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quanto costa levitra 10 mg in farmacia Durch die Nacht zur Morgenröte, gemeinsam.

Die große Zahl von Flüchtlingen aus Krisengebieten erfordert zurzeit die Mobilisierung vieler deutscher und europäischer Ressourcen. Steuererhöhungen werden unvermeidlich sein, auf staatliche wie zivile Organisationen werden weitere Belastungen zukommen – und das ist gut so. order cheap online levitra

Irgendwann um das Jahr 1800 herum war die Bevölkerung Europas durch globale Erwärmung (das Ende der sogenannten „Kleinen Eiszeit“) und neue landwirtschaftliche Produktionsprozesse so stark angestiegen, dass es zur Belastung wurde. Alle Mäuler wurden zwar halbwegs gestopft, an Kleidung aber, die damals überwiegend noch aus Leder und Filz hergestellt wurde, mangelte es.

Es war ein neuer Rohstoff, der Schwung in die Sache brachte, oder besser: Aufschwung. Baumwolle aus Übersee lies sich leichter herstellen, transportieren und verarbeiten. Dass viel mehr Menschen als früher nicht nur mit Nahrungsmitteln und Unterkünften versorgt werden mussten, sondern auch mit trockener, wärmender Kleidung, wurde nicht von allen auf Anhieb als Chance betrachtet, es war ja auch eher Belastung. Das Gute an der Situation war, dass erst der Bevölkerungsschub einsetzte und dann, mit einiger Verzögerung, die Bedarfsdeckung. Als später zum innovativen Rohstoff auch noch Webstühle, Dampfmaschinen und moderne Transportlogistik hinzukamen, konnten sich die „Zusätzlichen“ quasi selbst versorgen. Sie arbeiteten nicht mehr nur in der Landwirtschaft, sondern in Manufakturen, Speditionen und Verwaltungen. Aus Mäulern, die nach Brot schreien, wurden Arbeiter, Weber, Fahrer, Tagelöhner und Steuerzahler.

Es ist kein Märchen mit Happy End, eher eine Neverending Story. Alle 50 Jahre bringt ein neuer Rohstoff in Verbindung mit einer innovativen Technologie einen konjunkturellen Aufschwung – und damit eine tiefgreifende Veränderung etablierter gesellschaftlicher Strukturen. Im oben beschriebenen Beispiel war nicht alles gut, im Gegenteil. Sozial blieb kein Stein auf dem anderen, für die meisten Menschen, deren Familien und deren Arbeitsumfeld änderte sich so ziemlich alles: Die Art zu arbeiten, zu wohnen, Interessen durchzusetzen und das bisschen Freizeit miteinander zu organisieren. Es war die Zeit, in der in Deutschland die Vereine und Verbände entstanden. Menschen organisierten sich neu und versuchten dabei aus dem alten Leben zu retten, was zu retten war. Nur kurze Zeit später kam in Europa mit der Dampfmaschine und der Eisenbahn schon die nächste Revolution, die industrielle.

In der jüngeren deutschen Geschichte gibt es ein weiteres Beispiel dafür, dass wir erst gemeinsam durch ein Tal schreiten müssen, um einen Gipfel zu erklimmen. Und wenn wir ihn erreicht haben, ist aus uns ein anderes WIR geworden.
Von 1945 – 1950 erreichten 14 Millionen Menschen auf der Flucht ihre Ziele in Deutschland und Österreich. Mit offenen Armen wurden sie in der Regel nicht empfangen, „wir“ lagen ja selbst moralisch und finanziell am Boden, da konnte mit zusätzlichen Bedürftigen niemand etwas anfangen. Gesammelt in Lagern, begann ihre Integration: Kinder gingen in die Schule, ab 14 Jahren auch zur Arbeit, Erwachsene auf die Felder und Fabriken. Das deutsche Wirtschaftwunder, das in den 50er Jahren einsetzte, wäre ohne diese Arbeitskräfte nicht vorstellbar. „Wir sind Weltmeister“, hieß es 1954. Und das Wir war ein anderes geworden.

