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Der Gastkommentar

Der Gastkommentar

Die Reaktionen auf meine Artikel in diesem Blog sind vielfältig, nicht selten erhalte ich SMS Nachrichten, Mails oder Kommentare in Gesprächen. Die Zustimmung macht Mut: „Toller Artikel, bewegend“, oder „Sehr wahr und gut geschrieben“. Interessant ist: Vor allem Widerspruch zu meinen Thesen wird sehr genau begründet, hergeleitet und erläutert. Und meistens, das ist das Phänomen, bin ich absolut einverstanden, mit dem, was ich lese. Löst Widerspruch sich auf in vernünftigen Argumenten? Spannend…
Manchmal setzen sich Leser meines Blogs so intensiv mit den Themen auseinander, dass ich mich entschieden habe, diese Texte als Gastbeiträge zu veröffentlichen.

Beginnen werde ich mit einem Kommentar meines Vaters zum Artikel über TTIP. Burkhard Schmidt macht sich Sorgen um das, was wir in Deutschland und Europa mit der teilweisen Umstellung auf ökologische Landwirtschaft schon erreicht haben. Er plädiert dafür, „keinen Millimeter unserer erreichten Qualität aufzugeben“.

 

Kommentar zu „TTIP und das Nürnberger Würstchen“

von Burkhard Schmidt
 
Lieber Oli,
ich schätze zwar Deine Gedanken im Wesentlichen, aber hier denkst Du meines Erachtens nicht weit genug. Unser Ernährungsverhalten ist weitaus einflussreicher auf unsere Umwelt und damit auch auf uns, als Du denkst.

Die Qualität der Nahrungsmittel, das heißt in diesem Falle ohne veränderte Gene, ohne Pestizide und überflüssigen Kunstdünger wirkt sich sehr viel stärker auf die Landschaft und das ganze Ökosystem aus, als Ihr “Großstädter” es wahrnehmen könnt.

Wenn ich sehe, dass hinter einem konventionell arbeitenden Trecker höchstens ein paar Möwen auf Futtersuche gehen, hinter einem Ökotrecker aber 25 Paare Störche, Bussarde, Milane, Reiher und Kraniche ihre Nahrung finden, dann wird mir klar, dass ohne die chemische Industrie mit ihrem enormen Energiebedarf für die Herstellung dieser überflüssigen Produkte das Leben in unseren Böden wieder entstehen kann. Dieses bakterielle Leben produziert auf natürliche Art und Weise die Nährstoffe für unsere Nahrung, ausreichend für unsere Gesellschaft. Und das hat Auswirkung auf unsere Landschaft und andere Teile unsers Lebens. Und deshalb darf es nicht sein, dass wir die Kontrolle über unsere Nahrungsmittel, die in den letzten Jahrzehnten erreicht worden ist, wieder verlieren. Dafür setze ich mich ein. Im Handelsabkommen ist angedacht, die Angaben über Herkunft und Zusammensetzung im Zahlencode zu verstecken. Wer kann denn dann noch die Inhalte erkennen? In diese Verhandler in Brüssel, die diesen Blödsinn verzapfen um den Lobbyisten der Industrie in Berlin zu gefallen, habe ich kein Vertrauen.

Übrigens, die chemische Industrie, die den größten Teil des Saatmarktes beherrscht, hat Saaten entwickelt, die sich nach der Ernte nicht wieder vermehren können. Wer garantiert uns, dass nach dem langjährigen Verzehr dieser Produkte wir selber noch Kinder zeugen können, aber eben diese Kinder keine Nachkommen mehr hervorbringen können. Schwarzmalerei? Nein, denn viele Jahrzehnte sind Pestizide produziert, genehmigt und mit verheerenden Folgen für die Umwelt auf die Äcker gebracht worden gebracht worden. Erst danach kamen die Erkenntnis und das Verbot. Lasst uns deshalb keinen Millimeter unserer erreichten Qualität aufgeben.

Dein besorgter Vater