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Korrekturen

Der erste Teil einer neuen Spiegelserie „Unsere digitale Zukunft“ ist lesenswert (Spiegel Nr. 15 vom 7. April 2014). Die Quintessenz: wachsende Serverkapazitäten, die wirklich alle Daten erfassen können, sowie die Mobilisierung unserer Endgeräte (aktuell das Smartphone, bald Brille oder Armbanduhr) verändern jeden privaten, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Aspekts unseres Lebens. Es ist möglicherweise mehr als der übliche Strukturwandel, der alle 10 bis 15 Jahre mal diese, mal jene Branche erfasst. Es ist eine Umwälzung wie die Zeit der europäischen Völkerwanderung, an deren Ende nichts so blieb, wie es vorher war. Allerdings in der Geschwindigkeit eines Tsunamis.

Unter dem Stichwort „Schöpferische Zerstörung“ etwa lesen wir, dass nach Dienstleistung und Handel bald auch Banken und Versicherungen ihr Gesicht, nein: ihr Wesen vollkommen verändern werden. Kam mir bekannt vor – und richtig: die Leser dieses Blogs wissen das spätestens seit den Beiträgen „Das nächste Große Ding“ vom 30. März oder „Kreative Zerstörung“ vom 26. Februar 2014.

Einen Blick in die Zukunft wirft der Spiegel auch, und schaut dafür von Silicon Valley aus, wo die großen der Kommunikationsbranche wie Facebook und Google ihre Hauptquartiere haben, in die Welt. Der Spiegel zitiert den ehemaligen McKinsey-Deutschaland Chef Henzler, der sagt, „…dass sich viele künftige Entwicklungen dort heute schon abzeichnen.“ Meint Heribert Henzer etwa die Avantgarde Märkte, also Märkte, die in ihrer Entwicklung voraus sind und in denen wir die Zukunft lesen können wie in einer Kristallkugel? Diese Märkte beschrieb dieses Blog als Ergänzungsvorschlag für die klassische Branchenstrukturanalyse in „Frischzellen für Porter“.

Und noch ein Wirtschaftspromi kommt zu Wort, Susanne Klatten, Gesellschafterin bei BMW. Die Autos von morgen nennt sie „Datenträger auf vier Rädern“. Erstens sind sie das längst, außerdem ist diese etwas müde Prophezeiung wohl vor allem geprägt von der Hoffnung nach Bestand. Dass Mobilität sich viel komplexer und vor allem in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln wird, steht im Blogbeitrag „Das unentdeckte Land – die Zukunft“. Mobilität wird eine Mischung aus Verzicht und gelenkter Zuteilung sein, aus öffentlichem Personenverkehr und unterschiedlichsten Sharing Systemen, aus Elektroverkehr, vor allem aber aus individuellen Kombinationen all dieser Komponenten.

An einer Stelle irrt der Spiegel höchstselbst, nämlich wenn er die Stärke von Facebook mit dessen Reichweite begründet. Sicher, eine Milliarde Nutzer hat kein anderes Produkt, mit dem Kauf von Whatsapp ist noch einmal die Hälfte hinzugekommen. Aber die eigentliche Stärke liegt in der Auflösung der Grenze zwischen Nutzer und Produkt. Das Angebot richtet sich hier nicht nach der Nachfrage, beide werden eins.

Ein Satz ist so schön, und so wahr, den muss ich unterstreichen, es ist der Schlusssatz: „Im Kern ist die neue Wirtschaft wie die alte. Nur schneller“