Als Berater wissenschaftsbasierter und technologisch orientierter Startups habe ich das große Privileg, moderne und weitblickende, häufig noch sehr junge Menschen kennenzulernen und auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleiten zu dürfen. Eines dieser Teams entwickelt zurzeit eine hochinnovative Lösung für Herausforderungen im Finanzsektor. Auf der Suche nach einem Programmierer wurden sie auf der Plattform „Workeer – Die erste Jobbörse für Geflüchtete und Arbeitgeber“ fündig. Ein junger Mann aus einem der Länder, die gerade von Krieg und Terror überzogen sind, ist ein genialer IT Entwickler. Er spricht nur etwas Deutsch, hervorragend Englisch und ist bereits jetzt von großen IT Unternehmen umworben. Er hat sich für das kleine Startup entschieden. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er verstanden, dass wir, wenn wir die Nacht durchwandern, als neue Gemeinschaft die Morgenröte schauen können.

Fazit:
Flüchtlinge nerven manchmal und kosten jede Menge Geld und Anstrengung. Unseren Wohlstand aber können wir in einer Welt, die sich so schnell verändert wie nie zuvor, nicht erhalten, indem wir Mauern ziehen. Wachstum braucht Arbeitskraft und neue, innovative Impulse und Perspektiven. Deutschland hat 80 Millionen Einwohner und wird in den kommende 50 Jahren auf 60 Millionen schrumpfen, ein Großteil davon Rentner. Unseren Wohlstand können wir uns an die Backe schmieren. Es sei denn, wir haben den Mut, in Flüchtlingen das zu sehen, was sie sind und sein wollen: Mitmenschen, Bürger auf der Suche nach Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand, Arbeitskräfte, Steuerzahler, Eltern und so weiter. Eine andere Chance haben wir nicht, denn vor jedem Aufschwung kommt ein Tal.

Dies ist die Vertiefung des Artikels „Durch die Nacht zur Morgenröte“, der am 7. Oktober auf Startupbrett erschienen ist.

Innovation

Der folgende Artikel ist eine Antwort auf einen Text aus dem Blog Mampels Welt, in dem der Autor Thomas Mampel nach dem Funktionieren von Innovation im sozialen Raum fragt. Meine Antwort: Echte Innovation setzt einen Mangel voraus, also unbeantwortete und relevante Fragen. Davon haben wir zurzeit viele.

Lieber Thomas,
zu Deinem Gedanken, ja Deiner Aufforderung geradezu, Innovation durch kreative, schöpferische Zerstörung voranzutreiben, möchte ich an dieser Stelle noch einmal Stellung nehmen.
„Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ – dieses Zitat wird Victor Hugo zugeschrieben und er musste es wissen – er lebte und wirkte in der Zeit nach der Französischen Revolution, deren gesellschaftliche Auswirkungen wir bis heute spüren. Wir leben geradezu auf ihren Fundamenten.

Dein Aufruf zur schöpferischen Zerstörung leitet sich ja vom Wirtschaftswissenschaftler (und furiosen Lebemann) Joseph Schumpeter ab, der den Unternehmer als eben diesen schöpferischen Zerstörer interpretierte. Schumpeters „lange Wellen der innovativen Konjunktur“ belegen bis heute eindrucksvoll, dass etwas Neues erst durch einen Mangel entsteht, der behoben werden will. Bringe ich beide Gedanken, den von Hugo und den von Schumpeter, zusammen, so lautet die Aussage: „Nichts ist so zerstörerisch (und im nächsten Schritt so schöpferisch), wie eine Idee, deren Ende gekommen ist.“ Und die Idee, die ich meine, ist die Idee des Nationalstaates.

Staaten sind wie Geld, sie existieren eigentlich gar nicht. Papiergeld erhält seinen Wert

1. durch die Verabredung untereinander, das wir einem Schein einen bestimmten (aber nicht exakt bestimmbaren) Wert zuschreiben.

2. durch das Versprechen einer Zentralbank, dieses Papier zu akzeptieren und mit realen Werten abzudecken.

3. und nicht zuletzt dadurch, dass die große Mehrheit aller Beteiligten an die Idee „Geld“ glaubt.

Eine Verabredung also, Vertrauen untereinander, eine starke Institution sowie der Glaube an all das machen aus Metallmünzen, Papierscheinen und digitalen Ziffern eines der mächtigsten Systeme der Welt: Geld, mit all seinen Mechanismen und Auswirkungen.

