Es muss Liebe sein

Einfach mal schnell drauflos geschrieben, ohne große Internetrecherche – weil’s so schön ist und Erinnerungen an Früher weckt:

Es sind nicht immer unsere Lieblingsunternehmen, die die richtig guten Marketingaktionen machen – zurzeit ist es Lidl, ausgerechnet. Es ist eine gelungene Marketinggeschichte, in den Hauptrollen: Kern- und Nebennutzen, Quengelfaktor und die Familie als Zielgruppe. Und im Zentrum steht ein uraltes Marketingwerkzeug – der Appell an die Sammelleidenschaft, die uns in den Laden treibt. Wir erinnern uns?

Die Monsterfiguren, die es gerade an den Lidlkassen kostenlos ab einer bestimmten Einkaufssumme gibt nennen meine Töchter (5 und 7 Jahre): Stickies. Und meine Töchter lieben Stickies.

Suchtfaktor Sammeln
Suchtfaktor Sammeln

Stickies haben eigentlich einen praktischen Kernnutzen. Auf Kindergeburtstagen kann jedes Kind seinen Becher oder sein Glas mit einem Stickie dauerhaft markieren, Verwechslungen sind somit ausgeschlossen. Natürlich funktioniert das nicht, viel zu interessant sind die Figuren für Rollenspiele („ich fresse Dich“) und als Tauschobjekte („den hier gegen zwei von denen?“ – „Nö“).

Mein erster Gedanke beim Anblick der kleinen, aufwändig verpackten Dinger: überflüssig und nicht gerade nachhaltig. Bis ich davon erfuhr, wofür sie eigentlich gut sind. „Gar nicht schlecht“ dachte ich, „originell“. Das Familienoberhaupt (ha ha) war überzeugt.

Meine Frau kommt aus Schwaben (wie Lidl), ist praktisch orientiert (wie Lidl) und sparsam (…). Und hier konnte sie den Kindern etwas Nützliches mitbringen ohne Zusatzkosten – ideal. Lidl hatte damit auch die Familienabteilung Einkauf für sich gewonnen.

Jetzt aber kommt der Burner, der Turbo, die eigentliche Promotionrakete: der Quengelfaktor. Im Marketing lernen wir, dass wir im B2B Geschäft, also im Handel mit Firmen, ein sogenanntes Buying Center überzeugen müssen: eine Blackbox aus Entscheidern und Mitentscheidern, Gate-Keepern und Chefs, Nutzern und Ratgebern. Wir müssen ALLE überzeugen, um ein Geschäft abschließen zu können.

Bei meinen Mädchen fing es langsam an und kam dann über uns wie eine Welle. Spätestens als in Kita und Schule die Dinger gehandelt wurden wie `45 Zigaretten auf dem Schwarzmarkt, gab es nur noch einen Weg, und der führte uns zu Lidl. „Jason hat schon dreißig Stück“. „Leila hat schon alle doppelt“. Ab jetzt wurde das Geschäft durch meine Töchter mit erschreckender Professionalität aufgezogen: Verwandte und Freunde wurden aufgefordert, bevorzugt bei Lidl zu kaufen. Vorläufiger Höhepunkt: zwei Stunden bei Lidl an der Kasse und darauf wartend, dass Kunden auf ihre Monster verzichten, zugunsten meiner Mädchen.

Ich, sonst gerne auch mal streng, konnte und wollte ihnen nicht böse sein. Beide sind ja eher bescheiden und Markenklamotten oder Ähnliches spielen bei ihnen zum Glück noch keine Rolle. Stickies also, es muss Liebe sein. Ich glaube nach diesem Wochenende ist die Aktion beendet, jetzt dürfen wir wieder einkaufen, wo wir wollen. Und plötzlich erinnere ich mich an die (Sehn)Süchte meiner Kindheit: Panini Sammelbilder, Knibbelbilder aus Coca Cola Flaschendeckeln und Messingfiguren aus dem Überraschungsei.

Falls das jemand liest da draußen: was habt Ihr gesammelt, früher? Erinnert sich noch jemand an die ARAL Oldtimerposter? Dann ist er jetzt selber einer, das waren die 60-er. Hinterlasst gerne Eure Kommentare oder einfach Stichworte zum Thema. Liebe Grüße.

5 Gedanken zu „Es muss Liebe sein

  1. Ich habe erfreut festgestellt, dass der Kelch mit den „ARAL Oldtimerpostern“ gerade noch an mir vorbei gegangen ist. 😉 Glück gehabt – die kenne ich (noch) nicht.

    Und in der Sammelleidenschaft der Kinder findet sich wohl jeder liebende Elternteil wieder. Unterstützen/unterdrücken – schwierige Frage – zumal man ja die Teile irgendwann im ganzen Haus wieder findet – wir hatten eine Diddle-Maus-Welle, aber auch Hockeyhelme, Kuschellöwen und diverses andere.

    Und der Kommerz? Tja, Glück den Eltern deren Kinder Steine, Muscheln, Frösche, Käfer … und so sammeln. Findet man auch im ganzen Haus wieder! 😉

  2. P.S.: Kugeln sind meine Leidenschaft … habe ich nur kindertechnisch und sicher verwahrt. Die packe ich erst wieder in der Phase zwischen „Kinder-aus-dem-Haus“ und „Enkelkinder-kommen“ aus! Danach – mal sehn.

  3. Ich hatte eine Sammlung von Alufolien von Schokoladentafeln. Sorgfaeltig gefaltet, liebe sie immer noch.

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