Archiv der Kategorie: [:neu machen..]

Probieren geht über studieren. Sagt man so, stimmt nicht immer, gilt aber für diese Kategorie unseres Blogs [:machen..]. Hier wird geschaut, wie es auch gehen kann, wie es nicht gehen sollte, oder wie es geht, obwohl es eigentlich gar nicht gehen kann – na ja, [:neu machen..] eben.

Sozialarbeit

Die im Hinterhof Gras fressen

Thomas Mampel, Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. trägt Verantwortung für rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Verein betreibt Kitas, Schulhorte, Jugendprojekte und macht generationsübergreifende Angebote. Einnahmen aus sicheren Geschäftsfeldern fließen gezielt in Projekte, die finanziell anders keine Chance hätten: ein Beispiel von vielen ist das Kinderrestaurant Lichterfelde, in dem eine volle Mahlzeit schon für 1,- Euro zu haben ist, Kochkurs inklusive.

Die aktuelle Stellenanzeige für eine dringend gesuchte Kitaleitung klang überraschend selbstbewusst. Tenor: Achtung, lieber nicht bewerben – es sei denn, Sie zählen zu den Besten, denn nur die wollen wir. Im folgenden wurde die Haltung ausführlich erläutert mit der besonderen Verantwortung, die ein Träger von Kinder- und Jugendangeboten für seine Kunden trägt.

Darf der das? Das fragten sich offenbar nicht wenige Leserinnen und Leser, und beantworteten diese Frage gleich selbst und heftig. Thomas Mampel berichtet in seinem Blog von Beurteilung „nicht menschenfreundlich“, „unsympathisch“ und „neoliberal“. Mampel schreibt weiter: „…einer ( der sich selbst zu den “allerbesten” seines Berufsstandes zählt) würde sogar lieber “im Hinterhof Gras fressen, als für mich zu arbeiten – die Schimpfwörter lasse ich hier lieber weg”. Guten Appetit.

Ich bin nicht Bruegel, möchte an dieser Stelle aber zwei Bilder nebeneinander entwerfen: der Geschäftsführer eines wirtschaftlich stabilen mittelständischen Betriebes der Kettensägenbranche fährt Audi A8, veröffentlicht stolz seine Quartalsbilanzen (und die seiner Mitarbeiter) mit stetig steigenden Umsätzen und Renditen und sagt: „Bei uns arbeiten nur die Besten“. Völlig normal.

Entnehmen wir diesem Gemälde die industrielle Ausrichtung und ersetzen sie durch etwas, was ungleich wichtiger ist als Kettensägen, nämlich Lebensvorbereitung, Stabilisierung von Persönlichkeiten, Bildung und Sozialarbeit – dann wirkt die Orientierung am Erfolg plötzlich unanständig. Nicht nur den scharfen Kritikern wird es so gehen, ganz ehrlich, die meisten von uns werden spontan die Begriffe „Erfolgsorientierung“, „Elite“ (genau das sind „Die Besten“) einerseits, und „Inklusion“ und „Sozialarbeit“ andererseits nicht unter einen Hut bekommen. Auch mir geht es so.
Das sind dann allerdings genau die, die doof aus der Wäsche gucken, wenn die Kitaleitung eines Tages mit jemandem besetzt wird der, zum Beispiel, körperlich stark beeinträchtigt ist. Ein Rollstuhlfahrer gar? Eine Blinde oder Hörgeschädigte? Aber es war doch von „den Besten“ die Rede…?!

Wer allzu heftig kritisiert, sagt oft auch viel über sich selbst und seinen Blick in die Welt. Von „Wertschätzung“ ist in der Stellenanzeige die Rede, von „Offenheit“ und von „Vertrauen untereinander“. Was spricht eigentlich dagegen, hier die allerhöchsten Maßstäbe anzusetzen? Es entspricht ziemlich genau dem, was ich erwarte, wenn ich die beste Kita für mein Kind suche.

Noch ein zweiter Aspekt ist mir nicht weniger wichtig: die Ansprüche an Sozialunternehmen sind hoch, und das ist gut so. Allerdings werden sie zur Zerreißprobe, wenn wir unterschiedliche Maßstäbe an klassische Branchen und an Sozialbetriebe anlegen. Organisationen der Sozialarbeit sollen, um Steuergelder zu sparen, profitabel arbeiten – aber auf keinen Fall profitorientiert. Darüber hinaus sollen sie bitte in Bezug auf Immobilien, Firmenfahrzeuge und andere notwendige Ausgaben bescheiden sein – aber bitte ebenso erfolgreich wie Bosch, Siemens oder der Kettensägenexporteur Stihl. Viele Unternehmen der Sozialarbeit – also Anbieter von gesellschaftlich lebenswichtigen Kernleistungen wie Bildung, Betreuung und Begleitung – sind angesichts völlig veränderter Rahmenbedingung verunsichert. Was dürfen wir? Was sollen wir? Was wird von uns erwartet?

Einen Vortrag zum Thema „Social Entrepreneurs“ hatte ich mal unter das Motto gestellt: „Was Siemens von der Kita um die Ecke lernen kann“, nämlich Dialogfähigkeit und eine unvergleichbare und sehr direkte Nähe zum Kunden. Und was kann die Kita von Siemens lernen? Vielleicht allerhöchste Ansprüche an seine Mitarbeiterschaft zu stellen? Eher nicht, ich weiß nämlich zufällig, dass eben dies in den Kitas des Stadtteilzentrum Steglitz sowie in vielen anderen privaten, städtischen und kirchlichen Kitas längst üblich ist. Nur sagen darf man’s offensichtlich nicht.

Stoßseufzer

Die Wiege der Menschheit

Die Wiege der Menschheit liegt bekanntlich in Südafrika. Die Wiege der Elektromobilität liegt am Bahnhof Lichterfelde-Ost, im Berliner Stadtteil Steglitz-Zehlendorf.