Die Idee des Nationalstaates ist mindestens ebenso abstrakt, er wird ebenfalls durch Verabredungen, Vertrauen, starke Institutionen und den Glauben daran zusammengehalten. Und die Idee ist ebenso wirkmächtig, wie die Idee des Geldes. Der Unterschied, den ich sehe: Das Geld wird noch lange Bestand haben. Der Nationalstaat hat ausgedient. Ihm fehlen Antworten auf nahezu alle Fragen der Zukunft.

Wenn wir in einen Atlas oder in Google Maps auf das Gebilde „Deutschland“ schauen, das sich wiederum zu neun anderen (ebenso stolzen) Nationen abgrenzt, stellt sich bei den meisten von uns ein Gefühl von Identität ein. Egal, wie wir unserem (falls wir Deutsche sind) Land gegenüberstehen – ob wohlwollend oder skeptisch – die meisten von uns haben einen deutlichen Bezug. Wir setzen uns kritisch mit „unserer“ Geschichte auseinander, sind stolz auf „unser“ Land und zahlen Steuern. Dabei ist uns allen, aber erst wenn wir darüber nachdenken, klar, dass wir mit den allermeisten Menschen in Berlin, Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern sehr wenig gemeinsam haben, wir kennen sie schlicht nicht. Und doch funktioniert die Idee. Spätestens seit 1848, seit dem Versuch, ein geeintes Deutschland zu schaffen (der zwar politisch scheiterte), war die Idee geboren. Und sie war, finde ich, klasse. Anders ausgedrückt: Ihre Zeit war gekommen, es war eine mächtige Idee. Kleinstaaten und Fürstentümer, deren Machtstreben zu Lasten der kleinen Leute ging, wurden zurückgedrängt. Sprache, Kultur und Wirtschaft erlebten einen Boom, der da ankam, wo er erzeugt wurde: bei den Bürgern. Die Idee des Nationalstaates war revolutionär und passte in die Zeit, die Zeit Victor Hugos. Seitdem hat es Deutschland zu Höchstleistungen gebracht, im Guten wie im Furchtbaren, wir sind Weltmeister in der systematischen Vernichtung von Menschen ebenso wie in der Herstellung von Landmaschinen, Autos und Werkzeugen. Es gab Zeiten, da ging es den allermeisten Menschen in Deutschland gut (im Vergleich zum Rest der Welt) und Zeiten, in denen Deutsche und Menschen anderer Nationen vor dem Deutschen Staat und seinen „Bürgern“ zittern mussten. Auf Vieles, das in unserem Land geschaffen wurde, bin ich stolz (und ich sage das mit Bedacht). Für anderes schäme ich mich.

Wie konnte es passieren, dass heute wieder Menschen anderer Nationen vor „besorgten Bürgern“ zittern und sich in Sicherheit bringen müssen? Unter ihnen ausgerechnet Menschen, die vor Krieg und Elend unter Lebensgefahr geflüchtet sind. Wie kann es sein, dass deutsche Rot Kreuz Helfer, die Zelte und Betten für Flüchtlinge aufstellen, angegriffen werden und anschließend zu Protokoll geben, so etwas hätten sie noch nie und nirgendwo sonst erlebt?

Es sind aber nicht die Schreihälse aus Freital, Lübeck oder Dresden, die mich am Nationalstaat Deutschland zweifeln lassen. Noch nicht einmal die Nationalsozialisten haben Deutschland beseitigen können, auch wenn sie am dichtesten dran waren. Nur ein paar Jahre, nachdem sie ihr Land moralisch und in nahezu jeder Hinsicht zerstört hatten, gelangte Deutschland zu mehr Ansehen, mehr Wohlstand und mehr Macht, als jemals zuvor. Nein, es ist jemand anderes, der durch sein Verhalten die Formen und Verabredungen unseres Zusammenlebens völlig in Frage stellt: der Flüchtling. Er steht vor unserer Tür und sagt, sinngemäß: „Ich möchte etwas abhaben vom Kuchen. Zumindest so viel, dass ich und meine Familie davon leben können. Ich bin auch bereit, bei der Herstellung zukünftiger Kuchen mitzuwirken. Ich kann backen und kenne Rezepte.“

Was wollen wir ihm antworten? Was können wir ihm antworten? Dass es „unser“ Kuchen ist, wir ihn aber gerne teilhaben lassen?

