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Stoßseufzer

Die Wiege der Menschheit

Die Wiege der Menschheit liegt bekanntlich in Südafrika. Die Wiege der Elektromobilität liegt am Bahnhof Lichterfelde-Ost, im Berliner Stadtteil Steglitz-Zehlendorf.

Werner von Siemens stellte zunächst 1879 noch in Moabit das erste Schienenfahrzeug der Welt vor, dessen Elektromotor seinen Strom von Außen geliefert bekommt – eigentlich eine abwegige Idee. Bei einer Leistung von 3 PS wurde mit einem 150 Volt Gleichstrommotor eine Geschwindigkeit von 7 km/h erreicht. Prototypen spielen heute mehr denn je in der Entwicklung technischer Lösungen eine zentrale Rolle.

Nach dem Prototyp kam die Testphase, und die spielte sich tatsächlich in Lichterfelde ab. Auf einer stillgelegten Gütertrasse wird eine Versuchsstrecke angelegt, am 16. Mai 1881 nimmt die erste elektrische Straßenbahn der Welt ihren Betrieb auf. Der Triebwagen konnte 20 Personen mit einer zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h transportieren. (Eine Tafel der S-Bahn Berlin und der Stiftung „Werner-von-Siemens-Ring“ am Bahnhof Lichterfelde Ost weist auf die Geschichte hin.)

Auch die Entwicklung elektrischer PKW begann um diese Jahrhundertwende, es entstanden die „Lohner-Porsche“, Fahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb in den Lohner-Werken. Die Fahrzeuge wurden von Ludwig Lohner und Ferdinand Porsche entwickelt und waren mit Otto- und Elektromotor ausgestattet. Der Mixte-Wagen war ein Fahrzeug mit Hybridantrieb und wurde 1899 zum ersten Mal gebaut.

Heute ist im Land der Elektromobilität nicht allzu viel los, jedenfalls nicht auf den Straßen. Wer im E Mobil von Hamburg nach München fährt, dem stehen zwar Informationen über Ladesäulen zur Verfügung, nicht aber darüber, ob diese gerade frei sind (ein Ladevorgang kann mehrere Stunden dauern). Die deutsche Industrie mauert bei der Einführung einheitlicher Stecker-Standards (mein VW Golf muss doch auch keine VW-Tankstelle finden!) und es hapert bei der flächendeckenden Einführung eines Zapfsäulensystems. Absurd, denn Strom ist, im Gegensatz zu Benzin, bereits da vorhanden, wo Straßen, Laternen und Menschen sind – also praktisch überall. Das Unternehmen Ubitricity muss aber sehr kämpfen, um ihre einfachen und kostengünstigen Lade- und Bezahlsysteme an Laternen installieren zu dürfen.

Ich hoffe inständig, dass wir diese Chance als gemeinsame Möglichkeit begreifen. Ich appelliere an die Bundesregierung und ihre untergeordneten Verwaltungseinheiten, an die Anbieter von Fahrzeugen und Infrastruktur, an Konsumenten und andere Parteien: Die USA überholen uns auf der einen Seite, China auf der anderen, Norwegen wartet schon im Zielbereich (zum Thema Oslo und E Mobilität mehr in diesem Blog). Es kann doch nicht so schwer sein!

Das unentdeckte Land…

…die Zukunft.

Schon immer fühlte der Mensch sich auf der eindimensionalen und nur in eine Richtung beweglichen Zeitachse eingeengt, beschränkt – er will in die Zukunft sehen, in seine Zukunft. Das Orakel der Antike war in Delphi, heute versuchen sich das Institut für Demoskopie Allensbach, die Gesellschaft für Konsumforschung und die Krake Paul in der Vorhersage zukünftiger Ereignisse und Zusammenhänge.

So wichtig wie der Ausgang von Schlachten oder wenigstens das Bestimmen günstiger Rahmenbedingungen dafür damals war, ist dem Marketingstrategen heute die Analyse und Prognose von Trends und Entwicklungen am „Markt“ – also in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen, die in irgendeinem Zusammenhang mit meinem Geschäftsmodell stehen.