Werner von Siemens stellte zunächst 1879 noch in Moabit das erste Schienenfahrzeug der Welt vor, dessen Elektromotor seinen Strom von Außen geliefert bekommt – eigentlich eine abwegige Idee. Bei einer Leistung von 3 PS wurde mit einem 150 Volt Gleichstrommotor eine Geschwindigkeit von 7 km/h erreicht. Prototypen spielen heute mehr denn je in der Entwicklung technischer Lösungen eine zentrale Rolle.

Nach dem Prototyp kam die Testphase, und die spielte sich tatsächlich in Lichterfelde ab. Auf einer stillgelegten Gütertrasse wird eine Versuchsstrecke angelegt, am 16. Mai 1881 nimmt die erste elektrische Straßenbahn der Welt ihren Betrieb auf. Der Triebwagen konnte 20 Personen mit einer zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h transportieren. (Eine Tafel der S-Bahn Berlin und der Stiftung „Werner-von-Siemens-Ring“ am Bahnhof Lichterfelde Ost weist auf die Geschichte hin.)

Auch die Entwicklung elektrischer PKW begann um diese Jahrhundertwende, es entstanden die „Lohner-Porsche“, Fahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb in den Lohner-Werken. Die Fahrzeuge wurden von Ludwig Lohner und Ferdinand Porsche entwickelt und waren mit Otto- und Elektromotor ausgestattet. Der Mixte-Wagen war ein Fahrzeug mit Hybridantrieb und wurde 1899 zum ersten Mal gebaut.

Heute ist im Land der Elektromobilität nicht allzu viel los, jedenfalls nicht auf den Straßen. Wer im E Mobil von Hamburg nach München fährt, dem stehen zwar Informationen über Ladesäulen zur Verfügung, nicht aber darüber, ob diese gerade frei sind (ein Ladevorgang kann mehrere Stunden dauern). Die deutsche Industrie mauert bei der Einführung einheitlicher Stecker-Standards (mein VW Golf muss doch auch keine VW-Tankstelle finden!) und es hapert bei der flächendeckenden Einführung eines Zapfsäulensystems. Absurd, denn Strom ist, im Gegensatz zu Benzin, bereits da vorhanden, wo Straßen, Laternen und Menschen sind – also praktisch überall. Das Unternehmen Ubitricity muss aber sehr kämpfen, um ihre einfachen und kostengünstigen Lade- und Bezahlsysteme an Laternen installieren zu dürfen.

Ich hoffe inständig, dass wir diese Chance als gemeinsame Möglichkeit begreifen. Ich appelliere an die Bundesregierung und ihre untergeordneten Verwaltungseinheiten, an die Anbieter von Fahrzeugen und Infrastruktur, an Konsumenten und andere Parteien: Die USA überholen uns auf der einen Seite, China auf der anderen, Norwegen wartet schon im Zielbereich (zum Thema Oslo und E Mobilität mehr in diesem Blog). Es kann doch nicht so schwer sein!

Briefe zur Nachhaltigkeit, 7: Good Practice im Stadtteilzentrum Steglitz

Die „Briefe zur Nachhaltigkeit“ haben den Weg von der historischen Betrachtung über die Idee nachhaltigen Wirtschaftens bis zur konkreten Einbindung von Nachhaltigkeit in Geschäftsmodelle beschrieben. Abrunden möchte ich die Briefe mit einem Good Practice Beispiel: dem Stadtteilzentrum Steglitz.

Good- und Best Practice

Im Managementmodell HOME Office, beschrieben in den Briefen an Management, gibt es „Best Practice“ nur in optimierten Situationen, also in exakt dokumentierten und zur Wiederholung empfohlenen Prozessen. Hier kann „Best Practice“ eins zu eins übernommen werden. Ein Beispiel:

Lehrgangskoordinator: „Chef, den letzten Lehrgang haben wir mit einer Wurststulle und einem Kaffee pro Teilnehmer eröffnet. Das kam gut an“.

Chef: „Klasse, das machen wir jetzt immer so“.

Best Practice. In komplizierteren Situationen kann es nur „Good Practice“ geben, weil Problemstellungen sich nicht in Routinen wiederholen. Bewährte Praxis bietet sich zwar an, aber nicht zur exakten Nachahmung sondern zum Erfahrungstransfer, an dessen Ende eigene, der Situation angemessene Lösungen stehen.

 

Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ist ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe im Berliner Bezirk Steglitz‐Zehlendorf. Zum Angebot von Stadtteilzentrum Steglitz e.V. gehören Kindertagesstätten (Kitas), Einrichtungen der ergänzenden Förderung und Betreuung (Schulhorte), Projekte der Nachbarschafts‐ und generationsübergreifenden Arbeit sowie Kinder und Jugendeinrichtungen wie das KiJuNa und die Imme. Darüber hinaus macht Stadtteilzentrum Steglitz e.V. weitere Angebote: Schülerclubs, eine Internetwerkstatt, ein Kinderrestaurant, ein Seniorenzentrum u. a..

Das Stadtteilzentrum entschloss sich im Juni 2013 zum Nachhaltigkeits-Check, einem Prozess aus Workshops, Audits, Vor-Ort-Visitationen und Online-Dokumentation mit dem Ziel, Handlungsempfehlungen zur nachhaltigen Entwicklung zu geben. Dieser Check wurde im Oktober 2014 mit der Übergabe der Urkunde und des Berichtes an die Geschäftsführung des Stadtteilzentrum Steglitz, die AG Nachhaltigkeit sowie an die Stadträtin Christa Markl-Vieto abgeschlossen. Im Ergebnis lenkt die AG Nachhaltigkeit des Stadtteilzentrums jetzt den Umgang vor allem mit ökologischen Fragen, initiiert Aktionen und trägt das Thema in die Belegschaft, immerhin rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn Aspekte der Nachhaltigkeit von hier aus auch an Kunden – also Kinder, Jugendliche, Senioren und Familien – herangetragen wird, ist die Reichweite erheblich.