Wenn ich den Satz denke „Wir haben Deutschland aufgebaut“, dann sehe ich alte Menschen vor mir, die sich die Rente durch ihre Lebensleistung, wie man so schön sagt, redlich verdient haben (der eine oder andere auch unredlich, das tut hier aber nichts zur Sache). Vielleicht waren sie Postbote, Dachdecker oder Beamte. Sie haben möglicherweise tausende (wahrscheinlich zehntausende) Briefe an ihre Empfänger zugestellt. Sie haben dutzende Dächer gedeckt oder, als Beamte, unzählige Anträge bearbeitet – aber Deutschland aufgebaut hat keiner von ihnen. Ich kann auch meine eigene Lebensleistung beispielhaft heranziehen: ich habe drei Firmen gegründet, keine von denen ist (in der abstrakten Idee „Geld“ bemessen) besonders viel wert, aber sie ernähren mich. Von den Steuern (und Säumniszuschlägen), die ich Zeit meines Lebens gezahlt habe, kann die Stadt Berlin sich bestenfalls eine neue Parkuhr leisten, viel mehr nicht. Ebenso wie die Pensionäre bin ich weit davon entfernt, Deutschland aufgebaut zu haben. Aber Deutschland existiert, und zwar als Land voller Chancen, Annehmlichkeiten, Wohlstand und Möglichkeiten, es ist ein Land, dass so unglaublich verheißungsvoll in die Zukunft zeigt, dass einem schwindelig werden kann pop over to this web-site. „Unser“ Land ist ein Produkt komplexer, global angelegter und sich dynamisch verändernder Prozesse. Der Kuchen, von dem hier also die Rede ist, der hier angehäufte und genutzte Wohlstand, besteht zu einem guten Teil aus den Zutaten des Flüchtlings: Palmöl, Rohöl, Kupfer und andere Rohstoffe zum Beispiel, die der Flüchtling möglicherweise, als er noch kein Flüchtling war, selbst der Erde abgetrotzt hat. Kaffee, Kakao und Bananen, die er und seine Frau, wenn sie Bauern oder Tagelöhner waren bevor sie Flüchtlinge wurden, gepflanzt, gepflegt und geerntet haben. Während meine beiden Mädchen die Schule besuchen, haben seine Kinder vielleicht gerade deren Kleidung genäht – günstige, bunte T-Shirts und Hosen. „Unser“ Wohlstand, dieser Kuchen, beruht nicht zuletzt auf der Arbeitskraft der Flüchtlingsfamilie – und jetzt steht sie an der Tür. Was nun?

Ein anderes Bild: in einem Raum sind unterschiedliche Menschen versammelt, alle haben gemeinsam, dass sie in Deutschland leben. Auch die Bundeskanzlerin ist dabei, ihre Mitarbeiter haben zum „Bürgerdialog“ geladen, einer Veranstaltung, in der es darum geht, Angela Merkel mit Menschen ins Gespräch zu bringen. Wir alle haben gesehen (wer nicht, kann bei Youtube nachschauen), wie Angela Merkel dem palästinensischen Mädchen Reem erklärte, warum sie mit Abschiebung zu rechnen hat: weil sie Palästinenserin ist. Absurd, ein Raum voller Menschen, einer wird nur geduldet, es ist eine Frage der Nationalität. Der Grundgedanke „Wir hier da drinnen, ihr da draußen“ hat in einer globalen Welt keinen Bestand mehr. Egal, ob die Idee des Nationalstaates mir sympathisch erscheint, oder nicht, sie funktioniert nicht mehr. Ich hatte 50 tolle Jahre, in und mit „meinem“ Land, Jahre der Sicherheit, der Freiheit und des Friedens, und ich hatte viel Spaß. Aber jetzt müssen wir, fürchte ich, neu verhandeln. Ich fühle mich einigen Menschen, die keine Deutschen sind, sehr nahe: Ukrainer, Rumänen, Schweden. Mit denen teile ich Vieles, Interessen und Sichtweisen beispielsweise. Warum muss ein palästinensisches Mädchen verschwinden, nur weil sie Palästinenserin ist? Was unterscheidet, was verbindet?

Deutschland gehen die Antworten an Flüchtlinge aus, und zwar nicht, weil wir zu wenig Geld haben oder zu wenige hilfsbereite Menschen (beides ist nicht der Fall). Die Antworten, die Deutschland geben kann, sind aus der Zeit gefallen, sie werden immer aus der Perspektive „Wir hier da drinnen, ihr da draußen“ formuliert. Egal, ob ich jemanden Willkommen heiße oder mich im mit finsterer Mine vor sein neues Zuhause stelle – ich gehe immer davon aus, dass es irgendwie mein Kuchen ist, den ich teile.

