Jährlich grüßt das Murmeltier…

Die IHK Heilbronn macht das, was sie für ihren Job hält: Jammern, im Auftrag ihrer Mitglieder. Noch bevor das letzte Wochenende richtig gelaufen ist, beklagt sie Umsatzrückgänge bei Einzelhändlern gegenüber den Vorjahren. Der Konsument geht längst andere Wege:

  • Erstens geht mehr Geld im Laufe eines Jahres für Wohnen und Energie drauf.
  • Zu Weihnachten locken dann die großen Einkaufszentren am Rand kleiner und mittelgroßer Städte.
  • Die größten Zuwachsraten am Weihnachtsgeschäft hat der Online Handel. Es ist relativ naheliegend, dass ich mir nach dem Online Preisvergleich meinen Wunschartikel auch gleich bestelle – ein Klick, und am übernächsten Tag klingelt der Bote an der Haustür.

Was die IHK Heilbronn nicht bietet (zumindest nicht ersichtlich aus dem Artikel der Heilbronner Stimme vom 23. Dezember) sind Lösungsansätze die nach vorne weisen. Das wollen wir an dieser Stelle gerne nachholen. Die Zauberworte heißen „Kollaborative Produktion“ und „Emotionaler Erlebnisraum“.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx prägte den Bergriff des Prosumenten und meint damit den Konsumenten, der immer mehr Verantwortung übernimmt und Einfluss ausübt auf den Prozess der Produktion und der Auslieferung. Der mündige Prosument bestimmt, wie sein Produkt am Ende aussieht, welche Einzelteile und Zutaten es enthält und wie es den Weg zu ihm findet. Das beginnt mit Online Preisvergleichen, nimmt seinen Weg über individualisierte Produkte wie Schokolade oder Mode und wird mit dem 3-D Drucker möglicherweise einen Höhepunkt erreichen.

Das bedeutet: Massenware bestellen wir natürlich im Netz, das ist billig und bequem. Wenn ich in Läden Angebote erhalte, die ich so nirgendwoanders wahrnehmen kann, dann bewege ich mich gerne in die Stadt. Druckereien arbeiten dann an alten Maschinen, Buchstaben werden gesetzt und beim Bedrucken des Papiers kann ich zuschauen – eine interessante Alternative zu „Flyeralarm“ und „Print24“, wenn ich zum Beispiel dreißig Weihnachtskarten brauche. Oder der Feinkostladen, in dem ich mir die Zutaten für meine Schokolade aussuche, sie selbst mische und dreißig Minuten später ein Geschenk habe, das es nur einmal auf der Welt gibt.

Endgültig vorbei sind die Zeiten in denen Einzelhändler als letztes Glied einer Massenwaren-Wertschöpfungskette noch ordentlich Geld verdienten – an dieser Position steht heute der unterbezahlte DHL Bote. Playmobil, Barbiepuppen und Kaffeemaschinen gibt’s jetzt online – ob uns das gefällt oder nicht. Der Begriff „Einkaufserlebnis“ klang einmal verheißungsvoll – das war nach dem letzten Weltkrieg, als sich Warenhäuser plötzlich wieder füllten und allein das Vorhandensein des großen Angebotes schon beeindruckte. Kann Einkauf heute noch Erlebnis sein? Wir müssen – nein, wir DÜRFEN, wir haben die CHANCE, vieles zu überdenken und neu zu definieren.

Und damit sind wir beim zweiten Zauberwort, dem emotionalen Erlebnisraum. Der ist nämlich online nicht verfügbar. Weihnachtsmärkte haben zweistellige Zuwachsraten, immer mehr Menschen wollen die vorweihnachtliche Zeit nicht unter das Motto „Shop until you drop“ stellen, wir wollen fühlen. Und das geht, mit der Familie oder mit Freunden, gar nicht mal so schlecht auf unzähligen, teils wunderschönen Weihnachtsmärkten.

Liebe IHK Heilbronn, liebe Einzelhändler, natürlich kann nicht jeder Laden eine Manufaktur zur Zusammenarbeit mit dem Kunden aufbauen. Aber ohne Offenheit für neue Modelle gemeinsamer Verabredungen wird es nicht gehen. Der Markt ist gerade dabei, die Rollen von Produzent, Konsument und Verkäufer neu zu definieren. Und das bedeutet vor allem eines: die Chance mitzureden und mitzugestalten.

Zur Analyse der IHK Heilbronn