Im dritten Brief zur Nachhaltigkeit stehen einige Handlungsfelder nachhaltigen Wirtschaftens als Vorschläge. Unter anderem:

Unternehmensphilosophie, Unternehmenskultur, Organisation und Kommunikation:
In der Philosophie (Theorie) und der Unternehmenskultur (Praxis) des Stadtteilzentrums Steglitz spielen Dialog und Transparenz eine große Rolle, dies gilt für das Miteinander in der Belegschaft ebenso wie für den Umgang mit Kunden. Im Bereich Kommunikation und Dialog punkten Sozialunternehmen häufig, klassische Firmen könnten hier ins Praktikum gehen. Im Verein Stadtteilzentrum Steglitz e.V. gibt es „Teamsprecher“, die die direkte
Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Mitarbeiterschaft gewährleisten. Dies wird ausdrücklich als sehr hilfreich, konstruktiv und einzigartig wahrgenommen (Zitat aus einem Teamsprecher‐Workshop im Rahmen des Nachhaltigkeits-Checks). Mitarbeiterschaft und Management von Stadtteilzentrum Steglitz e.V. folgen einem gemeinsamen Leitbild, das mit hohem Aufwand und unter Einbindung aller Mitarbeiter entwickelt wurde.

Wirtschaftliche Stabilität, strategische Ausrichtung und Investition in Zukunftsprojekte:
Alle Organisationsebenen arbeiten kontinuierlich an wesentlichen Zukunftsfragen: „Welche Angebote, die zurzeit in Steglitz‐Zehlendorf bestehen, könnten wir ergänzen oder sogar besser umsetzen?“ „Wo wird in Zukunft ein gesellschaftlicher Mangel bestehen, wie können wir den beheben?“ „Welche Voraussetzungen müssen wir in Zukunft erfüllen, welchen Anforderungen genügen, um als Anbieter sozialer Leistungen zu bestehen?“
Das Unternehmen beteiligt sich an der stadtweiten und überregionalen Entwicklung von Modellprojekten und der Vernetzung unterschiedlicher Träger.

Der vierte Brief zur Nachhaltigkeit legte großen Wert darauf, dass der individuelle unternehmerische Blick auf Nachhaltigkeit für Kunden und andere Interessierte nachvollziehbar beschrieben wird. Denn Nachhaltigkeit kann, nein muss in jeder Organisation anders ausgestaltet sein. im Stadtteilzentrum Steglitz bedeutet dies:

  • auf die besonderen soziale Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen, Senioren und Familien in Steglitz‐Zehlendorf aktiv Einfluss zu nehmen und dabei die Arbeits‐ und Lebensumstände der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diesen Anspruch täglich umsetzen, besonders zu berücksichtigen.
  • mit zeitgemäßen Angeboten daran teilzuhaben, die soziale Zukunft des Bezirks zu sichern. Dazu gehört die aktive Teilnahme an Modellprojekten ebenso wie die Entwicklung eigener Angebote und Strategien.
  • im Rahmen der Möglichkeiten die ökologischen Auswirkung des eigenen Handelns zu verstehen, zu beeinflussen und stetig positiv zu entwickeln.

Und konkret? Um sich dem Thema Ressourcensparen gemeinsam mit allen Mitarbeitern, Kunden und „interessierten Mitmachern“ zu nähern, wurden in Schulhorten, Kitas und Jugendzentren Papierpaten gesucht und gefunden. Die bestimmen jetzt jeweils für ihr Haus die Agenda: welche Projekte zum Thema sind geeignet und lassen sich mit Spaß umsetzen? Wie können wir Papier sparsamer nutzen als bisher? Und lassen sich unsere Erfahrungen auf andere Einrichtungen übertragen?

Die Papierpaten haben sich bei der Werkstatt N als ausgezeichnete Nachhaltigkeitsinitiative beworben – zu Recht. Sie haben das Zeug, über die Grenzen von Steglitz und Berlin hinaus wahrgenommen und nachgeahmt zu werden. Good Practice.

 

In den Briefen zur Nachhaltigkeit geht es um…
  1. …die Frage „Was ist Nachhaltigkeit?“
  2. …die Frage „Wo anfangen?“
  3. …Handlungsfelder der Nachhaltigkeit
  4. …gutes Management und pointierte Nachhaltigkeitsberichterstattung
  5. …die zehn Gebote der Nachhaltigkeit
  6. …den Nutzen nachhaltiger Entwicklung für Unternehmen, Kunden und Investoren
  7. …ein Beispiel aus der Praxis

Briefe ans Management, Einführung

In eigener Sache

Liebe Leserin, lieber Leser,

ab heute mach‘ ich HOME Office.

Die letzte Veröffentlichung dieses Blogs liegt rund ein halbes Jahr zurück. Ich habe in dieser Zeit Inspiration gesammelt, Unternehmen, Startups und – vor allem – interessante Menschen kennen gelernt sowie – nicht zuletzt – ein Buch zu schreiben begonnen. Es heißt im Arbeitstitel „Liebes Management…“ und wendet sich an etablierte Unternehmen ebenso wie an Gründerinnen und Gründer, an kometenhafte Startups wie an langsam wachsende Growups, an Interessierte und Visionäre, an Manager, Mitarbeiter und Funktionäre – eben an alle, die von der Frage beseelt sind: Wohin geht die Reise?