Die französische Revolution, Victor Hugo und Joseph Schumpeter – bewegte Zeiten waren das im neunzehnten Jahrhundert, und so mancher europäische Nationalstaat von heute hat seine Wurzeln auch in dieser Zeit. Und heute? Frankreich nennt sich selbst die „Grande Nation“. England, das in den 80er Jahren praktisch seine gesamte Industrie selbst abgeschafft hat, zehrt bis heute eher von seiner Zeit als Weltmacht unter Segeln, als von heutiger, ökonomischer Stärke (es ist die abstrakte Idee des Geldes und der Finanzmärkte, die England in seiner heutigen Form am Leben hält). Deutsche Produkte sind immer noch als Qualität „Made in Germany“ weltweit beliebt, dabei erstreckt sich ihre Produktion längst über den gesamten Planeten. Germany funktioniert als Marke phantastisch – aber als Nation, deren Mitglieder sich hinter einer Idee, für die sie bereit wären, auf die Barrikaden zu gehen, versammeln? Wenn ich mir Cameron, Hollande und Merkel in einem Raum vorstelle, da ist vor lauter Ego nicht viel Platz für andere. Und die Energiequellen hierfür liegen überwiegend in längst Vergangenem. Man trifft sich, um sein jeweils eigenes Interesse möglichst durchzusetzen und nennt das „Europäische Union“.

Gekämpft haben Menschen aber immer für die Zukunft, und das ist meist die Zukunft anderer, die der Kinder und Enkel. Heute sind es die Flüchtlinge, die kämpfen. Die Nation der Flüchtlinge wächst Tag um Tag, es ist eine elende Nation, die wenig zu verlieren hat. „Die Elenden“ (Les miserables) so nannte auch Victor Hugo seinen Roman, der den Kampf auf Barrikaden für ein besseres Leben beschreibt. Der Kampf für ein besseres, lohnenswertes Leben, eine starke Idee, Energie aus einer ungewissen Zukunft. Fruchtbarer Boden für eine Revolution, für die Geburt einer starken Nation. Was haben wir dem entgegenzusetzen? Nichts vergleichbares, außer dem Festhalten an unserem Wohlstand. Das aber wird vergeblich sein.

Siegfried, eine Sagengestalt zwar, aber auch einer der Gründungsbotschafter der deutschen Nation, zog (in einer von unzähligen Versionen der Nibelungensage) mit den Burgundern gegen ein übermächtiges Heer zu Felde. Zu Beginn der erwarteten Schlacht ließ er seine Soldaten zurück und ritt allein auf die Gegner zu. Stunden vergingen, bis Siegfried, im Bunde und im vergnügten Gespräch mit dem gegnerischen Heerführer, zurückkam. Beide hatten beschlossen, die Schlacht ausfallen zu lassen und stattdessen gemeinsam in die Zukunft zu gehen, Land zu bestellen und Städte zu bauen – der Krieg kann warten. Eine Idee braucht Verabredungen, Vertrauen und Glauben.

Mit besten Grüßen an Dich, Deiner Leser und die meinen

Oliver

Flucht und Verantwortung

Was tun mit unserem Geld?

In Deutschland wird wieder selektiert, und zwar in „politische –„ und „Wirtschaftsflüchtlinge“. Statt aber davor Angst zu haben, dass Flüchtlinge uns belasten könnten, sollten wir uns lieber fragen, wie lange wir es uns noch leisten können, sie auszusperren.

Wir haben offenbar einfach kein Geld, uns auch noch um die Wirtschaftsflüchtlinge zu kümmern. In meinem Heimatort Krummesse beispielweise, 2.800 Einwohner, denkt der örtliche Sportverein darüber nach, einen Kunstrasenplatz anzuschaffen. Kosten: 700.000 Euro. Da ich nicht selber Fußball spiele, kann ich auch nicht beurteilen, welchen Vorteil der Kunstrasen gegenüber dem Naturrasen bringt. Ein guter Grund für die Anschaffung liegt aber auf der Hand: In Kronsforde, 500 Einwohner und zwei Kilometer weiter gelegen, bauen sie gerade einen. Da darf Krummesse natürlich nicht hintanstehen.

