Kommunikation Ehrensache

Die IHK Berlin meldet sich ja immer wieder zu aktuellen Themen: sie ist „besorgt“, wenn die Flughafeneröffnung wieder um ein paar Zeiteinheiten verschoben wird (im Ernst: schreibe ich „Monate“ oder „Jahre“, um nicht ironisch zu klingen?). Und sie ist „zuversichtlich“, wenn irgendwelche Konjunkturdaten Positives verheißen.

Das weiß ich aus der Zeitung, und seit Neuestem auch aus einem Brief, der an mich gerichtet war. Dem Schreiben beigelegt war eine Anstecknadel mit dem Schriftzug „Engagiert für Berlin“, der Brief enthielt viel Lob für mein Engagement. Wofür ich diese Ehrenauszeichnung genau bekomme, weiß ich nicht, das gab der Serienbrief nicht her. Neben dem Standardtext ist ein Foto von Dr. Eric Schweitzer, dem ehrenamtlichen Präsidenten der IHK Berlin, aber das hat nichts zu sagen, das sehen wir in jeder IHK Publikation zum Thema CSR.

Auf der Suche nach Antworten nennt mir die IHK Homepage so viele Ansprechpartner, dass ich kapituliere.

 

Lieber Herr Dr. Schweitzer,

Henry Ford hat der Welt zwar das Fliessband geschenkt, aber für die Produktion von Autos, nicht für Briefe mit Ehrennadeln. Die nächste Auszeichnung an mich doch bitte persönlich, ich könnte mir zum Beispiel vorstellen bei einer Tasse Fair Trade Kaffee in Ihrem Büro.

Oder wenigstens eine handschriftliche Zeile unter dem Serientext? Oder ein Smiley? Ich würde mich freuen.

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Der Erlös dient einem guten Zweck: ich werde den Betrag aus privaten Mitteln aufstocken und ein Eis essen gehen.

 

P.S.: Ist es mein ehrenamtlicher Einsatz als Prüfer, der mich qualifiziert hat? Das mache ich gerne, auch in Zukunft – ist doch Ehrensache!

😉

Mit besten Grüßen – Oliver Schmidt

 

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2 Gedanken zu „Kommunikation Ehrensache

  1. Dieses Blog ist auf Dialog angelegt, und manchmal funktioniert es.

    Heute meldet sich ein freundlicher Herr der IHK Berlin, zuständig für Ausbildung und Prüfung, gesteht unumwunden ein, dass das Anschreiben zur Nadel tatsächlich persönlicher hätte ausfallen können und schon sind wir im Gespräch. Chapeaux könnte ich sagen, aber das klingt mir viel zu sehr von oben herab. Ich freue mich einfach, wenn Organisationen lebendig und dialogfähig sind.

    Das Gespräch gab mir die Gelegenheit, etwas klarzustellen:

    1. Bestimmt haben sich die meisten der 4.000 ehrenamtlichen Prüfer über die Auszeichnung gefreut – und das ist gut so.

    2. Die IHK nimmt in der Aus- und Weiterbildung eine wichtige Aufgabe wahr und macht eine gute Arbeit.

    3. Herr Dr. Schweitzer soll natürlich nicht mit allen 4.000 Prüfern einen Kaffee trinken – es reicht doch mit mir!

  2. Hallo Oliver,
    prima das Du darüber geschrieben hast.

    Ich hatte ebenfalls solche eine „Auszeichnung“ in dem, so ich gerade noch erinnere, „Pappfaltkarton“-Case im Briefkasten.

    Insgesamt fand ich allerdings zumindest diese Form leicht überdimensioniert für den m. E. letztlich doch spartanischen Inhalt, Ehre hin, Ehre her. Nachdem ich die Sendung geöffnet hatte war mein nächster Gedanke: wer u.H. w. steckt sich derartiges denn wirklich wohin …?! Meine Lösung: Pin ab, und die Plakette mit’m bisschen Kleber schwups ans Firmenschild gepappt – bon. 🙂

    Und ’nen Kaffee gibt’s dann auf der nächsten Sitzung, mit den Ausschusskollegen und der netten Fachbetreuerin aus der Abteilung!

    Grüße!

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