Die Welt ist dabei, sich im Zuge der Digitalisierung neu zu erfinden. Die grundlegenden Umwälzungen liegen indes noch vor uns: jeder Lebensbereich wird in den nächsten zehn Jahren von neuen Arbeits- und Geschäftsmodellen beeinflusst. Als Konsumenten, Arbeitnehmer und Unternehmensverantwortliche sind wir bereits jetzt Teil dieser Prozesse – passiv oder aktiv.

Deutschland und Europa brauchen jetzt eine Managementwende, um den Anschluss an Unternehmen wie Apple, Google und Facebook nicht zu verlieren und um die Welt in Zukunft ebenso sehr wie in den vergangenen 50 Jahren mit gestalten zu können.

Aus Deutschland kommen zurzeit noch die meisten Autos und die besten Bohrmaschinen. Amerikanische und asiatische Firmen aber bieten ihren Kunden im Tausch gegen Geld und Daten immer neue, komplette Lösungspakete und Erlebniswelten in allen Lebensbereichen: Mobilität, Wohnen, Kommunikation – nichts bleibt unberührt. Die entscheidende Frage also ist: wie schaffen wir (als Weltmeister der Prozessoptimierung) die Wende zu mehr Eleganz und Entwicklungsgeschwindigkeit im Management? Was in Deutschland unter Management verstanden und praktiziert wird, lässt weder Entwicklungsgeschwindigkeit zu, noch bietet es die Strahlkraft, die Energie und die Eleganz, die ein Unternehmen braucht, damit seine Produkte weltweit auf dynamischen Märkten auch in Zukunft als unentbehrlich wahrgenommen zu werden.

In der neuen Blog Kategorie „Briefe ans Management“ werden die beschriebenen Fragen besprochen beziehungsweise beschrieben. Und immer wieder wird hierbei eine neue Managementperspektive eingenommen, die geeignet ist, unseren Blick nicht nur auf die wesentlichen Fragen zu lenken, sondern auch Antworten zu geben. „HOME Office“ heißt das neue Managementmodell, das im Zentrum des Buches steht und an dieser Stelle in den Briefen ans Management nach und nach beschrieben wird.

Bitte bleiben Sie dem Blog treu und tragen Sie sich als Abonnent ein, um zukünftig über neue Artikel auf dem Laufenden zu bleiben.

Vielen Dank und alles Gute für Sie und Ihre Projekte!

 

Herzlichst – Ihr Oliver Schmidt

 

In den Briefen ans Management geht es um…
  1. …eine Wende im Management
  2. …aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und unsere Rolle darin
  3. …Situationen, ihre Komplexität und die daraus resultierende vorhersagbarkeit von Zukunft
  4. …eine neue Sicht auf Personal und Persönlichkeit
  5. …die Implementierung von Nachhaltigkeit in Unternehmen

Korrekturen

Der erste Teil einer neuen Spiegelserie „Unsere digitale Zukunft“ ist lesenswert (Spiegel Nr. 15 vom 7. April 2014). Die Quintessenz: wachsende Serverkapazitäten, die wirklich alle Daten erfassen können, sowie die Mobilisierung unserer Endgeräte (aktuell das Smartphone, bald Brille oder Armbanduhr) verändern jeden privaten, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Aspekts unseres Lebens. Es ist möglicherweise mehr als der übliche Strukturwandel, der alle 10 bis 15 Jahre mal diese, mal jene Branche erfasst. Es ist eine Umwälzung wie die Zeit der europäischen Völkerwanderung, an deren Ende nichts so blieb, wie es vorher war. Allerdings in der Geschwindigkeit eines Tsunamis.

Unter dem Stichwort „Schöpferische Zerstörung“ etwa lesen wir, dass nach Dienstleistung und Handel bald auch Banken und Versicherungen ihr Gesicht, nein: ihr Wesen vollkommen verändern werden. Kam mir bekannt vor – und richtig: die Leser dieses Blogs wissen das spätestens seit den Beiträgen „Das nächste Große Ding“ vom 30. März oder „Kreative Zerstörung“ vom 26. Februar 2014.

Einen Blick in die Zukunft wirft der Spiegel auch, und schaut dafür von Silicon Valley aus, wo die großen der Kommunikationsbranche wie Facebook und Google ihre Hauptquartiere haben, in die Welt. Der Spiegel zitiert den ehemaligen McKinsey-Deutschaland Chef Henzler, der sagt, „…dass sich viele künftige Entwicklungen dort heute schon abzeichnen.“ Meint Heribert Henzer etwa die Avantgarde Märkte, also Märkte, die in ihrer Entwicklung voraus sind und in denen wir die Zukunft lesen können wie in einer Kristallkugel? Diese Märkte beschrieb dieses Blog als Ergänzungsvorschlag für die klassische Branchenstrukturanalyse in „Frischzellen für Porter“.

Und noch ein Wirtschaftspromi kommt zu Wort, Susanne Klatten, Gesellschafterin bei BMW. Die Autos von morgen nennt sie „Datenträger auf vier Rädern“. Erstens sind sie das längst, außerdem ist diese etwas müde Prophezeiung wohl vor allem geprägt von der Hoffnung nach Bestand. Dass Mobilität sich viel komplexer und vor allem in ganz unterschiedliche Richtungen entwickeln wird, steht im Blogbeitrag „Das unentdeckte Land – die Zukunft“. Mobilität wird eine Mischung aus Verzicht und gelenkter Zuteilung sein, aus öffentlichem Personenverkehr und unterschiedlichsten Sharing Systemen, aus Elektroverkehr, vor allem aber aus individuellen Kombinationen all dieser Komponenten.

An einer Stelle irrt der Spiegel höchstselbst, nämlich wenn er die Stärke von Facebook mit dessen Reichweite begründet. Sicher, eine Milliarde Nutzer hat kein anderes Produkt, mit dem Kauf von Whatsapp ist noch einmal die Hälfte hinzugekommen. Aber die eigentliche Stärke liegt in der Auflösung der Grenze zwischen Nutzer und Produkt. Das Angebot richtet sich hier nicht nach der Nachfrage, beide werden eins.