Rehna liegt ca. 30 Kilometer weiter im wohlhabenden Mecklenburg Vorpommern und ist nicht viel größer. Hier steht ein Leiterwagen auf dem Wunschzettel der Freiwilligen Feuerwehr, 300.000 Euro müssen dafür aufgetrieben werden. Es gibt in Rehna außer einem mittelalterlichen Kirchturm keine nennenswerten Hochbauten und die umliegenden Feuerwehren sind bereits mit Leitern gesegnet, Anfahrt im Notfall: 7 Minuten. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle eine Lanze brechen: Jeder Junge weiß um den Wert eines Feuerwehrautos, eines roten Leiterwagens. Ein Traum.

Deutschland ist das Land solcher Träume, und viele von ihnen gehen in Erfüllung. Nicht nur in der Provinz, wir Berliner wissen (und ich fürchte, auch der Rest der Welt weiß) wovon ich rede: Ein internationaler Airport, ein Stadtschloss, eine Opernsanierung. Die da oben eben… Und wir? Wir sparen wo wir können… Der Strom- und Wasserverbrauch einer Waschmaschine beispielsweise ist seit den 50-er Jahren auf ein Zehntel gesunken! Allerdings hat sich der Gesamtverbrauch an Wäschepflege pro Kopf im gleichen Zeitraum verzehnfacht. Es muss halt nicht nur besonders sauber, sondern auch besonders schnell wieder trocken sein.

Unterm Strich darf man unsere Haltung wohl so zusammenfassen: Für ein paar Wirtschaftsflüchtlinge weniger Wäsche waschen, eventuell sogar auf das Niveau der 50-er Jahre zurückfallen, undenkbar. Zwar sind mir keine Geschichten überliefert, die von untragbaren hygienischen Zuständen der Wirtschaftwunderzeit berichten – trotzdem. Feuerwehrleiter, Kunstrasenplatz, Stadtschloss – wir nennen es Wohlstand, Ökonomen hauchen liebevoll: Wachstum.

Denen darf ich hier etwas verraten. Flüchtlinge aufzunehmen kostet Geld und ist anstrengend. Das Wachstum aber, das wir haben werden, wenn wir Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen, wird bald mit dem der 50-er Jahre vergleichbar sein. Wachstum ergibt sich am besten aus Umbruchsituationen, in der Regel sind dies Kriege und Katastrophen. Hier könnten wir Wachstumsschübe erzeugen, ohne zuvor einen Krieg anzuzetteln. Im Gegenteil, wir retten Leben. Und im Gegensatz zu Freiwilliger Feuerwehr, Stadtschloss, Weichspülgang und Wäschetrockner sind Flüchtlinge, wenn man sie lässt, produktiv. Wahrscheinlich besonders diejenigen, die wir als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen. Vielleicht haben wir sie ja so genannt, weil es sich in der Regel um motivierte Menschen handelt, die sich möglichst schnell in ein funktionierendes Wirtschaftssystem einbringen wollen.

Auch sie haben Träume, unerfüllte: Eine Familie ernähren zu können, eine Wohnung, ein Auto möglicherweise? Vielleicht ein Studium und eine Perspektive auf ein Leben. Relativ bescheidene Wünsche, erfüllbar eigentlich, zumindest für uns, die hier Geborenen und Aufgewachsenen. So ähnlich stelle ich mir die Sehnsüchte der Nachkriegsgeneration, die mit dieser Motivation als Motor das Wirtschaftwunder entfacht und getragen hat – alles war möglich. Und heute? Schaffen wir es, unsere Angst und unsere Schockstarre zu überwinden und Einwanderung zu ermöglichen?
Einmal ist es uns schon gelungen, die deutsche Wirtschaft brauchte damals auch dringend Arbeitskraft. Die Italiener eröffneten ihre Eisdielen und arbeiteten bei Bosch und Daimler. Die Türken der ersten Generation hatten neben Jobs am Fliessband Gemüseläden und Bäckereien, heute sind sie für einen erheblichen Teil des Inlandsproduktes verantwortlich. Noch doller treiben es die Vietnamesen: Die Eltern stehen eigentlich nur im eigenen Spätkauf, um ihren Kindern das Studium in der Medizin oder im Maschinenbau zu ermöglichen.

