcher Form leistet das Unternehmen einen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung?

 

UNTERNEHMENSFÜHRUNG

Management: Ist der Bereich CSR / Nachhaltigkeit einem Teammitglied eindeutig zugeordnet? Gibt es im Unternehmen ein Nachhaltigkeitsmanagement im Sinne von Zielformulierungen, Umsetzungsstrategien und Kontrolle in wesentlichen Handlungsfeldern?

Controlling: Erhebt das Unternehmen neben wirtschaftlichen Daten auch Informationen zur Nachhaltigkeit, z.B. den Energieverbrauch, Wassernutzung, Abfallaufkommen oder Kundenzufriedenheit, zum Zweck aktiver Einflussnahme?

Strategie: Ist das Unternehmen wirtschaftlich stabil und investiert es in zukünftige Projekte und Geschäftsfelder?

 

PRODUKT / DIENSTLEISTUNG

Verantwortung: In welchen Produktionsstufen berücksichtigt das Unternehmen neben wirtschaftlichen auch ökologische oder soziale Aspekte (z.B. CO2 Emissionen, Energieverbrauch, Wasser- und Abwasser, Abfallaufkommen, Arbeitsbedingungen?)

Zielgruppen: Bringt die Produktpolitik wirtschaftliche Aspekte mit ökologischen und gesellschaftlichen Fragen in Einklang? Decken sich Nachhaltigkeitsaspekte der Produktpolitik mit den Kundenerwartungen?

 

KOMMUNIKATION

Transparenz und Verständlichkeit: Ist die CSR Strategie durch das Unternehmen für alle Interessierten klar und verständlich beschrieben?

Unternehmenskultur: Stellt das Unternehmen Philosophie, Leitbild und Grundsätze seiner Unternehmensführung transparent dar?

Mehrwert: Stellt das Unternehmen den Mehrwert deutlich heraus, der der Kundschaft sowie der Gesellschaft und der Umwelt durch die Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte entsteht?

Stakeholderdialog: Hat das Unternehmen einen Überblick über alle wesentlichen Interessensgruppen, die von den Auswirkungen unternehmerischer Entscheidungen betroffen sind? Bindet das Unternehmen diese Interessensgruppen nach Möglichkeit in unternehmerische Prozesse ein?

Berichterstattung: Wie informiert das Unternehmen angemessen über geschäftliche Ergebnisse, Entwicklungen und Ziele? Wie informiert das Unternehmen darüber hinaus über Entwicklungen im Bereich Nachhaltigkeit? Ist die Berichterstattung die Grundlage für einen Wertedialog zwischen Unternehmen, seinen Mitarbeitern und anderen Gruppen?

 

 

Links für Gründerinnen und Gründer sowie für Unternehmen:

IBB / BPW

Die Investitionsbank Berlin veranstaltet gemeinsam mit der Investitionsbank Brandenburg und dem Berlin Brandenburger Unternehmensverband seit 18 Jahren den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg. Wer hier mitmacht hat nicht nur die Chance auf ein Preisgeld sondern erhält Beratung, Kontakte und Seminare zum Thema Gründung – und zwar umsonst und ohne Haken. Schon seit vielen Jahren spielt auch die Dimension der Nachhaltigkeit beim BPW eine große Rolle.

 

.garage

.garage Berlin

.garage Berlin

Cool und bodenständig zugleich – dass das geht, zeigt das Gründungszentrum .garage, das unter anderem in Berlin vertreten ist. Hier wachsen überwiegend Gründungsideen heran, die aus der Arbeitslosigkeit herausführen. Gemeinsam mit den Jobcentern der Berliner Bezirke werden einzigartige Programme aufgelegt und durchgeführt.

 

b!gründet

Das Gründungsnetzwerk der Berliner Hochschulen für Stipendiaten im EXIST Programm. Das Netzwerk unterstützt unter anderem durch hervorragende Coaches aus den Bereichen Marketing, Finanzierung und Recht.

 

Green Garage auf dem EUREF Campus Berlin

Green Garage auf dem EUREF Campus Berlin

Green Garage auf dem EUREF Campus Berlin

Die Green Garage unterstützt Gründungen mit nachhaltig positiver Klimawirkung.

 

Hultgren und Partner

Die Nachhaltigkeitsberatung, der der Autor dieses Blogs geschäftsführend vorsteht. Unsere Philosophie: Nur ein Nachhaltigkeitsdialog mit vielen Anspruchsgruppen kann Köpfe und Dinge bewegen. Wir stehen allen Gründern, Unternehmern und anderen Organisationen mit Beratung, Vorträgen und Workshops zur Verfügung.

 

 

Links für Philosophen und Tagträumer:
Es ist eine ERLE, wie ich beim Fotografieren bemerkt habe.

Der Baum, Grundbild nachhaltigen Wirtschaftens

Du aber bist der Baum

 

Links an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft:

Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit

Das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit versammelt wissenschaftliche Expertise zum Thema Green Economy und arbeitet zurzeit an einem Green Economy Gründungsmonitor.

 

Grundsätzliches:

Rat für Nachhaltige Entwicklung

Rat für Nachhaltige Entwicklung, kurz Nachhaltigkeitsrat oder RNE, ist ein Beirat der Bundesregierung – und geht mit eben dieser auch mal streng ins Gericht, wenn er es für erforderlich hält. Zurzeit füllt Marlehn Thieme, die auch Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, die Position der Vorsitzenden stark und eindrucksvoll aus. Der RNE steht für tolle Veranstaltungen, Projekte und Dokumentationen.

In den Briefen zur Nachhaltigkeit geht es um…
  1. …die Frage „Was ist Nachhaltigkeit?“
  2. …die Frage „Wo anfangen?“
  3. …Handlungsfelder der Nachhaltigkeit
  4. …gutes Management und pointierte Nachhaltigkeitsberichterstattung
  5. …die zehn Gebote der Nachhaltigkeit
  6. …den Nutzen nachhaltiger Entwicklung für Unternehmen, Kunden und Investoren