Ein Satz ist so schön, und so wahr, den muss ich unterstreichen, es ist der Schlusssatz: „Im Kern ist die neue Wirtschaft wie die alte. Nur schneller“

+++ Breaking News +++

Es gibt eine neue Kategorie im Blog: Aktuelles. Zu gerne schreibe ich über Dinge, die gerade anliegen, aber nicht die notwendige Aufmerksamkeit erfahren. Oder alle reden drüber, aber eine wichtige Perspektive fehlt: meine.

An dieser Stelle wurde schon einiges geschrieben über das Spannungsfeld aus stationärem Handel vom Tante Emma Laden bis zur Shopping Mall einerseits und dem explodierenden Sektor Online Handel auf der anderen Seite. Überlebenskampf hier, Wachstum dort.

Gestern eröffnete das „Bikini Berlin“, und dieses Projekt ist erstaunlich in mancher Beziehung. Vor allem sinnbildlich, war es doch bis vor kurzem noch eine heruntergekommene Ruine aus den 50er Jahren, völlig aus der Zeit gefallen, ein Echo des wirtschaftwunderlichen Konsumversprechens. Ein passendes Bild für den Zustand des Einzelhandels in Deutschland. Und eben jenes Haus wurde jetzt renoviert, wie man hört ordentlich aufgemotzt mit guten Ideen. Dachterrasse mit Blick in den Zoo, „Bikini Boxen“ geben temporären Minihändlern ein zu Hause, die angekündigte Eventkultur im Haus verdient möglicherweise sogar ihren Namen. Es geht eben nicht nur um „Shop until you drop“, sondern um Erlebnisse. Vielleicht sogar um mich? Das wäre das Optimum. Ich wünsche dem Bikini alles Gute und werde es mir demnächst mal live anschauen.

Dies ist ein Trend: was früher normal war ist heute gesucht. Der Bauer, der vor einem Jahrhundert seinen Mist aufs Feld fuhr um es zu düngen ist heute die Ausnahme, der „Bio-Bauer“, seine Produkte sind gefragt und sein Segment verzeichnet hohe Wachstumsraten. Verbraucher und Einzelhändler lernen gerade, welchen Luxus es darstellt, dass Tante Emma hintern Tresen steht und uns nicht nur Kartoffeln verkauft, sondern noch einen Rezeptvorschlag alter Schule mit auf den Weg gibt. Das Rezept könnte ich googeln, ihre Zuwendung nicht.

Der nächste spannende Termin ist heute: BMW Spandau war (und bleibt) zuständig für die Produktion schwerer Motorräder für alte Männer. Als heute früh aber die Bänder anrollten, startete zusätzlich die Produktion eines E-Rollers. Noch zaghaft: Zehn Mitarbeiter montieren zehn Roller am Tag. Nicht viel für ein Werk, dessen Tageskapazität bei 600 Motorrädern liegt, doch die Produktion kann jederzeit hochgefahren werden. Für 15.000 Euro gibt’s dann Fahrspaß mit gutem Gewissen, so zumindest lautet das Versprechen von BMW.

Die Entwicklung der Elektromobilität kommt in Deutschland nur zögerlich voran, mal abgesehen von der Straßenbahn – 1881 fuhr in Groß-Lichterfelde die erste „Elektrische“ der Welt. Mobilität in der Stadt wird bald eine Mischung aus öffentlichem Nahverkehr und E Mobilität sein. Ein spannender Prozess, an dem wir in Berlin hoffentlich weiter aktiv mitwirken.

Ebenfalls gestern: mein Seminar „Nachhaltige Kommunikation für Gründerinnen und Gründer“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Langer Atem im Aufbau von Kundenbeziehungen, Dialog und Zusammenarbeit statt Werbemonolog und in all dem auf Transparenz und Relevanz achten – das ist die Quintessenz eines spannenden Tages. Immer wieder besonders, Eberswalde.

Hochschule für nachhaltige Eberswalde
Der Dozent ’n Viertelstündchen früher, die Studenten ’n Viertelstündchen später – und dann passt’s

Zum Artikel „Hochschule mit Hirschgeweih“ über die HNE Eberswalde

„Herzlich willkommen Frau Präsidentin Park Geun-hye“

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye wird heute zu einem Staatsbesuch in Berlin erwartet, sie trifft sich mit Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck. Ich heiße sie herzlich willkommen.

Was ich nicht willkommen heiße ist die befremdliche Kampagne, mit der Samsung – offenbar so etwas wie der südkoreanische Hoflieferant – den Besuch seit Tagen vorbereitet: Banner an Hausfassaden, Leuchtreklame und heute ganzseitige Anzeigen in Tageszeitungen. Bin ich der einzige, der sich an die DDR Politkultur erinnert fühlt? Fehlt nur noch die Beflaggung entlang der Route vom Flughafen.

Unternehmenskommunikation
Unternehmenskommunikation – dokumentiert mit meinem SAMSUNG

„Herzlich willkommen Frau Präsidentin Park Geun-hye

Über 130 Jahre Freundschaft und tiefes Vertrauen zwischen beiden Nationen sind die Basis für die zukünftige Zusammenarbeit und den wachsenden Wohlstand der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland.“

Klar. Und die Deutsch-Sowjetische Freundschaft ist die Basis für den wachsenden Wohlstand der Werktätigen in der DDR – äh – BRD.

Als Besitzer eines Samsung Smartphones denke ich beim Anblick des dekorierten Baugerüstes: da hängt mein Geld. Mein Geld, von dem ich bislang dachte, es werde in neue Produkte und innovative Ideen gesteckt, gerne auch in Unternehmensstrategien. Aber bitte nicht in liebdienerische Huldigungen an Staatsoberhäupter.

