Effectuation

Effectuation ist eine neue Perspektive auf das Thema Management und wurde maßgeblich von der US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlerin Professor Saras Sarasvathy (University of Virginia) entwickelt. Effectuation wird in diesem Blog immer wieder eine Rolle spielen, hier ein Einstieg ins Thema:

Fester Bestandteil des klassischen Managementprozesses, also der Führung von Projekten, Unternehmen und anderen Organisationen, sind Ziele und Strategien. Sie sind nicht wegzudenken und funktionieren – sofern die Umgebung vorhersagbar ist. Ziele beruhen auf Prognosen des Möglichen.

Wenn ich etwas Besonderes kochen möchte (Ziel), suche ich mir ein Rezept (Strategie) im Internet. Jetzt fahre ich rasch einkaufen um zu besorgen, was ich für, sagen wir Hirschragout an Rotkohl, benötige. Zu Hause angekommen, lege ich los und wenn ich mich nicht ganz ungeschickt anstelle, habe ich am Ende ein gutes Essen für vier Personen auf dem Tisch (das letzte Urteil sprich natürlich die Familie). Das funktioniert hervorragend, weil eine Veränderung der Umgebungen „Supermarkt“ und „Küche“ während der drei Stunden meines Schaffens nicht zu erwarten ist.

Unternehmensführung und vor allem Unternehmensgründung in unsicheren Umgebungen funktioniert anders. Gehe ich auf einen Markt, der schwer oder gar nicht vorhersagbar ist, werden die Fixpunkte „Ziele“ und „Strategie“ durch „vorhandene Ressourcen“ und „vorhandene Partner“ ersetzt oder mindestens ergänzt. Die erste Frage lautet dann: „Was ist im Kühlschrank?“. Die nächste: „Wer hilft mir?“– und hat entweder selbst Zutaten einzubringen (neue Ressourcen) oder möchte beim Rezept mitreden (neue Ziele).

Ein Beispiel: Ein gerade gegründetes Unternehmen möchte etwas völlig Neues auf den Markt bringen, sagen wir eine App, die Familien darin unterstütz, ihre Lebens-, Arbeits- und Urlaubsplanung auf Aspekte der Nachhaltigkeit zu durchleuchten und zu beeinflussen. Jetzt sind die Rahmenbedingungen unsicher, denn niemand kann vorhersagen, ob lediglich wenige Familien das neue Angebot nutzen werden, oder hunderte.

Die Idee einfach ad acta legen? Natürlich nicht. An die Stelle der Zielbeschreibung, also der Frage, welchen Gewinn (finanziell, gesellschaftlich etc.) ich in welchem Zeitraum erwarte, tritt die Frage des leistbaren Verlustes, also die Frage „wie viel kann ich einsetzen, ohne meinen Kopf zu riskieren?“ Das junge Unternehmen würde zunächst einen Partner suchen, der Interesse an einer Kooperation hat, also z.B. einen Verband für Familien. Jetzt würde gemeinsam ausgerechnet, was es kostet, einen einmonatigen Probelauf durchzuführen und mit Infobroschüren, Gesprächen etc. zu begleiten. Am Ende dieses Tests sind alle schlauer und können die nächste Phase planen.

Was sich vielleicht anhört wie ausprobieren oder nach trial and error, beruht auf systematischen Methoden der Entrepreneurship-Forschung.

Ein Vortag zum Thema effectuation:

Effectuation. Elemente der unternehmerischen Methode: Michael Faschingbauer at TEDxSalzburg