Was passiert, wenn wir Afrikaner nach Europa lassen, in das alte und stolze Europa, das so dringend einen Innovationsschub braucht? Was werden ihre Kinder studieren? Was werden DIE mit UNS machen, bevor beides zu einem NEUEN GANZEN wird? Ich möchte es gerne wagen, unbedingt.

Dieser Artikel ist Veronika und Thomas Mampel gewidmet, zwei von vielen unermüdlich Engagierten, ohne die die Welt eine andere wäre.

https://mampel.wordpress.com/

Glücksmanagement und Gelegenheitsgurus

Wenn Sie zurückschauen auf ihr bisheriges Leben oder auf ihr Unternehmen – waren Ziele, die sie sich gesetzt haben, entscheidend für das, was Sie heute sind? Wahrscheinlich nicht, oder zumindest nicht ausschließlich.

Unser Leben kennt Zufälle, Glück und Schicksalsschläge. Wendungen und Gelegenheiten – verpasste und genutzte. Ziele spielen in jedem Managementhandbuch aber eine zentrale Rolle, Glück hingegen wird selten thematisiert. Dabei wissen wir alle, was Glück für uns bedeutet, wie es uns befördert, sobald es uns begegnet und wie es Energie in uns mobilisiert. Es geht nicht um Glück in einem esoterischen Sinne, noch nicht einmal ausschließlich in einem emotionalen – obwohl das natürlich wichtig ist. Es geht um Glück im Sinne von Prozessabfolgen, die nicht vorhersehbar sind. Es geht darum, Gelegenheiten als glückliche Wendung zu erkennen und zu nutzen. Mein Gelegenheitsguru zurzeit ist Christian Lindner, zu ihm später.

  • Früher wurden Lebensmittel gekühlt, indem Eisblöcke aus Gletschern oder langen Wintern transportiert, gelagert und genutzt wurden, das konnten sich natürlich nur wenige privilegierte leisten.
  • Dieses Geschäftsmodell wurde abgelöst durch professionell betriebene Kühlhäuser, in denen Waren gesammelt wurden.
  • Danach kam aus den USA die Privatisierung der Frische – der Kühlschrank für jeden Haushalt. Wir kennen und schätzen ihn bis heute.

Können Sie sich vorstellen, dass bald andere Systeme unseren Kühlschrank ablösen? Nein? Ich auch nicht. Die Verkäufer von Gletschereis und die Betreiber von Kühlhäusern konnten oder wollten sich offenbar auch nichts anderes vorstellen, als ihre jeweilige Gegenwart. Jedenfalls hat keiner dieser Unternehmer den Sprung ins nächste Geschäftsmodell geschafft. Sie hatten eben Ziele und bestimmt auch Businesspläne – und dann kam das Leben dazwischen.

Praktisches Management kennt zwei Leitfragen:

  1. Wie sieht die Zukunft aus und welchen Teil von ihr kann ich in Szenarien vorhersagen?
  2. Welchen Teil meiner Zukunft (und der Zukunft anderer, denn Zukunft gehört niemandem) kann ich aktiv beeinflussen?

Ziele akzeptieren weder, dass Zukunft Überraschungen birgt, noch sind sie geeignetes Mittel der Zukunftsgestaltung – außer unter festen Rahmenbedingungen, da sind Ziele das erste Mittel der Wahl.

Wer aber in dynamischen Situationen, und ich denke jetzt sowohl an die Zeit vorindustrieller Kühlsysteme als auch an unsere digitale Gegenwart, ein Unternehmen gründet und sich ausschließlich an Zielen orientiert, der wird Wendungen immer nur als Störung des Plans, nicht aber als glückliche Fügung, als Gelegenheit wahrnehmen.

Wenn Du still stehst, kommen die Dinge auf Dich zu, sagt Buddha. So ähnlich muss sich das auch Christian Lindner gesagt haben, Vorsitzender der heruntergewirtschafteten FDP. Er hielt im Landtag von NRW eine Rede, die wohl keiner weiter beachtet hätte, hätte nicht ein Kollege der SPD einen Zwischenruf zum Thema Insolvenz und Scheitern platziert. Christian Lindner beantwortete diesen Zwischenruf in aller Ausführlichkeit und mit viel Wut im Bauch, das Video bei Youtube ist ein Hit.