Wenn Merkel und Gauck demnächst von einer Auslandsreise zurückkehren erwarte ich, dass Volkswagen, Siemens und die BSR Plakate kleben mit „Herzlich Willkommen zurück, Frau Dr. Merkel. Guten Flug gehabt?“ Oder „Herzlich Willkommen, Bundespräsident Gauck, großer Führer, Garant für Demokratie, Freiheit und Wohlstand.“

Unter der Textzeile aber kommt’s noch schlimmer, nur leider hat man sich an diesen Anblick schon gewöhnt: zwei Mädchen, ungefähr fünf Jahre alt, halten je ein südkoreanisches und ein deutsches Winkelement in die Kamera. Auch dazu kann man Kinder missbrauchen. Ich stelle ein Fotoshooting und die Verbreitung des entstandenen Produktes nicht auf eine Stufe mit sexuellem Missbrauch, frage aber: müssen Kinder für Smartphones und internationale Wirtschaftspolitik werben? Für Kinderkleidung, Roller oder Ernähungskampagnen – warum nicht? Aber wozu müssen Kinder, die die Folgen und die Umstände ihrer Handlungen nicht annähernd einschätzen können, ihre Gesichter für – entschuldigung – so einen Scheiß herhalten? Ich möchte mich nicht daran gewöhnen.

Larissa

Dschungelcamp“, „Ich bin ein Star holt mich hier raus!“, „#IBES“ – wer geliebt wird hat viele Namen, und bei der RTL-Sendung mit Rekordquoten scheint das so zu sein. Für die meisten Zuschauer hieß diese Staffel irgendwann einfach: Larissa.

Neben ganz viel Leere, zumindest in der zweiten Woche, gab es aber auch einiges zu lernen in Sachen Marketing, Kommunikation und Strategie:

 

Lehre 1 – Wie man’s macht (Branding at its best)

Nicht nur Larissa hat den Interessierten unter uns gezeigt, wie Markenentwicklung und Storytelling funktionieren – Einzug als Prinzessin auf der Erbse, nach einer Woche Führungsfigur, dann bodenständige  Sympathiepuktesammlerin. Auch die Sendung selbst hat im Laufe der Jahre eine erstaunliche Transformation erfahren, ohne die Regeln oder den Ablauf auch nur ein einziges Mal selbst ändern zu müssen.

Waren die Teilnehmer anfangs noch tragische, häufig ökonomisch und privat ruinierte Persönlichkeiten, tritt die Next Generation selbstbewusst auf. Kein Wunder: die Regeln sind bekannt, selbst Ekelprüfungen können weder die Teilnehmer selbst noch den Zuschauer schocken. Alle versichern das Camp als „tolle Herausforderung“ und „Spaß“ mitzunehmen – häufig sogar glaubhaft.

Wir beobachten perfekte Markenpolitik: Wiederholung des immer Gleichen bei gleichzeitiger Abwechslung, und – gemeinsam mit dem Kunden – die Transformation zu etwas neuem.

 

Lehre 2 – Wie man’s besser nicht macht

Das Camp hat ein Riesenecho, berichtet wird auf Papier, im Blog, auf TWITTER und in der Kantine. Die Printpublikationen, die uns seit Jahrzehnten nicht nur mit Informationen, sondern vor allem mit Gewohnheiten versorgen (Frühstückszeitung, Lesen in der U-Bahn, SPIEGEL in der Badewanne) haben seit ein paar Jahren ein Rechtfertigungsproblem – und ausgerechnet da zeigt uns die BERLINER ZEITUNG, wie man es nicht machen sollte.

Im Feuilleton berichtet sie ausführlich über alles, was im Dschungel stattgefunden hat. Aber, da IBES nach Redaktionsschluss läuft, erfährt der Leser nichts von gestern, sondern von vorgestern! Überraschendes Konzept, das sich dem Leser kaum erschließt, haben wir doch die Nachrichten bis dahin nicht nur aus unterschiedlichen Quellen längst erhalten, sondern auch schon sozial verarbeitet.

 

Lehre 3 – Die Prophezeiung

Die Einschaltquoten des Dschungelcamps sind am Höhepunkt angelangt, damit wird die Sendung vom „Star“ zur „Cash-Cow“ – eine deutlich schwierigere Position (Produktportfolio nach BCG). In der kommenden Staffel wird folgendes geschehen: durch Regeländerungen wird RTL versuchen, dem Ganzen neuen Schwung zu verpassen und den Lebenszyklus ihres Produktes zu verlängern. Wir dürfen gespannt sein.

Kommunikation Ehrensache

Die IHK Berlin meldet sich ja immer wieder zu aktuellen Themen: sie ist „besorgt“, wenn die Flughafeneröffnung wieder um ein paar Zeiteinheiten verschoben wird (im Ernst: schreibe ich „Monate“ oder „Jahre“, um nicht ironisch zu klingen?). Und sie ist „zuversichtlich“, wenn irgendwelche Konjunkturdaten Positives verheißen.

Das weiß ich aus der Zeitung, und seit Neuestem auch aus einem Brief, der an mich gerichtet war. Dem Schreiben beigelegt war eine Anstecknadel mit dem Schriftzug „Engagiert für Berlin“, der Brief enthielt viel Lob für mein Engagement. Wofür ich diese Ehrenauszeichnung genau bekomme, weiß ich nicht, das gab der Serienbrief nicht her. Neben dem Standardtext ist ein Foto von Dr. Eric Schweitzer, dem ehrenamtlichen Präsidenten der IHK Berlin, aber das hat nichts zu sagen, das sehen wir in jeder IHK Publikation zum Thema CSR.