Einfach mal den Kunden fragen funktioniert da leider nicht, denn schon Henry Ford, der der Welt die Automobilproduktion am Fließband schenkte, wusste: „Hätte ich die Menschen gefragt, was sie haben wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde“.

Als „Schnellere Pferde“ bezeichnen wir deshalb Produkte, die in der Vorstellungswelt von Kunden und anderen Interessensgruppen zukünftige, neue Eigenschaften aufweisen, im wesentlichen Kern aber unverändert geblieben sind. Was gegenwärtig innovativ, bisweilen sogar revolutionär erscheint, mutet ein paar Jahrzehnte weiter beschränkt oder sogar naiv an. Das schnellere Pferd der 50er Jahre war das fliegende Automobil, das auf zahlreichen Illustrationen der Zukunft abgebildet war. Bis heute fliegt kein Auto und die Vorstellung belustigt uns how to weight loss.

Noch eine Eigenschaft hatten die schicken Flugkarossen von damals: niemand musste sie steuern, sie wurden durch Maschinen wie von Geisterhand gelenkt. Und siehe da, 2011 stellt Google ebendieses Auto als Prototyp vor, 2013 brachte Audi selbstfahrende Autos mit auf die Elektronikmesse nach Las Vegas. Nicht jede Vorstellung ist also naiv – und wieder wollen wir am liebsten das Orakel befragen und rufen: „Ja wie denn nun? Was bringt uns unsere Zukunft? Wie sieht das Auto 2050 aus?“. Ich sag’s Ihnen:

Das schnellere Pferd von morgen ist das Elektroauto. Mit ihm verknüpfen wir alle Hoffnung in eine bessere Zukunft, die wesentliche Eigenschaften der Gegenwart konserviert: jeder fährt wohin er will, wo lang er will, so schnell er will und darf. Der einzige Unterschied: wir fahren nicht im vierten, fünften oder sechsten Gang, sondern im Ökomodus, CO2 neutral und reinen Gewissens.

Dass es so nicht kommen wird, zeigt ein Blick nach Oslo. In Norwegen hat der Elektro-Sportwagen Tesla den VW Golf von der Spitze der Zulassungslisten verdrängt. Steuervergünstigungen beim Kauf, extra Parkplätze, freie Fahrt auf Busspuren und gratis (!) Ladestationen haben die Nachfrage nach E-Cars ordentlich angefeuert. Folge 1: In Oslo dünsten immer weniger Verbrennungsmotoren CO2 und andere Emissionen aus. Folge 2: Der Markt für E-Autos hat sich verdoppelt, Haushalte steigen um von öffentlichen Verkehrsmitteln oder vom Fahrrad auf das E-Mobil um, Busspuren verstopfen, die Stadt Oslo muss ein Mehr an Autoverkehr aushalten.

Nach Kondratieff trägt die Lösung eines Problems die nächste Herausforderung bereits in sich, so entsteht das, was Schumpeter die langen Wellen der Konjunktur nennt. Bei der Elektromobilität ist es aber zu offensichtlich: Das E-Mobil ist nicht die Lösung der Zukunft. Allerdings: in einem neuen Mobilitätskonzept wird Elektromobilität sicher eine Rolle spielen. Ebenso wie Car-Sharing Systeme, öffentliche Verkehrsmittel und die Verschiebung von Distributionswegen. Und mit noch einem Element zukünftiger Mobilität können wir uns gedanklich schon mal vertraut machen: Einschränkung. Vielleicht erhalten wir zukünftig Mobilitätspunkte, die uns erlauben nach München, Leipzig oder auf die Malediven zu fliegen, je nach Bedarf oder nach zuvor erbrachter gesellschaftlicher Leistung.

Nicht vorstellbar?

Das wäre so, also würden wir Gutscheine erhalten für den Erwerb von Lebensmittel, Luxus oder Kulturteilhabe?

Diese Gutscheine gibt es bereits, sie nennen sich Euro und wir erhalten sie, wie erwähnt, nach Bedarf, nach Leistung, nach Wohlgefallen oder nach anderen Kriterien.

Nennt sich in der Regel Arbeit.