Total horizontal

Das Lehrbuch kennt die horizontale, die vertikale und die totale Konkurrenz. Eine fehlt, meint Marcus Bartelt: die Bartelt Konkurrenz.

Wenn ich Marketing unterrichte, meide ich den Begriff „Konkurrenz“, denn der Begriff „Konkurrenzsituation“ beschreibt die Konkurrenzsituation einfach besser.

Nehmen wir Volkswagen – dieses Beispiel liebe ich, weil Mobilität zurzeit einer der dynamischsten Märkte ist. Ängste und Hoffnungen liegen hier dicht beieinander, platzen regelmäßig und entstehen wieder neu.

Die horizontale Konkurrenz von Volkswagen ist offensichtlich: es sind BMW, Peugeot und alle anderen PKW Hersteller. Der Blick in die Vertikale ist da schon spannender: Mobilität erhalte ich auch bei der Bahn oder mit dem Fahrrad. Nun wirbt VW aber nicht nur mit dem Mobilitätsversprechen, sondern unter anderem auch damit, dass wir zu viert an den Strand fahren (sozialer Nutzen), einfach mal zum Spaß aufs Gas treten (emotionaler Nutzen) oder unseren Nachbarn ärgern können (Imagenutzen).

Da ich jeden Euro, den ich habe (oder mir leihe) nur einmal ausgeben kann, spricht das Lehrbuch von der totalen Konkurrenz – meinem Nachbarn könnte ich auch mit einem neuen Rasenmäher imponieren – und mit Freunden Spaß haben mit der Playstation oder beim Sport.

Die wahre Konkurrenz aber, und das weiß niemand so gut wie mein Freund, Kollege und ehemaliger Lehrer Marcus Bartelt, lauert nicht im Hier und Jetzt, sondern in der Zukunft. Die „Bartelt-Konkurrenz“ meint Konkurrenzsituationen wie die der Schuhhändler, die sich nicht vorstellen konnten, dass wir Schuhe bald im Internet bestellen, schließlich wollen Käufer Mode fühlen, riechen und vor allem anprobieren. Und dann kam Zalando.

Natürlich wissen das auch die Strategen bei Volkswagen, aber ins Lehrbuch ist das noch nicht so recht vorgedrungen. Volkswagen entwickelt deshalb mehr oder weniger fleißig in viele Richtungen: Hybrid und Elektro, Car-Sharing Flotten und Antrieb mit nachwachsenden Rohstoffen. Ob’s reicht? Wird die Zukunft zeigen.

Wenn ich höre, dass das ZDF nach der angekündigten Einstellung von „Wetten dass…?“ an einem neuen Samstag-Abend-Show-Format arbeitet denke ich, das ist jetzt aber sehr horizontal. Die Konkurrenz lauert, man kann das eigentlich kaum noch lauern nennen, in einem ganz anderen Medienverhalten vieler Menschen. Sie schauen wann sie wollen, was sie wollen und vor allem: sie produzieren auf den gleichen Kanälen selber mit.

Marcus Bartelt gibt in einer Mail an mich auch gleich einen strategischen Hinweis, wie ein Unternehmen die zukünftige Konkurrenz aufspüren und ihr begegnen kann: „Ein Unternehmen muss auch auf das gucken, was da in der Ursuppe vor sich hinbrodelt – um rechtzeitig zu überlegen, ob es das, was da kommt, kopieren, mit ihm kooperieren, es schlucken oder verdrängen kann. Die entstehende Konkurrenz kündigt sich stets an, ob im Flurfunk, im Tratsch auf Messen und Kongressen und durch die PR der Startups, man muss es nur wahrnehmen.“

Und noch etwas schreibt Marcus Bartelt: „Ich freue mich schon auf deinen Beitrag!“

Hier ist er.

 

Marcus Bartelt im Marketing Blog makketing