Auf der Suche nach Antworten nennt mir die IHK Homepage so viele Ansprechpartner, dass ich kapituliere.

 

Lieber Herr Dr. Schweitzer,

Henry Ford hat der Welt zwar das Fliessband geschenkt, aber für die Produktion von Autos, nicht für Briefe mit Ehrennadeln. Die nächste Auszeichnung an mich doch bitte persönlich, ich könnte mir zum Beispiel vorstellen bei einer Tasse Fair Trade Kaffee in Ihrem Büro.

Oder wenigstens eine handschriftliche Zeile unter dem Serientext? Oder ein Smiley? Ich würde mich freuen.

Der Artikel zu diesem Artikel steht jetzt auf ebay.

Der Erlös dient einem guten Zweck: ich werde den Betrag aus privaten Mitteln aufstocken und ein Eis essen gehen.

 

P.S.: Ist es mein ehrenamtlicher Einsatz als Prüfer, der mich qualifiziert hat? Das mache ich gerne, auch in Zukunft – ist doch Ehrensache!

😉

Mit besten Grüßen – Oliver Schmidt

 

Weitere Links zum Thema

All inclusive

Der Verein Gleich X Anders e.V. (sprich: gleich mal anders) zur Inklusion geistig behinderter Menschen hat sich ein Projekt vorgenommen, das einer genaueren Betrachtung lohnt. Um Alternativen zur Behindertenwerkstatt zu schaffen, also zu bestenfalls geschützten, schlimmstenfalls isolierten Arbeitsplätzen, bauen sie ein Hotel in Darmstadt. Neben dem Kernbereich Gastronomie und Hotellerie entstehen so Jobs in der Wäscherei, einer Gärtnerei, der Küche, einer Bäckerei, sowie einem zum Hotel gehörenden Veranstaltungs- und Kulturzentrum.

Eine der Initiatorinnen ist Gudrun Maurer-Wieland, deren 18 jähriger Sohn sich zurzeit in verschiedenen Praktika ausprobiert. Gastronomie und Hotellerie bieten sich an, sagt Maurer-Wieland, weil von sehr einfachen Tätigkeiten bis hin zu komplexen Vorgängen Vieles erledigt werden muss. In einer speziellen zweijährigen berufsvorbereitenden Maßnahme sollen die jungen Menschen die Abläufe und die Aufgaben in einem Hotel kennenlernen und trainieren. Nicht-behinderte Fachkräfte übernehmen die professionelle Führung und die Ausbildung.

Gudrun Maurer-Wieland erzählt: „Wenn mein Sohn mit den Getränken an den Tisch kommt, dann kann schon mal ein Spruch kommen wie `Dann trinkt mal schön´, das sorgt dann meist für Heiterkeit bei allen Beteiligten. Von den Gästen gelobt werden vor allem Atmosphäre, Wärme und Freundlichkeit“.

Zielpublikum sind natürlich Familien oder andere Reisegruppen, an denen Menschen mit Handicap teilnehmen. Aber nicht nur, denn wenn das Hotel in ein paar Jahren eröffnet ist, muss es vor allem eins: laufen, und zwar wirtschaftlich.

Die Idee ist nicht neu, der weltweite Verbund der Embrace-Hotels arbeitet unter dem Motto „Als Gast willkommen, als Mensch erwünscht“. 1993 wurde das Stadthaushotel Hamburg europaweit als erstes integratives Hotel gegründet. Bei der Gründung 2006 ist Embrace mit 11 Hotelbetrieben gestartet, mittlerweile gibt es deutschlandweit 40 Hotels. Insgesamt werden in den Embrace Hotels über 1000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt, die Hälfte von ihnen haben eine Behinderung.

Liebe Gudrun Maurer-Wieland, lieber Verein „Gleich X Anders“, ich wünsche alles Gute für Euer Projekt. Keine kleine Sache, ein Hotel zu bauen, mit öffentlichen Stellen zu verhandeln, Investoren und Projektpartner zu suchen, Befindlichkeiten auszubalancieren – und dabei nie das Ziel aus den Augen zu verlieren. Aber genau das wünsche ich Euch, dass Ihr den Horizont fest im Blick habt. Rüm hart – klåår kiming, sagt der Friese, weites Herz und klare Sicht. Wenn Ihr es schafft, seid Ihr meine Helden des Managements. Und falls nicht, seid Ihr’s trotzdem.

Nur noch schnell die Welt retten…

… oder doch nur das Geschäftsmodell?

Am 9. November 2012 machte die Commerzbank mit einem Spot auf sich aufmerksam, der – im Vergleich zu dem seichten Durchschnitt üblicher Werbefilme – als spektakulär bezeichnet werden darf. Der Streifen „Erster Schritt“ zeigte eine junge Frau beim Joggen und Philosophieren. Sie denkt an Vertrauenskrise und fragt „Braucht Deutschland eine Bank, die einfach so weitermacht?“. Es ging um Spekulationen auf Grundnahrungsmittel und erneuerbare Energien. Die ganz großen Fragen eben. Hoffnung.

 

25. November 2013: Filialdirektorin Lena Kuske scheint zwischenzeitlich nach Hamburg umgezogen zu sein, zur Arbeit geht’s jetzt mit den Öffentlichen. Aber nicht nur das hat sich geändert, merklich rückt jetzt auch ein ganz anderes Vokabular in den Vordergrund: „Girokonto mit Zufriedenheitsgarantie“, „Baufinanzierung mit Marktvergleich“. Deutlich kleinere Brötchen – und irgendwie enttäuschend. Oder ist das einfach schon die neue Bescheidenheit, die in die Unternehmenskultur des Bankhauses Einzug gefunden hat?