Und Christian Lindner, dessen Partei vor ein paar Wochen niemand auch nur mit spitzen Fingern angefasst hätte, ist plötzlich der Star bei Veranstaltungen wie der „Fuck Up Night“. Es ist nur ein kleiner Schritt zum Liebling der deutschen Startup Szene, und Herr Lindner wird diese Gelegenheit nutzen. Planbar war das nicht, aber jetzt, wo die Gelegenheit da ist, wird er sie nutzen. Wir können viel von ihm lernen.

+++ Eilmeldung +++

EZB stellt sozialem Sektor 1 Billion € zur Verfügung

Die Europäische Zentralbank EZB stellt in einem ab sofort wirksamen Programm innerhalb eines Jahres 1 Billion Euro für soziale Zwecke zur Verfügung. Konkret soll das Geld in Projekte der Kinder- und Jugendarbeit, der Erziehung und Bildung sowie für soziokulturelle und ökologische Projekte bereitgestellt werden, das gab die EZB in einer Meldung bekannt. Auf der anschließenden Pressekonferenz begründete EZB Präsident Mario Draghi diese Entscheidung: „Wir müssen in die Gesellschaft investieren. Menschen darin zu befähigen, fester und verlässlicher Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft zu werden, ist eine Investition, die sich vielfach auszahlen wird. Alle gesellschaftlichen Bereiche werden davon nachhaltig profitieren.“

Dass die EZB Geld in diesem Umfang nutzen würde, um Einfluss auf die Währungszone des Euro zu nehmen, war allgemein erwartet worden. Allerdings gingen Wirtschaftsexperten davon aus, dass der Ankauf sogenannter Staatsanleihen im Mittelpunkt des Programms stehen würde. Mit Anleihekäufen versuchen Zentralbanken üblicherweise, ihre Währungen zu beeinflussen und Deflation vorzubeugen. Der Kauf von Staatsanleihen kommt Banken zugute, die widerum dieses Geld günstig an Investoren weitergeben und so die Wirtschaft stützen sollen.

Dementsprechend deutlich fiel die Kritik an der Entscheidung Draghis aus, das Geld nicht den Finanzhäusern, sondern dem Sozialsektor bereitzustellen: „Die Mittel werden denen fehlen, die in Europa Stabilität und Wachstum garantieren“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Banken Jürgen Fitschen.

Unerwartete Unterstützung kam indes aus Deutschland. Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der Anleiheverkäufen stets kritisch gegenüberstand, verteidigte das Programm: „Wer sich mit Wirtschaftssystemen auskennt weiß, dass Geld nie von oben nach unten oder von unten nach oben fließt, sondern in Kreisläufen zirkuliert.“ Und Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Sprecher ausrichten: „Alle Entscheidungen der Europäischen Zentralbank sind mit den nationalen Regierungen abgestimmt und werden von uns ausdrücklich unterstützt. Es kann nicht angehen, dass die Milliarden, die von Menschen in Europa erarbeitet wurden, ausschließlich dem Finanzsektor zugute kommen. Diese Sozialinvestitionen werden sich auszahlen“.
Auch Hans Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung und eigentlich treuer Kritiker der EZB, unterstützt in diesem Fall Mario Draghi: „Es ist ein mutiges Experiment und überschreitet wahrscheinlich die Kompetenzen der Zentralbank bei Weitem. Aber finanzpolitisch ist es klug. Während Banken das Geld im schlimmsten Fall statt für Investitionskredite für Spekulationen veruntreuen würden, fließt Kapital hier in die Breite. Es ist gut angelegt.“

Dabei birgt das Programm weitere Überraschungen: ein Teil des Geldes soll gar nicht in europäische, sondern in internationale Projekte fließen. In enger Abstimmung mit der Unesco sowie Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International, Greenpeace, Kirchen und Gewerkschaften werden Projekte in Afrika und Asien unterstützt. „Das Recht auf würdige Lebensbedingungen und auf Teilhabe an gesellschaftlichem Miteinander, das Recht auf Zukunftsperspektive ist ebenso global wie die bereits gut vernetzte Wirtschaft“, bekräftigt Draghi auf der Pressekonferenz.

Vor Redaktionsschluss meldete der Vatikan über den persönlichen Account von Papst Franziskus (@Pontifex): „Dies ist ein wichtiger und richtiger Schritt hin zu einer Welt in Frieden und Gerechtigkeit“

Kurz danach bin ich aufgewacht.