All inclusive

Der Verein Gleich X Anders e.V. (sprich: gleich mal anders) zur Inklusion geistig behinderter Menschen hat sich ein Projekt vorgenommen, das einer genaueren Betrachtung lohnt. Um Alternativen zur Behindertenwerkstatt zu schaffen, also zu bestenfalls geschützten, schlimmstenfalls isolierten Arbeitsplätzen, bauen sie ein Hotel in Darmstadt. Neben dem Kernbereich Gastronomie und Hotellerie entstehen so Jobs in der Wäscherei, einer Gärtnerei, der Küche, einer Bäckerei, sowie einem zum Hotel gehörenden Veranstaltungs- und Kulturzentrum.

Eine der Initiatorinnen ist Gudrun Maurer-Wieland, deren 18 jähriger Sohn sich zurzeit in verschiedenen Praktika ausprobiert. Gastronomie und Hotellerie bieten sich an, sagt Maurer-Wieland, weil von sehr einfachen Tätigkeiten bis hin zu komplexen Vorgängen Vieles erledigt werden muss. In einer speziellen zweijährigen berufsvorbereitenden Maßnahme sollen die jungen Menschen die Abläufe und die Aufgaben in einem Hotel kennenlernen und trainieren. Nicht-behinderte Fachkräfte übernehmen die professionelle Führung und die Ausbildung.

Gudrun Maurer-Wieland erzählt: „Wenn mein Sohn mit den Getränken an den Tisch kommt, dann kann schon mal ein Spruch kommen wie `Dann trinkt mal schön´, das sorgt dann meist für Heiterkeit bei allen Beteiligten. Von den Gästen gelobt werden vor allem Atmosphäre, Wärme und Freundlichkeit“.

Zielpublikum sind natürlich Familien oder andere Reisegruppen, an denen Menschen mit Handicap teilnehmen. Aber nicht nur, denn wenn das Hotel in ein paar Jahren eröffnet ist, muss es vor allem eins: laufen, und zwar wirtschaftlich.

Die Idee ist nicht neu, der weltweite Verbund der Embrace-Hotels arbeitet unter dem Motto „Als Gast willkommen, als Mensch erwünscht“. 1993 wurde das Stadthaushotel Hamburg europaweit als erstes integratives Hotel gegründet. Bei der Gründung 2006 ist Embrace mit 11 Hotelbetrieben gestartet, mittlerweile gibt es deutschlandweit 40 Hotels. Insgesamt werden in den Embrace Hotels über 1000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, die Hälfte von ihnen haben eine Behinderung.

Liebe Gudrun Maurer-Wieland, lieber Verein „Gleich X Anders“, ich wünsche alles Gute für Euer Projekt. Keine kleine Sache, ein Hotel zu bauen, mit öffentlichen Stellen zu verhandeln, Investoren und Projektpartner zu suchen, Befindlichkeiten auszubalancieren – und dabei nie das Ziel aus den Augen zu verlieren. Aber genau das wünsche ich Euch, dass Ihr den Horizont fest im Blick habt. Rüm hart – klåår kiming, sagt der Friese, weites Herz und klare Sicht. Wenn Ihr es schafft, seid Ihr meine Helden des Managements. Und falls nicht, seid Ihr’s trotzdem.

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