 

Liebe Frau Kuske,

liebe Commerzbank,

lieber ernst dreinschauender Herr im klassischen Businessdress, der am Ende des Making of’s zu „Der nächste Schritt“ sagt: „Und somit ist diese Fortsetzung der Kampagne auch das klare Statement dazu, dass wir diesen Weg weiter gehen werden“,

ein Werbespot ist immer auch so etwas wie ein Versprechen – und ganz bestimmt erwartet niemand von Euch, in einem Jahr die Welt oder auch nur Euer Geschäftsmodell umzukrempeln. Aber Lebensmittelspekulationen und Klimawandel (2012) betreffen Milliarden Menschen existenziell. Kundenzufriedenheit, Girokonto und Baufinanzierung betreffen eben doch nur Eure Kunden.

Vielleicht verraten Sie uns schon jetzt und an dieser Stelle, noch bevor wir 2014 den dritten Spot erwarten dürfen, was tatsächlich Ihre Strategie für die Zukunft ist – und wie wir uns den Rückzug vom Visionären, das so kraft- und hoffnungsvoll daher kam, zum enttäuschenden Klein Klein der Produktpräsentation erklären dürfen. Mal ehrlich: Einfach nur für’s Girokonto werben, das kann die gute, alte Sparkasse viel besser.

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

 

Weitere Filme und Infos zum Thema:

Der nächste Schritt, Making of

Die Kampagne im Blog der Commerzbank

Nachhaltigkeit bei der Commerzbank

 

Ruby Cup – soziales Unternehmertum

Drei Gründerinnen aus Dänemark und Deutschland haben die Firma Ruby Cup vor zwei Jahren aus der Uni heraus gegründet, sind nach Kenia gezogen und haben dort das Projekt aufgebaut. Ruby Cup ist eine gesunde und nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Frauenhygieneartikeln. Mit jedem Kauf spendet “Frau” einen Ruby Cup an ein Mädchen in Kenia und ermöglicht ihr den Schulbesuch ohne regelbedingte Fehlzeiten.

Das Problem ist klein, unscheinbar und wird hierzulande eher diskret geregelt: zur monatlichen Menstruation bei Mädchen und Frauen gehört der Tampon und/oder die Binde selbstverständlich dazu.
In ärmeren Ländern wird die Situation häufig anders gelöst, oder schlimmstenfalls gar nicht. Weil viele Frauen sich Hygieneartikel als Wegwerfprodukte nicht leisten können, bleiben sie zu Hause oder behelfen sich mit Stofffetzen. Gesundheitliche Probleme können die Folge sein, Mädchen fehlen in der Schule.

Die Fakten:

  • Millionen Frauen und Mädchen kämpfen jeden Monat damit, sich Binden zu leisten.
  • Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat die Monatshygiene als eines der größten Hindernisse zum Erreichen der Millennium Entwicklungsziele (MDGs) „Bildung für alle“ und „Gleichstellung der Geschlechter“ ernannt.
  • Studien haben gezeigt, dass Mädchen bis zu 20 Prozent ihrer Schulzeit verpassen, weil sie Angst haben während der Regel in der Schule ihre Kleidung zu beflecken und daher Zuhause bleiben.
  • Ohne geeignete Hygieneartikel sind Mädchen und Frauen gezwungen zu Notlösungen zu greifen, die keinen geeigneten Schutz bieten und häufig zu gesundheitlichen Problemen, wie etwa Infektionen oder anderen Krankheiten führen.

(Quelle: ruby cup)

Maxie Mathiessen, Studentin für soziales Unternehmertum in Kopenhagen, stellt dieser Situation einen Businessplan entgegen, der nun sogar von der dänischen Regierung ausgezeichnet wurde. Zentrales Element ihres sozialen Modells ist der Ruby Cup, eine sogenannte Menstruationstasse. Deren wichtigsten Eigenschaften: sie ist wieder verwendbar, also günstig, sprich: sozial. Sie enthält darüber hinaus keine Bleichmittel oder Parfüms, und das bedeutet gesund für die Frau und schonend für die Umwelt.
Die lange Geschichte von Maxies Businessplan in Kürze: nach einer ersten Feldstudie wurde Geld aus Fördertöpfen und privaten Mitteln zusammen gekratzt. In Kenia wurden Genehmigungen eingeholt und NGO-Partner gesucht. Das erste Verkaufmodell funktionierte über Slumbewohnerinnen als Vertriebspartnerinnen, der Preis lag bei drei Dollar pro Stück – und war ein Flop. Die neue Strategie lautete „Buy one, give one“: jeder Kauf eines Produktes in Deutschland bedeutet die Abgabe eines Ruby Cups an eine Frau in Kenia. Dann wurde das Produkt mit Coolnessfaktor positioniert, es sollte von Anfang an keine „Arme Leute Notlösung“ sein – dabei halfen Sängerinnen und Schauspielerinnen.

Wie geht es weiter? Der Verkauf in Deutschland könnte natürlich am besten über Drogeriemärkte funktionieren, hierfür wurden beispielsweise dm und Budnikowsky angefragt. Deren laut Maxie Mathiessen zögerliche Reaktion erklärt sich sicher aus der Angst, statt 2.000 Euro Customer-Lifetime-Value pro Frau nur noch einen Bruchteil zu realisieren. Oder stecken in Ruby Cup noch andere Haken? Immerhin steht bei dm das Thema Nachhaltigkeit recht weit oben auf der Agenda.

Maxie Mathiessen jedenfalls drücken wir die Daumen, ihr Projekt ist scheint doch ganz im Sinne von :machen.. zu sein. Wir wollen es gerne langfristig begleiten.

 

www.ruby-cup.com/de/
Quelle: Ruby Cup

Infos zum Thema Maxie Mathiessen und Ruby Cup:
socialimpactstart.eu
ruby cup

Interview mit Maxie Mathiessen im Inforadio

Nachhaltigkeit bei dm